Krieg in Libyen
Gadafis Truppen fügen den Rebellen schwere Verluste zu
Die Bodentruppen Gadafis und die Rebellen kämpfen derzeit vor allem in der östlichen Stadt Ajdabiya und in Misrata gegeneinander. Rund um Sintan, 100 Kilometer südwestlich von Tripolis, zogen die Regimetruppen inzwischen neue Verbände zusammen. Einwohner von Misrata berichten, dass Gadafis Truppen den Hafen der Stadt eingenommen hätten. Tausende Gastarbeiter, die darauf warteten, außer Landes gebracht zu werden, säßen dort fest.
Widersprüchliche Angaben
Eine Überprüfung der Angaben bleibt aber schwierig, denn die Kriegsparteien haben wiederholt widersprüchliche Aussagen gemacht. So meldeten etwa libysche Staatsmedien, bei den Angriffen der Allianz in Tajoura seien auch zivile Ziele bombardiert worden. Das staatliche Fernsehen zeigte zum Beweis Bilder von Leichen, die zum Teil verkohlt waren.
Libysche Oppositionelle bestritten aber, dass es sich dabei um die Leichen von Zivilisten handelt, die bei den Luftangriffen ums Leben gekommen seien. "Hier in Tajura gibt es keine zivilen Opfer, sondern nur militärische Schäden. Wir sind hier eingekesselt von sechs Brigaden der Truppen von Gadafi", erklärt ein Libyer in einem Video, das die Aufständischen am Donnerstag veröffentlichten.
Die libysche Internet-Zeitung "Al-Watan" meldete am Donnerstag, über Gadafis Heimatstadt Sirte sei am Mittwochabend ein französischer Kampfjet abgeschossen worden. Der Pilot habe sich retten können, er sei nun ein Gefangener der libyschen Armee. Ein Sprecher der französischen Streitkräfte bestritt diese Darstellung. "Kein französisches Flugzeug wurde in Sirte abgeschossen", sagte Oberst Thierry Burkhard der deutschen Nachrichtenagentur dpa.
Allianz weitet ihre Luftangriffe aus
Die internationale Militärallianz weitete ihre Luftangriffe indes auch auf den Süden des Landes aus. Nach Angaben aus libyschen Sicherheitskreisen bombardierten die Kampfjets unter anderem mehrere Ziele in der Stadt Sebha, rund 1.000 Kilometer südlich von Tripolis. Auch ein Militärflughafen in Al-Jufra, 800 Kilometer südlich der Hauptstadt, geriet unter Beschuss.
In der Nacht zum Donnerstag wurden zudem mehrere Ziele östlich der Hauptstadt Tripolis bombardiert. Augenzeugen berichteten von Flammen auf einem Militärstützpunkt in dem Vorort Tajoura.
Nach Einschätzung des französischen Außenministers Alain Juppe werden die Luftangriffe gegen Libyen nicht mehr allzu lange dauern, "eher Tage oder Wochen als Monate", sagte er. Vorrangiges Ziel der Intervention sei nicht, Gadafi von der Macht zu entfernen. "Es geht uns nicht darum, das Regime auszuwechseln. Das ist Aufgabe der Libyer", sagte Juppe.
Berlusconi fordert Gadafi zu Waffenstillstand auf
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi rief Gadafi zu einem Waffenstillstand auf. Er glaube jedoch nicht, dass sich Gadafi zum Dialog entschließen wird. "Gadafi ist noch zuversichtlich, dass er sich behaupten kann, weil er die volle Kontrolle der Hauptstadt Tripolis hat", betonte der Premierminister gegenüber der Mailänder Tageszeitung "Corriere dela Sera".
Faymann pocht auf Neutralität
Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich in der Haltung zu Libyen zurückhaltend. "Wir sind neutral. Also werden wir nicht dieselbe Rolle in einem Konflikt spielen wie etwa jemand, der NATO-Mitglied ist", betonte er vor dem EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag. Wenn Österreich an dem internationalen Einsatz teilnehme, dann humanitär, sagte Faymann. Voraussetzung für eine eventuelle Beteiligung im Rahmen der EU-Battle-Groups sei ein UNO-Mandat, ein Beschluss der EU sowie die Einzelfall-Entscheidung. Der Bundeskanzler kann sich zum Beispiel vorstellen, dass Österreich beim Schutz eines Flüchtlingslagers außerhalb der Grenzen Libyens militärisch mitwirkt.
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