Weil er einen Kollegen mit seiner Dienstwaffe bedroht haben soll, wurde ein Polizist am Mittwoch in Graz zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt. Der 42-Jährige meldete volle Berufung an: „Ich habe niemanden bedroht!“ Sein Verteidiger spricht schlicht von derbem Humor.
Wegen gefährlicher Drohung und Vergehen nach dem Waffengesetz muss sich ein Exekutivbeamter am Mittwoch in Graz vor Gericht verantworten. „Dass es so eskalieren würde, war für niemanden vorhersehbar“, sagt Staatsanwältin Elisabeth Kirchmair in ihrem Eröffnungsvortrag. Der Bedrohung mit der Dienstwaffe sei eine „Frotzelei“ vorausgegangen. Keiner hatte den Vorfall gemeldet. Er wurde erst publik, als Gerüchte die Vorgesetzten erreichten.
Offenbar hatten das spätere Opfer und der Angeklagte rund um die Tatzeit gescherzt. „Er sei eh der Letzte, der etwas tut, wenn es hart auf hart kommt“, habe ich zu ihm gesagt,“ schildert das Opfer, ein junger Inspektor, Richterin Michaela Lapanje. Das habe den Angeklagten vielleicht in seiner Ehre gekränkt. Der 42-Jährige zog plötzlich seine Dienstwaffe und zielte in Richtung des Kollegen. „Ich habe gar nicht realisiert, was da gerade passiert ist“, sagt dieser bei seiner abgesonderten Einvernahme.
Dass es so eskalieren würde, war für niemanden vorhersehbar.
Die Staatsanwältin
„Ich dachte nur, was passiert da gerade“
„Ich stand unter Schock, hatte Angst und war mit der Situation überfordert.“ Deswegen hätte er den Vorfall auch nicht gleich gemeldet. Seinen Kollegen, die Augenzeugen wurden, ging es ähnlich. „Sie haben sich davor dauernd gegenseitig aufgezogen“, erinnert sich einer von ihnen. Doch plötzlich hörte er das Geräusch, wenn die Waffe aus dem Holster gezogen wird. „Ich dachte nur, was passiert da gerade – hier bei uns in diesem geschützten Rahmen? Das Bild von der gezogenen Waffe hat sich so eingebrannt, dass es alles andere überschattet.“
Auch die ebenfalls anwesende Kollegin war geschockt und überfordert. „Aber das war definitiv kein Spaß mehr!“ Sie erzählt, dass sie den Angeklagten aufgrund seiner Liebe zu Waffe und seines Auftretens für angsteinflößend hält: „Eine tickende Zeitbombe.“
Das Bild von der gezogenen Waffe hat sich so eingebrannt, dass es alles andere überschattet
Ein Kollege des Angeklagten
„Es war nur die Pointe eines Witzes“
Der angeklagte Polizist selbst versteht die ganze Aufregung nicht, zumal er die Waffe nie gezogen habe. „Ich habe nur mit den Fingern gezielt.“ Man habe gescherzt und sich gegenseitig auf die Schippe genommen. „Die Geste war die Pointe eines Witzes“, so der Angeklagte. Auch Verteidiger Bernhard Lehofer betont, dass der Spruch auf der Polizeiinspektion oft derb gewesen sei. Und: „Mein Mandant hat einen relativ schwarzen Humor. Aber es gibt kein Motiv und keinen Vorsatz für eine derartige Drohung.“
Auch zu einer zweiten Drohung mit einem Mini-Messer soll es kurz danach gekommen sein, ebenfalls aus einer „Frotzelei“ heraus. Was der Angeklagte ebenfalls leugnet. Das bewertet das Gericht offenbar anders, denn der Polizist saß nach seiner Festnahme im Dezember des Vorjahres sogar 14 Tage in U-Haft. Und er ist nach wie vor suspendiert.
Auch am Mittwoch sah Richterin Michaela Lapanje den Tatbestand der gefährlichen Drohung erfüllt und verurteilte den Exekutivbeamten zu acht Monaten bedingter Haft. Der Angeklagte meldete umgehend volle Berufung an. Der Staatsanwältin war die Strafe zu niedrig, sie berief ebenfalls. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Vom ebenfalls angeklagten Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes wurden der 42-Jährige und seine Ehefrau freigesprochen.
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