13.07.2021 12:39 |

Am Bau gekündigt

Fescher Handwerker (28) lebt komplett von Onlyfans

Lex Lederman (28) führt ein beschauliches Leben als Landwirt und Handwerker: Er bewohnt mit seiner Frau und den drei Kindern eine Farm im US-Bundesstaat New Hampshire, renoviert in Eigenregie sein Heim und engagiert sich für soziale Belange. Möglich ist das allerdings erst, seit Lederman seinen alten Job als Techniker am Bau an den Nagel gehängt hat, um sich Vollzeit seiner Karriere als Erotik-Star auf Onlyfans zu widmen.

Das aufstrebende soziale Netzwerk aus Großbritannien, auf dem von den Nutzern vornehmlich Inhalte für Erwachsene gegen Abo-Gebühren angeboten werden, habe ihm einen ganz neuen Lebensstil ermöglicht, erzählt Lederman dem britischen „Guardian“.

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Warum sollte ich jeden Tag in der Arbeit mein Leben riskieren, wenn ich daheim dreimal so viel Geld verdienen kann?

Lex Lederman, Onlyfans-Star

Drei Stunden Arbeit so einträglich wie zuvor 60
In drei Stunden verdiene er auf Onlyfans, was er zuvor in einer 60-Stunden-Woche als Techniker am Bau verdient hat. Lederman: „Da braucht man nicht mehr nachzudenken. Warum sollte ich jeden Tag in der Arbeit mein Leben riskieren, wenn ich daheim dreimal so viel Geld verdienen kann?“

Ledermans Einkommen setzt sich - abzüglich 20 Prozent Provision für den Plattformbetreiber - aus den Abo-Gebühren zusammen, die sein vornehmlich aus homosexuellen Männern bestehendes Publikum für seine erotischen Postings bezahlt. Lederman gehört zum beliebtesten Prozent der Onlyfans-Nutzerschaft, sein Verdienst ist entsprechend hoch.

Vom Arbeiter und Model zum Erotik-Star
Der Beruf als Onlyfans-Influencer hat sich mehr oder minder zufällig ergeben: Als er noch am Bau schuftete, modelte der fesche 28-Jährige nebenher. Ein Freund riet ihm, bei seinen Shootings übrig gebliebene Fotos auf Onlyfans zu posten, um Geld damit zu verdienen. Die Bilder kamen gut an, Lederman intensivierte seine Bemühungen auf der Plattform, postete auf Anraten seiner Frau zunehmend auch explizitere Inhalte - und kündigte schließlich den Technikerjob, als das Geschäft angelaufen war.

Quereinsteiger wie Lederman sind auf der Plattform keine Seltenheit und haben ihr in den letzten Monaten enormen Zulauf beschert. Im Sommer 2020 hatte Onlyfans noch 30 Millionen registrierte User und 450.000 sogenannte Creator, die Inhalte verkaufen. Im März 2021 waren es 120 Millionen User und eine Million Creator.

Unsichere Zeiten sorgen für regen Zulauf
Der rege Zulauf lässt sich durch verschiedene Faktoren erklären, analysiert der „Guardian“. Zum einen sehen sich junge Menschen mit wirtschaftlich schwierigen Zeiten konfrontiert: Sie haben binnen eines Jahrzehnts zwei Wirtschaftskrisen erlebt, stecken oft in prekären Jobs fest, von denen sie nicht leben können, viele verschulden sich für ihre Ausbildung. Es droht Armut trotz Arbeit. Da erscheint ein Zubrot auf Onlyfans vielen attraktiv.

Hinzu kommen die Folgen der Pandemie: Aufgrund der Corona-Krise brachen vielen Darstellern aus der Erotik-Branche die Aufträge weg, auch Offline-Sexarbeiter kämpften mit Geschäftseinbußen. Viele versuchten sich daraufhin als Selbstvermarkter auf Onlyfans. Übrigens nicht nur Menschen, die sich schon vorher einschlägig betätigten: Auch Personen, die aufgrund der Pandemie ihren Job verloren oder Probleme hatten, ihre Ausbildung zu finanzieren, zog es auf Onlyfans.

So etwa die angehende Krankenpflegerin Clarita aus Florida. Sie verlor aufgrund Corona-bedingter Veränderungen ihren Job im Krankenhaus und suchte nach einem Einkommen, um ihre Ausbildung finanzieren zu können.

Genau wie Lederman experimentierte die 19-Jährige mit aufreizenden Fotos auf Onlyfans - und entdeckte schnell, dass die Plattform nicht nur ihre Ausbildung, sondern ein gutes Auskommen sichern kann: 2500 US-Dollar im Monat erhält sie von ihren Abonnenten. Sie sieht in Onlyfans dennoch einen Überbrückungsjob, den sie macht, bis die Ausbildung beendet ist.

Gründer ist heute 120 Mio. Dollar schwer
Am lukrativsten ist Onlyfans freilich für seinen Erfinder: Der britische Unternehmer Tim Stokely gründete die Plattform 2016, um eine Alternative zum klassischen Influencer-Marketing zu schaffen. Statt von Werbe-Deals und Produktplatzierungen leben zu müssen, könnten Kreative ihre Inhalte ja auch einfach verkaufen, so der Grundgedanke.

Die Idee - und vor allem auch die Laissez-Faire-Mentalität bei explizitem Material - schlug ein wie eine Bombe: Stokely soll heute, fünf Jahre nach Gründung von Onlyfans, 120 Millionen US-Dollar schwer sein.

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