03.06.2020 08:31 |

Die trauen sich was …

BMW 4er Coupé: Das Münchner Sportwagnis ist da!

Es ist sicher unfair, das neue BMW-4er-Coupé auf seine mächtigen Nieren zu reduzieren. Denn zum einen ist der Rest des Designs absolut mehrheitsfähig, zum anderen dürften die Münchner die maximale Abgrenzung zur Dreier-Reihe im Sinn gehabt haben. Und glaubt man den Angaben, unterscheiden sich die beiden in ihrer fahrdynamischen Ausprägung ähnlich stark wie in ihrem Design.

Selten wurde ein Hersteller derart gescholten wie für diese Front, die wir am auf der IAA 2019 ausgestellten Concept Car noch für realitätsfern gehalten haben. Doch wie bei BMW üblich sind Concept Cars grundsätzlich sehr nah am Serienmodell dran, auf das sie einen Ausblick geben.

So ist die Linie des Fahrzeugs genauso atemberaubend wie an der IAA-Studie. Die Nieren sind nach vorn geneigt, reichen bis nahezu an den unteren Abschluss der Frontschürze, haben allerdings ein Problem: Nein, nicht ihre Größe (das meinen wir hier jedenfalls nicht), sondern das Nummernschild. An der Studie bestand das Taferl noch aus Plexiglas und durchbrach daher nicht die Optik. Doch so wirkt es, als hätte der Designer vergessen, dass in den meisten Ländern auch vorne eine Kennzeichentafel obligatorisch ist. Sei‘s drum. Weit in die Radhäuser reichende LED-Scheinwerfer sind jedenfalls Serie, Matrixleuchten und Laser-Fernlicht optional.

Der neue 4er ist so eigenständig, wie nur irgend möglich
Einst war der 4er schlicht die dreitürige Version des 3er, heute möchte man fast schon von einer eigenen Baureihe sprechen (wie es BMW ohnehin tut). Obwohl bereits der 3er der Dynamiker seiner Klasse ist, hat BMW beim 4er „noch einmal eine ordentliche Schippe draufgelegt“, wie es Entwickler Peter Langen im Zuge einer ersten Tarn-Testfahrt genannt hat.

Klar muss er mit den bekannten Bauteilen hantieren, weil sich BMW für etwa ein Viertel des 3er-Volumens natürlich keine eigene Plattform, keine eigenen Achsen und keine eigenen Antriebe erlauben kann. Doch hat Langen zumindest die Flexibilität der Baukästen ausgereizt und den 4er damit deutlich differenziert. Er bekommt nicht nur einfach eine neue Abstimmung und einen anderen Software-Satz etwa für das elektronische Differential, für die adaptiven Dämpfer oder für die Lenkung. Unter anderem geht die Spur an der Hinterachse um gute zwei Zentimeter in die Breite, während vorne der Sturz zunimmt. Und auch die Versteifungen unter der Motorhaube sowie im Heck wird man bei Limousine und Kombi vergebens suchen. Und selbst die Designer haben ihm geholfen: Weil der 4er sechs Zentimeter flacher ist als der Dreier, sinkt der Schwerpunkt um zwei Zentimeter, was der Straßenlage ebenfalls dienlich ist.

Das Ergebnis ist ein Auto, das den Fahrer förmlich zum Fahren zwingt. Wo man selbst im 3er bisweilen einfach nur transportiert werden will und deshalb eher lustlos ins Lenkrad greift, weckt der Vierer vom ersten Meter an die Lebensgeister und ermuntert zu mehr Engagement. „Und dabei geht es nicht um Geschwindigkeit oder Grenzerfahrungen“, sagt Langen. Das präzise Lenkgefühl, das direkte Ansprechen der Dämpfer und das enge Band zwischen Fahrbahn und Fahrzeug - das alles kann man schon bei niedrigem Tempo spüren. „Fahrdynamik ist keine Frage des Tempos“, doziert der Ingenieur, „dabei geht es vor allem um Genauigkeit, um Leichtigkeit und darum, sich gut aufgehoben zu fühlen.“

Komfort ist zweitrangig, der Antrieb ist neu
Dafür macht Langen bereitwillig auch Kompromisse, die etwa beim 3er nicht toleriert worden wären: Komfort zum Beispiel stehe beim 4er nicht an erster Stelle und es dürfe ruhig auch mal etwas ruppiger zugehen, wenn die Straße entsprechend rau ist, räumt der Entwickler ein. Selbst bei den Motoren bewahrt der 4er einen gewissen Eigensinn. Zumindest vorübergehend. Denn unter der Haube des Prototypen schnurrt der erste BMW-Benziner mit 48 Volt-Technik und elektrischem Startergenerator. Nicht dass der 374 PS starke Sechszylinder im M340i eine spürbare Anfahrschwäche hätte. Doch im M440i springt ihm jetzt noch ein elektrischer Booster zur Seite und stopft mit weiteren 18 PS auch den letzten Rest eines allenfalls theoretischen Turbolochs. Und beim Spritsparen hilft er durch mehr Rekuperation natürlich auch. Genau deshalb allerdings wird es die Technik schnell auch in anderen Baureihen geben und zumindest in dieser Disziplin holt der Rest der Familie den 4er flott wieder ein.

Apropos Familienplanung: Die ist mit dem Verkaufsstart des Coupés im Herbst noch lange nicht abgeschlossen. Wie bislang wird es den 4er auch als Gran Coupé mit vier Türen und einer dann hoffentlich etwas bequemeren Rückbank geben und auch wieder als Cabrio mit ausreichend Kopffreiheit. Und natürlich lässt sich auch die M GmbH nicht lumpen und will eine mehr als 500 PS starke Power-Version von 3er und 4er von der Leine lassen.

Keine Überraschungen im Innenraum
Der Innenraum überrascht nicht, das gilt hier wie in jedem anderen BMW zurzeit auch. Das ist nicht grundsätzlich ein Fehler, doch BMW geht ganz klar in eine Richtung, und die ist nicht jedermanns Sache. Das optionale 12,3 Zoll große digitale Tachodisplay bietet längst keine Rundinstrumente mehr an. Die Skalen von Tacho und Drehzahlmesser sind an den äußeren Rand gedrängt, unübersichtlich skaliert und wie bei Peugeot gegenläufig. Das ist so charmant, wie es bei anderen Herstellern Auspuffattrappen sind (auf die BMW zum Glück grundsätzlich verzichtet). Das aktuell gefahrene Tempo kann man allerdings auch digital (optional ach am Head-up-Display) ablesen, man wird also zumindest informiert.

Der zentrale Touchscreen misst bis zu 10,25 Zoll und spielt optional alle Stückln, die BMW im Programm hat. Das gilt generell für die digitalen Fähigkeiten des 4er, bis hin zur automatischen Dashcam und dem selbsttätigen Rückwärtsrangieren.

Der 4er kann auch hemdsärmelig
Wer nicht allzu tief in die Optionskiste greift, bekommt fast klassische Armaturen mit einem 5,1-Zoll-Farbdisplay dazwischen sowie einen 8,8 Zoll großen zentralen Touchscreen.

Statt einer Rückbank bietet der 4er zwei sportliche Einzelsitze, wie überhaupt Sportsitze Serie sind. Doch das Praktische kommt nicht zu kurz: Die Fondsitzlehne ist dreigeteilt vom 440 Liter großen Kofferraum aus umklappbar

Zum Händler rollt der neue BMW 4er im Oktober 2020 als M440i xDrive sowie mit zwei Vierzylinder-Ottomotoren und einem Vierzylinder-Dieselantrieb. Alle mit 8-Gang-Steptronic-Getriebe, optional in einer Sportversion mit Sprint-Funktion. Im März 2021 werden zwei Reihensechszylinder-Dieselmotoren und weitere Allradvarianten nachgereicht.

Man kann sagen, BMW hat Mut. Der neue 4er ist als Sportwagen gedacht, wird aber als Sportwagnis waahrgenommen. In jedem Fall gibt es viel zu entdecken. Sobald es einem gelungen ist, nicht mehr auf die Front zu starren.

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