„Feuchtbiotop bedroht“

Lobau-Lokalaugenschein: Im Boden tickt Öko-Bombe

Ihr Widerstand ist ungebrochen, und doch lässt er sich nicht mit jenem gegen das Kraftwerk Hainburg vergleichen. Sorgen macht dem Greenpeace-Chef jedenfalls die „schwarze Pest“.

Ökologisch hochsensibel sei das betroffene Gebiet und von ökologisch internationaler Bedeutung, versichern Greenpeace-Chef Alexander Egit und seine Aktivisten Lisa Panhuber und Stefan Stadler beim gemeinsamen Lokalaugenschein in der Wiener Lobau, dort also, wo sich im Sommer rund um die Dechantlacke die Nacktbader tummeln und wo jetzt einige Karpfen träge nach Nahrung schlurfen und Schwäne neugierig, aber doch irgendwie müde heranschwimmen.

„Im Boden ticken historische Öko-Zeitbomben“
Aus den Regenbogenkämpfern sprudelt es derweil recht kämpferisch heraus. „Der Tunnel bedroht diesen Nationalpark durch so massive Bohrungen und Baumaßnahmen, dass einige der wichtigsten Feuchtbiotope von der Austrocknung bedroht sind“, warnt Egit beim kleinen Ökogipfel mit der „Krone“ im Herzen der Lobau einmal mehr. Was ihm vielleicht noch mehr Sorgen macht und ihm ob der „recht seltsamen Trassenführung“ nicht in den Kopf gehen will: „Im Boden, den die Röhre durchstechen wird, ticken historische Öko-Zeitbomben in Form der Öl-Altlast. Denn das in der NS-Zeit als Umschlagplatz ausgebaute Hafengelände wurde ab Sommer 1944 bombardiert. Aus den zerstörten Tanklagern floss die ,schwarze Pest‘ ungehindert ins Grundwasser und verseuchte das Gebiet. Egit: “Die Umweltkatastrophe wurde durch eine 60 Meter in den Untergrund reichende Dichtwand in Schach gehalten. Eben durch diese soll jetzt direkt hineingebohrt werden. Dabei kann schon ein Tropfen Erdöl bis zu tausend Liter Wasser unwiederbringlich vergiften."

Stadtstraßen-Gegener machen sich winterfit
Während sich aber über die Lobau herbstliche Stille legt, herrscht in Hirschstetten reges Treiben. Denn dort zimmern die Gegner der geplanten Asperner Stadtstraße, die letztlich in die berüchtigte Röhre münden soll, gerade an einer meterhohen Pyramide, die als beheizte Widerstandszentrale dienen soll, sobald auch nur ein Bagger angeworfen wird.

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Ich bin etwas zwiegespalten. Mit dem Widerstand von damals gegen Hainburg ist das nicht zu vergleichen. Bei diesem Projekt gibt es ein Wider, aber auch ein Für.

Aubesetzer Gerhard Heilingbrunner

Ob der Geist von Hainburg, wo zur Verhinderung eines Donaukraftwerks im Winter 1984 die Au besetzt wurde, auch hier zu spüren sei, lässt Umweltlegende Gerhard Heilingbrunner nach einem Besuch in den vier Camps offen. Er gibt sich diplomatisch: „Das sind alles sehr sympathische junge Leute. Doch verkehrsmäßig ist im 20. und 21. Bezirk die Hölle los. Das muss man schon auch zur Kenntnis nehmen ...“

Mark Perry
Mark Perry
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Sonntag, 28. November 2021
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