Sexualmedizin

Es kann jeden treffen: Hormone aus dem Lot

Nicht nur Frauen, auch Männer unterliegen unterschiedlichen endokrinen Schwankungen, auch bei Männern nimmt die Testosteronproduktion ab der Lebensmitte nach und nach ab, wie bei einem aktuellen Kongress berichtet.

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Eigentlich dauert das Klimakterium, also die Hormon-Umstellung des weiblichen Organismus, von den fruchtbaren Jahren zu jenen nach dem Ausbleiben der Regelblutung, im Schnitt zwei Jahre, und tritt in Europa mit ca. 52 Jahren auf. Dennoch haben viele Frauen die als unangenehm empfundenen Wechseljahrebeschwerden über längere Zeiträume. „Wenn sich eine Frau nicht gut fühlt und beispielsweise unter Scheidentrockenheit leidet, gibt sie sich auch der sexuellen Aktivität weniger hin. Das wirkt sich auf die gesamte Durchblutung und die Lubrikationsfähigkeit (Anm.: Produktion von Gleitflüssigkeit in der Vagina) aus, wodurch sich die Sexualfunktion weiter verschlechtert (,use it or lose it‘)“, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Michaela Bayerle-Eder, MedUni Wien, bei ihrem Vortrag im Zuge des Kongresses „Sexualmedizin interdisziplinär“, der im Wiener AKH stattfand. Einer Zäsur muss das aber nicht gleichkommen. „Wenn man diesen Prozess gut begleitet, kann man nachher so gut leben wie vorher“, rät die Internistin zu sexualmedizinischer Abklärung.

Mehr Lebensfreude durch Yoga und Sport
Ausdauersport, Muskeltraining und Yoga bringen tatsächlichen Nutzen für Körper und Psyche! Sie wirken euphorisierend, harmonisierend und erhalten die physische Gesundheit. Eine gute Möglichkeit, auch Herzrasen oder unregelmäßigen Herzschlag durch Hormonschwankungen in den Griff zu bekommen. „Zunächst sollten aber der Blutdruck gemessen und ein EKG gemacht werden. Damit abgeklärt ist, dass keine Erkrankung vorliegt“, rät die Expertin. Auch Männer sind vor Hormonproblemen nicht gefeit, wie Prof. Dr. Michael Eisenmenger, Urologe aus Wien, beschreibt: „Der männliche Hypogonadismus (Anm.: Defizit des Sexualhormons Testosteron, Gonaden=Keimdrüsen) wird als ein durch Androgenmangel verursachtes klinisches Syndrom, welches verschiedene Organfunktionen und die Lebensqualität negativ beeinflussen kann, definiert.“

Die Testosteronproduktion nimmt ab 40 um etwa ein Prozent pro Jahr ab. Als unterer Grenzwert gilt ein Wert im Serum unter 3,5 ng/ml. Das lässt sich über einen Blutbefund aus dem Labor ermitteln. Die Symptome für eine hormonelle Funktionsstörung werden zunächst in einem Anamnesegespräch erhoben, wo auch subjektives Empfinden bzw. der Leidensdruck des Patienten eine Rolle spielt. Häufige Probleme stellen Libidoverlust, Rückgang der Morgenerektionen, erektile Dysfunktion, Müdigkeit, Gedächtnisprobleme, depressive Gedanken sowie Reizbarkeit dar. Klinische Befunde (Sarkopenie, Abnahme der Muskelkraft, Abnahme der Knochendichte, Anämie), Zunahme des Körperfetts und Gewichts, Entwicklung einer Insulinresistenz sind die zweite Säule der Befundung. Daraus ergibt sich die Therapiewahl.

Testosteronwert bei Männern bestimmen
Hochrisikofaktoren sind Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas (BMI größer/gleich 30). Daher sollte sowohl bei Diabetikern wie auch bei übergewichtigen Männern das Serum-Testosteron bestimmt werden.

Typ-2-Diabetes mellitus gilt als Wegbereiter für die Entwicklung des Hypogonadismus. Daher leiden bis zu 50 Prozent aller männlichen Typ-2-Zuckerkranken unter Testosteronmangel. Prof. Eisenmenger: „Bei den Behandlungsmöglichkeiten steht das Engagement des Patienten zur Veränderung seines Lebensstils mit Gewichtsreduktion durch Verbesserung der Ernährung und Sport - auch Kraftsport - im Vordergrund. Unterstützend werden Testosteron-Präparate eingesetzt. Lifestyle-Anpassungen plus Testosteron-Therapie führen zu Gewichtsverlust, Abnahme des Bauchumfangs, Verbesserung der metabolischen Parameter wie Blutzucker, HbA1c, Lipide und Senkung des Blutdrucks.“

Das fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern erhöht auch die Lebenserwartung.

Karin Podolak
Karin Podolak
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