Reale Persiflage
GB: Geheime Libyen-Mission wird zur Lachnummer
Die Szene erinnert fatal an eine der vielen Armee-Persiflagen: Eine Spezialeinheit der britischen Streitkräfte flog vergangene Woche mit einem Hubschrauber voller Waffen und einem Paket falscher Pässe ins libysche Kampfgebiet, um mit der gegen Gadafi kämpfenden Opposition Kontakt aufzunehmen. Dort wurde sie allerdings von den eigenen Verbündeten festgenommen, weil die Rebellen fürchteten, dass Muammar al-Gadafi die Präsenz ausländischer Truppen im Land für seine Zwecke instrumentalisieren könnte.
"Wegen der Art, wie sie ins Land gekommen sind", verweigerte der oppositionelle Nationalrat Libyens strikt Gespräche mit den Diplomaten und drängte auf die rasche Ausreise. Ein Kriegsschiff der Marine Ihrer Majestät - zufällig gerade in der Nähe - musste die geschlagenen Helden an Bord nehmen und nach der völlig missglückten "diplomatischen Mission" in die Heimat zurückschippern.
Wüstensöhne entsetzt
Sogar die hartgesottensten Wüstensöhne in Libyen schütteln über die Briten nun den Kopf. "Wenn es eine offizielle Delegation war, wieso kommen sie dann mit dem Kampfhubschrauber?", fragt einer der Rebellen und erinnert die Eindringlinge: "Es gibt Regeln für so etwas. Zum Beispiel, dass man eine Landeerlaubnis einholt." Den Aufständischen haben die Briten mit ihrem stümperhaften Auftritt einen Bärendienst erwiesen. In der heimischen Presse ist "Beschämend!" der häufigste Kommentar. Der Glaube daran, dass die Revolution in Libyen ausschließlich libysche Wurzeln hat, werde unterminiert, schreibt der "Guardian".
Gadafi schlachtet die Geschichte bereits jetzt genüsslich für seine Zwecke aus. Ein Sprecher der Aufständischen sprach nämlich nach dem Vorfall mit dem britischen Botschafter in Libyen, Richard Northern. Ein Mitschnitt des Telefonats erreichte - auf welchem Weg auch immer - das libysche Staatsfernsehen. So konnten Freund und Feind in ganz Libyen und darüber hinaus mithören, wie der britische Botschafter ein "Missverständnis" zugeben musste.
Außenminister spricht von "großem Missverständnis"
Großbritanniens Außenminister William Hague hatte derweil in London Mühe, die für Briten sprichwörtliche "steife Oberlippe" zu wahren. Die Schwierigkeiten seien "zufriedenstellend" gelöst worden, sagte er erkennbar angefressen. Vor dem Parlament sprach er von einem "großen Missverständnis". Er bestätigte, die Mission selbst in Auftrag gegeben zu haben - und kündigte weitere an. An Bord des Hubschraubers waren demnach, neben einem Diplomaten und sechs Mitgliedern einer Militär-Sondereinheit, auch zwei Agenten des Auslands-Geheimdienstes MI6, schreibt der "Guardian".
Warum sich das hochdekorierte britische Sonderkommando von einem Häuflein Wüsten-Rebellen vorführen ließ, ist eine Frage an die Militärs. Die Politik muss hingegen beantworten, was die Truppe dort eigentlich zu suchen hatte. Die Delegation hätte "Kontakte zu den Aufständischen" herstellen sollen, heißt es offiziell. Offen bleibt jedoch, warum dazu Kampfhubschrauber voller Munition, Waffen und gefälschter Pässe aus vier unterschiedlichen Ländern im Gepäck nötig waren.
Nicht die erste Peinlichkeit für die Briten
Für Premierminister David Cameron und seine Regierung ist es im Umgang mit der Libyen-Krise nicht die erste Peinlichkeit. Vergangene Woche war der seit knapp einem Jahr amtierende Regierungschef vorgeprescht und brachte als Erster ein militärisches Eingreifen des Westens in Libyen ins Spiel. Seine erfahreneren Kollegen auf beiden Seiten des Atlantiks zeigten ihm die kalte Schulter. Für einen Alleingang fehlt der einstigen Weltmacht von der Insel mangels Geld ohnehin die militärische Potenz.
Alternativ wollte Cameron die Rebellen im Kampf gegen Gadafi mit Waffen ausrüsten - ähnlich, wie es der Westen bei den Taliban in den 1980er-Jahren im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan praktiziert hatte. Ähnliche Pläne sollen die Amerikaner mithilfe von Saudi-Arabien haben, wie der "Independent" am Montag berichtet. Cameron war von seinem Vorschlag wenige Stunden nach Bekanntgabe zumindest öffentlich wieder abgerückt und hatte gesagt, es gehe zunächst einmal darum, "die Leute besser kennenzulernen".
"Der Spion, der es versiebte"
Das erste Rendezvous in der Wüste ging jedenfalls schon mal gehörig in die Hose. BBC-Sicherheitsexperte Frank Gardner verglich die Aktion in der libyschen Wüste mit der Agentenparodie "Johnny English" - Untertitel: "Der Spion, der es versiebte".
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