Wo sich früher Schmuggler ihren Weg über die Landesgrenze bahnten führen heute gut ausgeschilderte Wanderwege durch das hochalpine Gebiet zwischen Vorarlberg und der benachbarten Schweiz.
Rasch ziehen die Wolken über den Himmel, getrieben vom Wind schwappen sie geradezu über die Bergrücken. In wenigen Augenblicken ist das Tal unter einer weißen Decke verschwunden, der schmale Weg entlang des Bergkamms scheint ins Nichts zu führen. Solch eine wechselhafte Witterung lockt nur wenige Enthusiasten in die Berge. Schließlich ist es nicht ganz ungefährlich bei schlechter Sicht über rutschige Pfade zu wandern. Doch Nebel oder sogar Unwetter kamen in der Vergangenheit einigen wagemutigen Männern und Frauen sehr gelegen - wollten sie es doch unbemerkt von Gargellen (Montafon) über die Schweizer Grenze schaffen.
In ihren Kraxen transportierten sie bis zu 40 Kilogramm Schmuggelware: Butter, Fleisch, Felle und Schuhe wurden auf diese Weise in die Schweiz „exportiert“. Produkte, die hierzulande nur schwer oder gar nicht erhältlich waren wie etwa Kaffee (ungeröstet, damit ihn die Zöllner im Falle einer Kontrolle nicht riechen konnten), Zucker, Tabak oder Wertgegenstände, wurden so ins Land geschafft. Auch Vieh wechselte auf diese Weise den Besitzer. Bis zu 400 Stück wurden jährlich bei sprichwörtlichen Nacht- und Nebel-Aktionen über die Berge ins Nachbarland getrieben.
Hoher Einsatz
Doch Schmuggeln war ein „Spiel“ mit hohem Einsatz. Die Routen über oft unbekannte, namenlose Bergpässe bei schlechtem Wetter oder nachts bargen viele Gefahren. Zudem mussten sich erfolgreiche Schmuggler immer neue Tricks einfallen lassen, um von den Zöllnern nicht erwischt zu werden, ansonsten drohten Geld- oder sogar Gefängnisstrafen. Besonders nach Beginn des Zweiten Weltkrieges verschärfte sich die Situation. Die Grenze wurde zu jener Zeit nicht nur von ein paar Zöllnern, sondern auch von bewaffneten Soldaten bewacht. Damals bezahlte manch einer seinen Schmuggelversuch mit dem Leben.
Sportlich aktiv
Heute sind diese dunklen Zeiten zum Glück vorüber. Wer eine Wanderung im Grenzgebiet plant, tut dies um sportlich aktiv zu sein und in der Hoffnung auf ein tolles Bergerlebnis. Dabei kann man sich allerdings auf einstige Schmuggelrouten begeben und so einen Eindruck gewinnen, was die Menschen bereit waren auf sich zu nehmen, um an „heiße Ware“ zu gelangen.
Ausgangspunkt für die heutige Tour ist die Bergstation der Schafbergbahn (Gargellen, Montafon). Vom Bergrestaurant Schafberg Hüsli auf 2103 Metern Seehöhe geht es rechter Hand bergauf. Derzeit muss wegen Bauarbeiten der Wanderweg für eine kurze Strecke verlassen werden. Parallel führt ein schmaler Pfad am Fuße des Berghangs entlang, dem der Wanderer folgt, bis die Baustelle passiert ist.
Vorbei an der majestätisch in den Himmel ragenden Madrisa (benannt nach einer Sagengestalt) führt der erste Anstieg auf das Gafierjoch (2415 Meter). Von dort bietet sich ein großartiger Ausblick hinunter nach St. Antönien auf der Schweizer Seite oder hinauf zum imposanten Rätschahorn (ebenfalls in der Schweiz), dessen Flanken immer noch Schneefelder aufweisen.
Ein Stein markiert die Landesgrenze entlang derer man auf dem Berggrat dahin marschiert. Auf diesem Streckenabschnitt ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert: der Pfad ist schmal, uneben und zu beiden Seiten geht es stellenweise steil bergab. Vom Bergrücken erfolgt schließlich der Abstieg zum Gafiersee, der schon von Weitem sichtbar ist und wie ein hellgrünes Auge in der Landschaft liegt.
Dieser schöne Flecken bietet sich an, um Rast zu machen und dem Rauschen des Bächleins zu lauschen, das von hier talwärts fließt. Selbst ein wenig Nieselregen tut der Stimmung keinen Abbruch, vielmehr verleihen die Wolken der Landschaft eine fast mystische Aura. Man kann sich geradezu vorstellen wie die Fenggin (Geisterfrau, Feenfrau) Madrisa lautlos mit langem, losen Haar durch den aufziehenden Nebel gleitet.
Verschnaufpause
Vom See führt der Weg wieder nach oben auf den Bergrücken und nach einem steilen Abstieg über Fels und Stein ist schließlich das St. Antönier Joch auf 2379 Metern Seehöhe erreicht. Hier gibt es auch eine kleine Schutzhütte mit Holztisch und Bänken, in die man sich für eine Verschnaufpause zurückziehen kann. Von dort geht es bergab durch eine steinige Hochebene bevor ein letzter Anstieg in Richtung Bergstation zu bewältigen ist. Auf der Terrasse des Schafberg Hüsli lässt sich nach 3G-Vorweis eine Erfrischung genießen, bevor man mit der Gondel bequem zurück nach Gargellen fährt.
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