Sudan-Überwachung
Clooney-Projekt liefert Beweise für neuen Feuerterror
Seit Ende Februar/Anfang März beobachte man eine neue Welle der Gewalt in der seit Jahren umkämpften Region zwischen dem Nord- und Südsudan, heißt es auf der "Satsentinel"-Website. Allein in der Ortschaft Tajelei seien mindestens 300 Gebäude niedergebrannt worden. "Satsentinel" geht von mehreren Hundert Toten aus, zudem seien Tausende auf der Flucht, die meisten davon in den Süden.
Neben Satellitenbildern, die zahlreiche verbrannte Flecken in den Dörfern zeigen, bei denen es sich offensichtlich um gelegte Brände handelt, veröffentlichte die Organisation auch Bewegtbildmaterial (Video oben), das nach einem Brandangriff auf ein Dorf am Boden aufgenommen wurde und ein Bild der Zerstörung zeigt.
Region ist Brennpunkt zwischen Nord und Süd
Der Status der erdölreichen Region Abyei an der Grenze zwischen dem Nord- und Südsudan ist nach wie vor unklar. Geografisch gehört die Region zum Nordsudan - mitsamt einem der größten Ölfelder des Landes. Beim Spaltungsreferendum am 9. Jänner 2011 hätte in der Region aber ein eigenes Referendum abgehalten werden sollen, die dort sesshafte Volksgruppe der Ngok-Dinka fühlt sich kulturell nämlich dem Süden zugehörig. In Abyei leben ein paar Monate im Jahr allerdings auch die arabisch-stämmigen Nomaden der Misseriya. Weil sich Norden und Süden nicht über ein Stimmrecht für die Misseriya einigen konnten, wurde das gesonderte Referendum daher nicht durchgeführt.
Erste Kämpfe in Abyei seien laut "Satsentinel" Ende Februar zwischen Einheiten der südsudanesische Polizei und bewaffneten Misseriya-Milizen ausgebrochen. Die Nomanden hätten ihr Vieh auf Weiden der Ngok-Dinka grasen lassen wollen. In den Tagen danach habe es dann mehrere Angriffe auf Dörfer gegeben, vermutlich durch Misseriya-Kämpfer. In einem Dorf wurden 20 von insgesamt 24 Häuser dem Erdboden gleichgemacht, in dem größeren Ort Tajalei wurden insgesamt 300 Gebäude durch Brände zerstört.
Dorfbewohner fordern Schutz durch UNO
Die in der Region stationierten UNO-Truppen bekamen von den Angriffen nichts mit. Am Wochenende führte dies zu einem Massenprotest der Dorfbewohner vor dem UN-Hauptquartier in Abyei-Stadt. "Wir haben keine Möglichkeiten, uns zu schützen. Und niemand schützt uns", so ein betroffener Bewohner. Die UNO-Vertreter - Clooneys Projekt wird übrigens maßgeblich von der UN-Einrichtung UNOSAT unterstützt - erinnerten die Regierungen im Norden und Süden derweil an die Abkommen bezüglich Abyei, in denen sich beide zur Sicherung der Zivilisten verpflichtet hatten. Die sudanesischen Politiker wiederum versicherten, die Verhandlungen um den Status von Abyei würden weitergeführt.
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