"Missverhältnis"

Auch USA schieben Boni-Exzessen der Banker Riegel vor

Ausland
07.02.2011 21:15
Die USA wollen Boni-Exzessen der Banker einen Riegel vorschieben. Am Montag billigte die staatliche Einlagensicherung FDIC eine neue Regelung, nach der größere Finanzfirmen einen Teil der leistungsabhängigen Vergütung einige Jahre zurückhalten müssen. Ziel ist es, den Bankern das risikoreiche Streben nach schnellen, hohen Gewinnen auszutreiben.

"Einer der Gründe für den Crash des Finanzsystems war ohne Frage das Missverhältnis zwischen Risiko und Entlohnung", sagte FDIC-Verwaltungsratsmitglied Thomas Curry in einer öffentlichen Anhörung. Trotz des Beinahe-Zusammenbruchs des Finanzsystems in den Jahren 2008 und 2009 hatten viele Banker weiter üppige Boni kassiert (siehe Infobox). Das sorgte für öffentliche Aufregung und mündete in den USA in der Finanzmarktreform.

Die Bonusregelung ist Teil des von US-Präsident Barack Obama angestoßenen Gesetzespakets. Nach der FDIC müssen aber noch sechs weitere Behörden den Einschränkungen bei der Vergütung zustimmen, darunter die Börsenaufsicht SEC und die Notenbank Fed. Die FDIC-Vorsitzende Sheila Bair rechnet damit, dass das Okay binnen weniger Wochen kommt und die Regelung dann in Kraft tritt. "Ich stehe voll dahinter", sagte sie.

Regelung gilt nicht für alle Firmen
Die Einschränkungen betreffen allerdings nur Finanzfirmen mit Vermögenswerten von 1 Milliarde Dollar (738 Millionen Euro) und mehr. Das sind in den USA rund 630 größere Regionalbanken sowie landesweit agierende Finanzkonzerne. Nach der Regelung muss mindestens die Hälfte der Boni zurückgehalten werden. Die Topmanager bekommen das Geld frühestens nach drei Jahren ausgezahlt und dann auch nur, wenn das Unternehmen finanziell solide dasteht.

In Finanzkonzernen mit Vermögenswerten von mehr als 50 Milliarden Dollar fallen auch ausgesuchte Spitzenmanager der unteren Ebenen unter die Regelung. Etwa 35 Banken in den USA sind derart groß, dass ihr Umkippen das gesamte System erschüttern würde. Die ersten Großbanken haben bereits vorsorglich reagiert. So bekommt der Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, seinen Bonus für das Jahr 2010 in Aktien, die er nicht vor 2016 verkaufen darf.

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