Am Donnerstagabend fand die Präsentation passenderweise in der Taxifunkzentrale 40100 in Liesing statt. Danach sprachen die beiden mobilen Dienstleister nicht nur über das Buch, sondern auch über das Taxifahrer-Dasein an sich.
90-Jähriger nach Tod auf Rückbank Preziosen geklaut
Bei einigen dieser kurzen Geschichten ist das Wort "extrem" auch wirklich das einzig passende, denn der 44-Jährige hat zum Teil Unvorstellbares erlebt. Wenn er etwa beschreibt, wie eine über 90-jährige Dame im Rücksitz an einem Herzinfarkt stirbt und ihr etwa 15 Jahre jüngerer Begleiter der Verstorbenen lächelnd den teuren Schmuck abzunehmen beginnt, dann möchte man eigentlich nicht glauben, dass so etwas wirklich passiert ist.
Bedrohliche Situationen gab es im Laufe der Jahre genug, ob das nun gelungene und nicht gelungene Raubversuche an Molnar waren oder gewaltbereite Fahrgäste sind - da mangle es nicht an strafrechtlich relevanten Tatbeständen.
"Betrunken sind fast alle in der Früh"
Neben Ortskenntnissen und einem gewissen Kommunikationstalent sollte der ideale Taxifahrer daher "ein bisserl ein Psychologe sein", findet Wolf May, der Molnars Geschichten niederschrieb, da sich letzterer im schriftlichen Deutsch nicht sicher genug fühlte. "Nicht nur ein bisschen, sondern sehr", berichtigt Kollege Molnar. Die Fähigkeit jemanden zu beruhigen sei sehr wichtig, wenn es darum geht, betrunkene Fahrgäste unter Kontrolle zu halten.
"Wenn man mit denen richtig umgeht, kann man sogar ein gutes Gespräch mit ihnen haben", anstatt Streit oder gar Schlimmeres heraufzubeschwören. Eine Taxinachtschicht ist nichts für Zartbesaitete: "Betrunken sind fast alle in der Früh, aber es gibt verschiedene Betrunkene" und da auch denjenigen Typus, der nur auf ein falsches Wort wartet, weiß Molnar.
Manchmal bieten die nichtalltäglichen Episoden des Buchs auch witzige Erlebnisse, Auftritte von Menschen der skurrilen Sorte, betäubte Schäferhunde, die bei großer Hitze in den zweiten Stock eines Wohnhauses getragen werden wollen, sowie unmoralische Angebote von männlichen Fahrgästen, die man ebenfalls mit einer gewissen Gelassenheit abwehren muss.
Taxi als fahrbarer Beichtstuhl
Aber selbst für den harmlosen, im Buch so gut wie nicht vorkommenden, Kunden braucht man psychologische Fähigkeiten, denn nicht wenige Fahrgäste besprechen mit ihrem Fahrer die eigenen, oft intimsten Probleme. "Dazu müssen die Fahrgäste noch nicht einmal alkoholisiert sein", erläutert May. Dann wird aus dem Taxi eine Art fahrbarer Beichtstuhl: "Wir hören oft Geschichten, die glaubt man gar nicht. Leute bedanken sich dann aber für das Gespräch, und das ist eine der positiven Seiten des Berufs." Das Dasein als Taxifahrer schult auf jeden Fall die Menschenkenntnis: "Jede Menge kann man davon ansammeln", findet Molnar, wobei sich seine Sicht auf die Leute nicht verschlechtert habe.
Zustände in der Branche schlechter geworden
Verschlechtert hat sich dafür die Branche selbst, verglichen mit jener vor zwanzig Jahren, als Molnar mit dem Taxifahren anfing: "Es ist härter geworden. Damals waren es ungefähr 3.200 Taxis in Wien, inzwischen sind 4.500 unterwegs.". Das bedeutet mehr Arbeit für weniger Einnahmen für Molnar, der 1987 nach Österreich kam. "Mir kommt vor, dass gewisse Leute aggressiver geworden sind", wobei er nicht nur die Aggressivität der fahrenden Konkurrenz meint, auch die der Fahrgäste selbst sei inzwischen gestiegen. Taxifahren würde Wolf May aber weiterhin bleiben, selbst wenn das Buch ein unerwartet großer Erfolg würde: "Doch dann aber hinten, als Gast."
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