04.06.2021 05:00 |

Plötzlich entdeckt

Knoten in der Brust - was nun?

Zunächst ein Riesenschock, wenn eine Frau etwas Ungewöhnliches ertastet. Doch es muss sich nicht zwingend um Krebs handeln. Es gibt viele andere Ursachen, aber unbedingt ärztlich abklären lassen!

„Bitte verfallen Sie nicht in Panik, wenn Sie zufällig, etwa beim Duschen oder bei der Selbstuntersuchung einen Knoten in Ihrer Brust entdecken“, beruhigt Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Radiologische Diagnostik und Vorstand der Universitätsklinik für Radiologie an der MedUni Graz. „Es steckt eher selten ein Karzinom dahinter. Sehr oft gibt es eine ganz andere Erklärung dafür, etwa, dass Frauen das Brustgewebe zyklusbedingt stärker spüren oder es sich um eine Zyste o. Ä. handelt.“ Experten schätzen, dass 90 Prozent aller Frauen in ihrem Leben einmal in diese Lage kommen, eine plötzliche Schwellung in ihrer Brust zu ertasten. Meistens sind solche Geschwülste gutartig, entstehen mitunter hormonell bedingt und verschwinden von selbst. Manche Frauen glauben auch, sich erinnern zu können, vor kurzem an etwas angestoßen zu sein oder sich im Oberkörperbereich verletzt zu haben. Sie schieben die Schwellung auf dieses Ereignis und beachten sie nicht weiter. Dennoch keinesfalls ignorieren!

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Bitte verfallen Sie nicht in Panik, wenn Sie zufällig, etwa beim Duschen oder bei der Selbstuntersuchung einen Knoten in Ihrer Brust entdecken.

Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger, MedUni Graz

Klarheit durch weitere Untersuchungen
Denn jedwede Entdeckung dieser Art sollte bald abgeklärt werden. Vor allem auch, wenn man noch weitere Anzeichen bemerkt. Dazu zählen einseitiger Schmerz, Verhärtungen am Gewebe oder am Vorhof, Rötungen, Ausfluss aus (einer!) Brustwarze. Tritt gar Blut aus, liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Karzinom bei 25 Prozent. Um Klarheit zu erhalten, muss der erste Weg zum Arzt des Vertrauens führen, sei es der Hausarzt, meistens jedoch der Gynäkologe. Dieser führt ein klärendes Gespräch und nimmt eine Tastuntersuchung vor. Von dort wird die Patientin an den Radiologen weiter geleitet. Prof. Fuchsjäger: „Hier hängt es vom Alter ab und davon, ob die Patientin einer Risikogruppe angehört, welche Untersuchungsmethode gewählt wird. Bei jungen Frauen um die 20 Jahre führen wir meist einen Ultraschall durch. Eine Mammografie in diesem Alter wird eher vermieden. Einerseits, da das jugendliche Gewebe dichter ist und man Veränderungen nicht so gut erkennt. Andererseits, weil es auch empfänglicher ist für die Strahlung, was das Krebsrisiko erhöhen kann.“

Wird bei Ultraschall oder Mammografie tatsächlich ein auffälliger Knoten entdeckt, gilt es, diesen genauer zu untersuchen. Dafür nimmt der Radiologe eine histologische Abklärung vor. „Unter lokaler Betäubung werden während eines bildgebenden Verfahrens mit einer Hohlnadel drei bis fünf Proben aus dem verdächtigen Gewebe entnommen. Das dauert nur wenige Minuten“, erklärt Prof. Fuchsjäger. Anschließend färbt der Pathologe das Entnommene ein und inspiziert es unter dem Mikroskop auf Krebszellen.

Bei Karzinom übernimmt das Tumorboard
Nun heißt es, etwa fünf Tage zuzuwarten, bis das positive oder negative Ergebnis da ist. „Das stellt natürlich eine sehr zehrende Zeit für die wartenden Frauen dar“, gibt Prof. Fuchsjäger zu bedenken. Wie bereits angesprochen, führen aber die meisten Befunde nicht zur Krebsdiagnose. „Oft liegt eine Zyste vor oder ein gutartiger Brusttumor (Fibroadenom). Bei erster sind zumeist keine Kontrollen nötig, bei zweitem beobachtet der Arzt über etliche Monate hinweg, ob es sich verändert“, so der Experte. „Bei starkem Verdacht auf eine bösartige Geschwulst, erfolgt eine Überweisung an ein Brustgesundheitszentrum.“ Falls dann tatsächlich Krebs vorliegt, übernimmt das so genannte „Tumorboard“. Es wird fächerübergreifend und mit verschiedenen Spezialisten genau besprochen, welche Behandlung dann nötig ist.

Genetische Hintergründe möglich
Mitunter spielt das Erbgut eine Rolle. Manche Frauen weisen eine Mutation auf bestimmten Genen (BRCA1 und 2) auf, was das Risiko extrem erhöht, an Brustkrebs zu erkranken. Dann wird ein ganz anderes, bereits früher einsetzendes, Screening-Programm empfohlen. Findet man einen Knoten, ist das Thema natürlich anders zu bewerten! Prof. Fuchsjäger empfiehlt, die Brust einmal im Monat selbst abzutasten. Einerseits schafft das Bewusstsein für den eigenen Körper, andererseits kann die Frau Veränderungen früh erkennen. Dennoch vermag diese Untersuchung das regelmäßige Brustkrebsscreening nicht zu ersetzen. „Hier geht es vor allem darum, die Sterblichkeitsrate durch Brustkrebs zu reduzieren, das allein schafft die Tastuntersuchung nicht.“

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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