24.06.2021 14:37 |

Investoren betrogen

Kryptobörsen-Gründer mit 2,2 Mrd. $ auf der Flucht

Die Gründer einer südafrikanischen Kryptowährungs-Börse haben Investoren, die auf ihrer Plattform Africrypt ihr Geld veranlagt hatten, offenbar um Bitcoins im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar betrogen. Zunächst hieß es, die Bitcoins seien aufgrund eines Hacks nicht mehr zugänglich. Als skeptische Kunden Nachforschungen anstellten, waren die Africrypt-Gründer bereits untergetaucht.

Anleger auf Africrypt hatten bereits seit einigen Wochen keinen Zugriff mehr auf ihre dort hinterlegten Bitcoin-Bestände, berichtet „WinFuture“. Zunächst kommunizierte das Unternehmen gegenüber den Kunden, man sei gehackt worden und arbeite daran, den Zugriff wieder zu ermöglichen. Die Kunden wurden explizit darum gebeten, nicht die Polizei einzuschalten: Das verlangsame die Angelegenheit nur.

Selbst Mitarbeiter hatten keinen Zugriff mehr
Einige Investoren forschten trotzdem nach und fanden heraus: Auch die Mitarbeiter der Krypto-Börse hatten bereits seit mehreren Tagen keinen Zugriff mehr auf die hinterlegten Bitcoin-Bestände. Vielmehr waren die insgesamt 69.000 Bitcoins, die nun fehlen, bereits in andere große Börsen transferiert worden, von wo sie vermutlich weiter transferiert wurden, um die Spur des Geldes zu verwischen und es zu „waschen“.

Website offline, Gründer verschwunden
Die Africrypt-Website ist mittlerweile abgeschaltet, über den Aufenthaltsort der Gründer wird gerätselt. In der Krypto-Szene geht man davon aus, dass sie sich ins Ausland abgesetzt haben. Nach dem aktuellen Bitcoin-Kurs hat die Beute einen Wert von rund 2,2 Milliarden Euro. Die Verluste für die Kunden könnten aber sogar noch größer sein: Diese hatten bereits im April, als der Bitcoin wesentlich wertvoller war als nach den jüngsten Kursabstürzen, keinen Zugriff mehr auf ihre Bestände. Hätten sie damals verkaufen können, hätten sie erhebliche Gewinne gemacht.

Finanzaufsicht ist nicht zuständig
Wie in Südafrika mit dem Fall umgegangen wird, ist noch nicht ganz klar: Die Finanzaufsicht hat signalisiert, dass sie nicht zuständig sei, weil Kryptowährungen keine gesetzlich geregelten Finanzprodukte seien. Betroffene haben damit nur die Möglichkeit, Anzeige wegen Betrugs zu erheben. Dass das verlorene Kryptogeld wieder zurückgeholt werden kann, erscheint vielen aber unwahrscheinlich.

Parallelen zu Betrugsfall in der Türkei
Der Fall erinnert an einen ähnlichen spektakulären Betrugsfall in der Türkei: Dort hatte der Gründer einer Krypto-Börse Thodex im April ebenfalls mit Bitcoins im Milliardenwert das Weite gesucht. Der riesige Betrugsfall führte zu Razzien in acht türkischen Städten und zur Verhaftung von 62 Verdächtigen. Der Gründer der Krypto-Börse konnte sich allerdings ins Ausland abgesetzt und wird nun per internationalem Haftbefehl gesucht.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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