Vor knapp einem Jahr hat Baier die Nachfolge von Gerhard Gucher angetreten. Von ihm hat er "natürlich die guten, bewährten Dinge übernommen", gleichzeitig aber "auch ein bisschen an den Fassaden gekratzt, sozusagen, um zu schauen, was dahinter los ist und wo Handlungsbedarf besteht", so der Tourismuschef. Im August, vier Monate nach seinem Start bei Burgenland Tourismus, sei die Überlegung dann "gereift". "Dann hab ich gesagt: So, jetzt gemma das an", erklärte Baier.
Angegangen ist er eine Strategie, das sogenannte "Leitbild 2015". Das richte sich an die Betriebe und Touristiker. "Eine große Aussage ist sicher, dass wir uns mehr zusammentun müssen, noch mehr zusammentun müssen und gemeinsam an einem Strang ziehen und in eine Richtung marschieren müssen. Damit wir gewisse Ziele - ob das Nächtigungszahlen sind oder Wertschöpfung - qualitativ erreichen können", sagte Baier. Ihm gehe es dabei beispielsweise auch um die Technologie, die für Buchungen verwendet wird.
"Qualität in einigen Betrieben erhöht und modernisiert"
Die Buchungen haben in den vergangenen Jahren gut funktioniert. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Gäste ins Burgenland. Nicht zuletzt, weil die Bettenkapazität ordentlich ausgebaut wurde. Für 2011 und 2012 werde dies wohl nicht der Fall sein, erklärte Baier: "Es wird zwar die Qualität in einigen Betrieben erhöht und modernisiert, sprich im südlichen Burgenland bei den Thermen zum Beispiel. Aber natürlich nicht mehr in dieser Dimension, in dieser Menge, wie sie in den letzten fünf, acht Jahren war."
Damit gegeben sei eine "gewisse Wachstumsgrenze". "Das große Wachstum ist parallel mit dem Wachstum der Betten gekommen, mit dem Thermenboom und natürlich auch mit dem Gesundheitsboom, die das Burgenland auch interessanter und attraktiver gemacht haben - vom Angebot her", resümierte Baier. "Diese großen Zuwächse werden sicher nicht so leicht sein."
Nächtigungen werden "automatisch" wegfallen
Im heurigen Sommer wird Baiers Einschätzung nach wahrscheinlich im Nordburgenland ein gewisser Prozentsatz an Nächtigungsgästen "automatisch" wegfallen. Im Römersteinbruch St. Margarethen wird es statt der großen Opernproduktion die Passionsspiele geben. Zwar konnte man sich auf einen Parallelbetrieb von Passionsspielen und Opernfestspielen St. Margarethen einigen, dennoch werde es bei den Besucherzahlen Einbußen geben.
Normalerweise zähle man im Sommer etwa 200.000 Römersteinbruch-Besucher. Heuer werden es mit rund 100.000 Besuchern bei den Opernfestspielen und etwa 60.000 Passionsspielezuschauern 40.000 weniger sein, schätzte Baier. Abgesehen davon, handle es sich beim Passionsspiele-Publikum um eine ganz andere Zielgruppe, als bei den Opernproduktionen.
Durchaus positiv auswirken könnte sich laut dem Tourismuschef das heurige Liszt-Jahr. "Wenn da ein paar Tausend Nächtigungen wegen Liszt dazu kommen, ist das sicher auch positiv." Dass nach dem Haydn-Jahr 2009 und dem heurigen Liszt-Jahr dem Land angesichts des Fehlens weiterer großer Jubiläen in naher Zukunft auch "Aufhänger" ausgehen, glaube er nicht. Man werde sich für nächstes Jahr "was überlegen, möglicherweise auch wieder aus dem Kulturbereich", so Baier.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.