22.08.2021 13:04 |

„Krone“-Kolumne

Soziale Kontrolle: Wie man Dating sicherer macht

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, wie man unverbindlichen Sex sicherer machen kann. 

Menschen, die unverbindlichen Sex suchen, hätten sie gerne: Die Sicherheit, dass nichts passiert. Also passieren soll schon was. Aber nichts Negatives. Vor allem heterosexuelle Frauen machen sich oft Gedanken darüber, wie sie sich vor sexueller Gewalt bei der Partnersuche schützen können. Dass Frauen angesichts der toxischen Party-Kultur nicht unbeschwert in neue Bekanntschaften gehen, verwundert wenig. Aber nicht alle Männer sind widerliche Typen, die sich Frauen gegenüber übergriffig verhalten. Selbst wenn ein One-Night-Stand wahrscheinlich nicht den Höhepunkt des bisherigen Sexlebens bildet: Die meisten Menschen erleben Dating als eine aufregende Begegnung mit neuen Menschen, die sich ehrlich bemühen, einen schönen Abend zu verbringen. Und - vielleicht - einer anderen Person Lust zu bereiten. Den Spaß und die Freude an neuen Begegnungen zu bewahren, ohne sich in die Einsamkeit zu fürchten, ist allerdings selbst für abenteuerlustige Frauen nicht so einfach.

Obwohl es ein paar Tipps gibt, um auf Nummer sicher zu gehen, eines gleich vorweg: Eine völlige Sicherheit beim Daten gibt es nicht. Immerhin trifft man neue Menschen, von denen man nicht viel weiß. Selbst wenn einem Freunde ihre Single-Bekannten als Idealpartner empfehlen, weiß man nie mit Sicherheit, wie sich diese Personen in intimen Situationen verhalten werden. Eine private Empfehlung ist sogar trügerisch. Es verführt dazu, sich bei einem Treffen nicht so sehr an seiner eigenen Intuition zu orientieren, wie man es bei einem gänzlich Ungekannten machen würde. Dabei hat sich in vielen Fällen als die beste Gefahrenprävention erwiesen: dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.

Um bei unverbindlichem Sex die Sicherheit zu erhöhen, kann man den Ort des Treffens gut wählen. Im Lockdown konnte man beim Spazierengehen neue Tinder-Bekanntschaften beim Flirten beobachten. Spazierengehen an entlegenen Orten ist allerdings für ein erstes Treffen nicht empfehlenswert. Besser geeignet sind Orte mit vielen Menschen, wie ein Kaffeehaus oder eine Bar, von der man gut nach Hause kommt. Empfehlenswert ist es auch, eigene Kontaktdaten zurückzuhalten, d.h. nicht zu sagen, wo man wohnt und arbeitet. Sollte sich das erste Treffen als wenig erfreulich herausstellen, kann man danach die Person zur Not digital blockieren und muss keine unerwünschten Realkontakte fürchten.

Komplizierter ist es, wenn es tatsächlich ans Sexuelle geht. Sexpositive Parties, Swingerclubs o.ä., wären Orte, an denen man teilweise auch Sex haben kann und andere Menschen anwesend sind, die bei etwaigen Übergriffen einschreiten können. Auch in Wohngemeinschaften sind oft (unfreiwillig) mehr Menschen beim Sex (zumindest akustisch) anwesend als den Beteiligten lieb ist. Aber die meisten Menschen bevorzugen doch eine gewisse Privatsphäre bei sexuellen Aktivitäten.

Was also tun? Nicht immer müssen Personen real anwesend sein, um für Sicherheit zu sorgen. Stattdessen kann man eine Vertrauensperson darüber informieren, mit wem man wann plant wohin zu gehen. Das kann eine Freundin sein, der man regelmäßig den aktuellen Standort durchgibt. Mit dieser Vertrauensperson kann man vereinbaren, dass sie bis zu einer bestimmten Uhrzeit verlässlich von einem hört oder liest, wenn das Date gut läuft. Für den Fall, dass diese Nachricht ausbleibt, kann man vorab weitere Schritte vereinbaren: Soll die Person nachsehen kommen? Soll die Person die Polizei verständigen? Was auch immer man sich ausmacht: Für ein solches Sicherheitsnetz ist absolute Zuverlässigkeit notwendig. Sinnvoll ist es auch, mehrere Zeitpunkte zu vereinbaren, bis man wieder gut alleine zu Hause ist. Ein Pluspunkt dieses Vorgehens: Dem Date kann man von der sozialen Kontrolle erzählen, sich auch einen Ausweis zeigen lassen und der Vertrauensperson den Namen schreiben. Wer damit ein Problem hat, ist wenig vertrauenswürdig. Mit diesem Sicherheitsnetz kann man hoffentlich unbeschwerter eine gemeinsame Nacht verbringen.

Und Männer, die sich mehr sexuell offene und lustvolle Frauen wünschen, wissen hoffentlich auch, was zu tun ist: Nicht der widerliche Typ sein, der Frauen durch sein Verhalten den Spaß an unverbindlichem Sex verleidet.

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Barbara Rothmüller
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