Bizarre Strategie

Berlusconi will vor Gericht beweisen: “Ruby ist viel älter”

Ausland
03.03.2011 15:31
Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi, der sich am 6. April wegen Sex mit dem minderjährigen Callgirl Ruby verantworten muss, setzt auf Gegenwehr. Die Rechtsanwälte des Premiers haben nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" Beweise gefunden, dass die 18-Jährige erst zwei Jahre nach ihrer Geburt beim Standesamt in ihrem Heimatort in Marokko gemeldet worden sei.

Ruby sei daher nicht erst 18, sondern bereits 20 Jahre alt. Folglich sei sie nicht minderjährig gewesen, als sie im Frühjahr 2010 mehrere Nächte in Berlusconis Luxusvilla in Mailand verbrachte, lautet die Verteidigung der Rechtsanwälte des Premiers. "Wir werden die Beweise während des Prozesses vorlegen", wurde Berlusconi von "Il Giornale" zitiert. Das Blatt steht im Besitz der Familie des Regierungschefs.

Ruby als Zeugin der Verteidigung
Der 74 Jahre alte Berlusconi wird sich sehr wahrscheinlich bei dem Prozess am 6. April vor Gericht selbst verantworten. "Berlusconi hat die Absicht, sich vor Gericht zu verteidigen", meinte Berlusconis Rechtsanwalt Nicolo Ghedini am Montag in Mailand. Ruby soll von Berlusconis Anwälten als Verteidigungszeugin vorgeladen werden. 

Die 18-jährige Marokkanerin hatte stets bestritten, eine sexuelle Beziehung zum Premier und Medienmagnaten gehabt zu haben. "Ich möchte betonen, dass ich kein Opfer bin. Ich habe von Berlusconi nur Gutes erfahren", sagte die junge Marokkanerin bei ihrer Pressekonferenz vor dem Opernball am Mittwoch in Wien.

Parlamentarier versuchen, Prozess abzuschießen
Die Regierungskoalition in Rom versucht indes aber bereits fleißig, auf parlamentarischem Weg den Prozess zu stoppen. Parlamentarier der Berlusconis-Partei "Volk der Freiheit" und der Lega Nord in der Abgeordnetenkammer verlangten am Mittwoch offiziell, dass der Verfassungsgerichtshof über die Zuständigkeit der Mailänder Richter für den Ruby-Prozess entscheiden. 

Die Parlamentarier bestreiten die Zuständigkeit des Mailänder Gerichts. Sie behaupten dagegen, dass ein Ministergericht über den Fall zu entscheiden habe. Die Opposition kritisierte die Initiative der Regierungskoalition vehement. Es sei skandalös, dass sich das Parlament stets mit Berlusconis Justizproblemen befassen müsse, statt Gesetze im Interesse des Landes zu verabschieden.

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