Freigesprochen

Ex-Hypo-Boss: “Ich wurde öffentlich hingerichtet”

Kärnten
29.03.2011 16:49
Mit drei Freisprüchen ist am Dienstag der Prozess gegen die ehemaligen Hypo-Manager Wolfgang Kulterer, Gert Xander und Albin Ruhdorfer am Landesgericht Klagenfurt zu Ende gegangen. Prozessbeobachter hatten dieses Urteil bereits erwartet, denn die Suppe gegen die drei ehemaligen Hypo-Banker war dünn. Damit entpuppt sich das erste Verfahren rund um die Milliardenpleite als Desaster für die Hypo-Jäger. Dennoch ist die Freude bei "Mr. Hypo" Wolfgang Kulterer (im Bild mit seinem Anwalt) gedämpft.

15 Monate Ermittlungen, Hunderttausende Aktenseiten, zwölf Verhandlungstage, Videoschaltungen – und alles für die Katz? Die Ex-Hypo-Chefs erhalten nicht nur einen Freispruch, sondern auch gleich einen Freibrief, korrekt gearbeitet zu haben. "Sie haben Ihre Entscheidungen immer nach bestem Wissen und Gewissen gefällt", attestiert Richter Norbert Jenny wohlwollend Kulterer, Xander und Ruhdorfer. "Daher ist Ihnen kein strafrechtlicher Vorwurf wegen der inkriminierten Kreditfälle zu machen."

Ermittler verlassen empört den Saal
Staatsanwalt Andreas Höbl und Anwalt Leo Grötschnig von der sogenannten "CSI Hypo" sacken in sich zusammen, die Ermittler der SOKO Hypo verlassen empört den Klagenfurter Gerichtssaal. Der Herr Rat geht noch weiter: "Kein Anklagepunkt konnte bewiesen werden." Daher gibt es einen glatten Freispruch. "Das ist nicht nachvollziehbar", schimpft Staatsanwalt Höbl und meldet Nichtigkeit an. 

"Das ist leider normales Bankgeschäft"
Nun sind also wie in Sachen Bawag die Höchstrichter am Zug, die zwei "faule Darlehen" in Kärnten beurteilen müssen: Zum einen vergab die Bank zwei Millionen Euro an die Fluglinie "Styrian Spirit", zum anderen 150.000 Euro an "Lucona"-Detektiv Dietmar Guggenbichler. Beide meldeten Konkurs an, die Hypo schaute durch die Finger. "Das ist leider normales Bankgeschäft", meinte Ruhdorfers Verteidiger Herbert Felsberger. "Die Idee, anno 2005 in eine Kärntner-Steirer-Airline zu investieren, war von Landeshauptmann Haider eigentlich genial."

Haftentschädigung für drei Monate als Spende
Als das Investment aber rasch zum Millionenflop avancierte, putzte sich die Landespolitik ab, alles blieb an Hypochef Kulterer hängen. Dass er strafrechtlich vorerst entlastet ist, nimmt der 57-jährige "Mr. Hypo" stoisch zur Kenntnis. "Die Freude hält sich in Grenzen", sagt er zur "Krone". "Wenn Sie daran denken, wie ich öffentlich hingerichtet wurde! Das ist nicht ungeschehen zu machen." Tatsächlich saß Kulterer als bislang einziger aller mehr als 60 Hypo-Verdächtigen drei Monate in U-Haft. Just wegen der nun sanktionierten Kreditfälle.

"Wir werden eine Haftentschädigung prüfen", so Anwalt Ferdinand Lanker. Da Kulterer durch die Festnahme aus der Flick-Milliardenstiftung flog, könnte einiges drinnen sein. "Was immer ich bekomme, ich spende es für einen guten Zweck", verspricht er.

Kulterer will "wieder Fuß fassen"
Wie es nun weitergeht? Kulterer will "wieder Fuß fassen", die Staatsanwaltschaft wartet auf grünes Licht vom Justizministerium für eine weitere Hypo-Anklage. Hier sollen andere Ex-Banker mit Vorzugsaktien abgecasht haben. Die Sache sei aber rechtlich "sehr komplex", heißt es.

von Kerstin Wassermann, Kärntner Krone

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