20.10.2021 10:16 |

Himmel der Bayern

BMW M440i Cabrio: Der ist besser als Freibier!

Bei der Konstruktion eines Autos muss man die wesentlichen Dinge im Auge haben, auch wenn sie für den einen oder anderen eine Kleinigkeit sein mögen. Beim neuen BMW 4er Cabrio sind das unter anderem ein starker Auftritt, ein hervorragend geschmeidiges Fahrverhalten - und dass bei geöffnetem Dach zwei Kästen Bier unter die Dachabdeckung im Kofferraum passen.

Im Fall des BMW M440i xDrive Cabrio kommt auch noch der herrliche (in Steyr gebaute) Motor dazu, der zum Angenehmsten gehört, was man sich derzeit unter eine Motorhaube stecken lassen kann. Drei Liter, sechs Zylinder, 374 PS und dazu ein Motorklang, der die Ohren streichelt. Der TwinScroll-Turbolader sorgt dafür, dass bereits ab 1900/min. 500 Nm Drehmoment herrlich entspannt anschieben, der Bereich darunter wird vom 48-Volt-Mildhybridsystem per 8 kW/11 PS starkem Startergenerator aufgefüllt.

Ja, auch bei etwas so Puristischem wie einem BMW-Cabrio mit Sechszylindermotor steckt jetzt schon Strom drin. Dadurch kann man dann auch tatsächlich gleiten. Geht man vom Gas, wird der Motor abgeschaltet und entkoppelt, man „segelt“. Jedenfalls wenn man langsam vom Gas geht. Macht man das schnell oder schaltet man den Tempomat einfach ab, bleibt der Gang drin und das System rekuperiert. Außerdem ist die Stopp-Start-Automatik so flott, dass sie nicht auffällt.

Die Gewissensfrage
Das ist alles sehr hilfreich fürs Gemüt, denn in Zeiten wie diesen ist man manchmal nah dran, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn man sich von einem großen Motor bewegen lässt (beim Fleisch- oder Fischessen hingegen nicht, darüber sollte man mal nachdenken, puncto Klimawandel). So hält sich der Verbrauch in erfreulichen Grenzen: 8,5 Liter waren es in der Praxis, trotz häufig unsparsamer Fahrweise. Der WLTP-Verbrauch wird mit 6,9 bis 7,4 l/100 km angegeben.

Wenn es das Gewissen zulässt, kann man den BMW mit seinen 1890 kg DIN-Leergewicht in 4,9 Sekunden auf 100 fliegen lassen, während die serienmäßige Achtgangautomatik ihren benchmarkartigen Dienst verrichtet.

Aber was sind schon Zahlen. Es ist eher das Emotionale, was hier für Wohlbefinden sorgt. Die entspannte Art, wie der Wagen beschleunigt, die Dosierung des Luftstromes bei geöffnetem Verdeck, aber auch der des optionalen Nackengebläses, das erstklassige Bediensystem (es ist noch das BMW Operating System 7, zum Glück. Das OS 8 würden wir anders beschreiben) und im Fall des Testwagens das ebenso mächtige wie brillante Harman Kardon Soundsystem, das auch bei hohem Tempo und vollem Sturm nicht an seine Grenzen stößt.

So lässt es sich je nach Musikauswahl durch Kurven tanzen oder dahinrauschen. Das optionale Adaptivfahrwerk passt sich den Wünschen des Fahrers an (übrigens auch die Sitzlehnenwangen), das Sperrdifferenzial an der Hinterachse ist serienmäßig.

Im Cabrio will man heizen, so oder so
Wer es mit dem Cabriofahren ernst meint und wirklich bei jeder Gelegenheit das Verdeck öffnet, dem sei die Option Standheizung um knapp 2000 Euro empfohlen. An einem kalten Tag vom Start weg einheizen zu können, ist wunderbar. Der Nackenwärmer als Teil des Österreichpakets ist auch nett, aber weniger wesentlich. Auch das Windschott ist ein Gewinn, nicht zuletzt weil es bei Nichtverwendung nicht im Weg herumliegt, sondern hinter der Rücksitzlehne steckt, die sich vom Kofferraum aus umklappen lässt. Nur wenn man etwas durchladen möchte, braucht man einen anderen Platz für das Windschott.

So gut die drahtlose Apple-CarPlay-Anbindung ist - an einem kalten Tag kann es problematisch sein, das Smartphone als Navigationsgerät zu verwenden. Zumindest sollte man es bei voller Heizleistung nicht in die Induktivladeschale legen: Die Heizung gibt so Gas, dass das Handy überhitzt und vorübergehend den Dienst verweigert.

Ein Kasten Verdeck, zwei Kästen Bier
Das Verdeck lässt sich in 18 Sekunden öffnen oder schließen, und das bis Stadttempo 50 km/h. Ist es geschlossen, unterscheidet sich das 4er-Cabrio kaum von einem Coupé, denn in dem Fall steht das volle Kofferraumvolumen von 385 Liter (okay, das ist weniger als die 440 Liter des 4er-Coupés) zur Verfügung und auch die Windgeräusche bleiben fast auf dem Niveau eines verlöteten Autos. Das sogenannte Flächenspriegelverdeck dämmt ganz hervorragend. Um es öffnen zu können, muss man im Kofferraum eine Art Kastenherunterklappen, der einen großen Teil des Volumens einnimmt. Auf den ersten Blick wirkt der Laderaum damit voll. Tatsächlich passt aber noch einiges zwischen den Kasten und die Ladekante. Vor allem aber gehen sich aber unterhalb locker zwei Kästen Bier aus. In einem Auto aus München ist das wichtig, nachdem dieses Nahrungsmittel hier eine besondere Tradition hat. In der bayerischen Landeshauptstadt wurde 1487 immerhin auch das Reinheitsgebot erfunden.

Bier und Autos haben eines gemeinsam: Sie sind beide im Lauf der Jahre teurer geworden. Während Bier aber noch immer leistbar ist, muss man für das 4er-Cabrio schon sehr tief in die Tasche greifen: Der Testwagen kommt auf 105.000 Euro, inklusive Extras um über 20.000 Euro (Basispreis BMW 420i Cabrio: 58.550 Euro, M440i xDrive Cabrio: 83.750 Euro).

Fahrzit
Was ist das beste Bier? Freibier, sagt der Bayer. Demnach müsste der beste BMW einer sein, der nichts kostet. Tatsächlich wird im BMW M440i xDrive Cabrio aber ein anderer Eindruck immer stärker, je länger man mit ihm unterwegs ist: Es ist sein Geld wert, man muss es sich allerdings leisten können. In dem Fall kann man sich durchaus als Glückspilz bezeichnen. Duslbruada, sagt der Bayer.

Eine Münchner Brauerei bezeichnet ihr eigenes Bier als „Himmel der Bayern“. Den Spruch könnte BMW dem M440i Cabrio auch umhängen.

Warum?
Ein großartiges Cabrio, das trotz Sechszylindermotor und jeder Menge Fahrspaß nicht unvernünftig ist
Die bei Einführung extrem polarisierende Front fasziniert auf lange Sicht

Warum nicht?
Der Preis ist schon eine Ansage

Oder vielleicht …
… den Diesel? Das Ganze gibt es demnächst auch als M440d xDrive mit 340 PS und 700 Nm.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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