76 Millionen Euro

„Freunderlwirtschaft“ bei Schutzartikelkauf in OÖ?

Zehn Tage vor der Landtagswahl werden millionenschwere Aufträge an einen der ÖVP nahestehenden Unternehmer in Oberösterreich wieder zum Thema. Zwei Prüfberichte legen mittlerweile nahe, dass die Corona-Schutzartikel zu einem überteuerten Preis angeschafft worden sein könnten. Sowohl der interne Revisionsbericht der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG) als auch ein Rechnungshofbericht zeigen auf, dass das Land vergleichsweise viel Geld ausgab. Seitens der NEOS ortet man „Freunderlwirtschaft“. Die ÖVP hingegen konstatiert, dass die Rechtmäßigkeit der Anschaffung bereits „zweifach bescheinigt“ worden sei.

Der Rechnungshof (RH) stellt in seinem Rohbericht fest, dass sich die Ausgaben der Bundesländer für Schutzausrüstung „erheblich“ unterscheiden. So hat Oberösterreich im Zeitraum März bis Mai 76 Millionen Euro ausgegeben, während Kärnten und Salzburg mit vier bzw. fünf Millionen ausgekommen sind, Niederösterreich hat zwölf Millionen in die Hand genommen. Nur Wien (82 Millionen) hat ähnliche hohe Summen wie Oberösterreich ausgegeben. Auch der interne Revisionsbericht bestätigt, dass es günstigere Angebote als jenes vom ÖVP-nahen PR-Berater gegeben hätte.

Viel Wirbel ausgelöst
Die Angelegenheit hat in Oberösterreich bereits im Vorjahr für viel Wirbel gesorgt. Es gab Anzeigen und diverse Prüfungen. Die Gesundheitsholding gab im Juni 2020 an, um insgesamt 70,3 Millionen Euro im Auftrag des Landes Oberösterreich Corona-Schutzausrüstung beschafft zu haben. 4,5 Millionen Euro Liefervolumen entfielen auf die Firma des Kommunikationsberaters. Die Firma des Polit-Netzwerkers wurde erst im April 2020 gegründet, zählte aber zu den Top-Fünf-Lieferanten für Corona-Aufträge des Landes. Allerdings kam der Kontrollausschuss des Landtags Anfang Juli zu dem Schluss, dass „sämtliche Ankäufe durch die Oö. Gesundheitsholding einwandfrei abgelaufen sind“. Auch die Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen mangels Anfangsverdachts ein.

ÖVP: „Rechtmäßigkeit ist zweifach bescheinigt“
Darauf wies auch der ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer in einer Stellungnahme hin: „Die Beschaffung von Schutzausrüstung wurde sowohl in der Oberösterreichischen Gesundheitsholding als auch durch die Staatsanwaltschaft Linz in Augenschein genommen, die Rechtmäßigkeit ist zweifach bescheinigt.“ Er sieht im neuerlichen Hochkochen des Themas den „offensichtlich verzweifelten Versuch bestimmter politischer Kreise, zehn Tage vor der Oberösterreich-Wahl mittels Anpatzen noch irgendwie in Erscheinung zu treten“.

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Offensichtlich ein verzweifelter Versuch bestimmter politischer Kreise, zehn Tage vor der Oberösterreich-Wahl mittels Anpatzen noch irgendwie in Erscheinung zu treten.

ÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer

NEOS orten „Freunderlwirtschaft“
Die NEOS orten in der Sache hingegen „Freunderlwirtschaft“ in Oberösterreich, man solle sich lieber um die Versorgung der Bevölkerung kümmern: „Wir stecken beim Impfen de facto fest, sind mitten in der vierten Welle und wir haben die meisten Menschen im Land, die gegenüber der Impfung skeptisch sind“, so Landessprecher Felix Eypeltauer in einer Pressekonferenz am Mittwoch. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker erneuerte die Forderung, dass Tests für Ungeimpfte mittelfristig kostenpflichtig sein müssten und dass man jedem Ungeimpften einen Termin zuweisen solle, damit die bürokratische Hürde der Anmeldung wegfällt.

SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher übte scharfe Kritik an der ÖVP. „Während Hunderttausende Menschen während der Krise um ihren Arbeitsplatz zittern mussten und Existenzängste hatten, machten einige ÖVP-Freunde scheinbar das Geschäft ihres Lebens. Landeshauptmann Stelzer hat massiven Erklärungsbedarf. Er muss sein Schweigen zur Causa beenden und endlich für restlose Aufklärung sorgen.“

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Sonntag, 19. September 2021
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