19.05.2021 20:55 |

Historischer Moment

Nahostkonflikt: Ein Treffen, das Hoffnung macht

Das gab es noch nie: Während im Nahostkonflikt die Raketen fliegen, trafen im krone.tv-Studio die höchsten diplomatischen Vertreter Israels und Palästinas zusammen. Beide Botschafter signalisierten bei #brennpunkt mit Katia Wagner Gesprächsbereitschaft für eine friedliche Lösung. Ein weiteres, polarisierendes Thema war allerdings die Israel-Flagge am Bundeskanzleramt. Palästinas Salah Abdel-Shafi fand klare Worte: „Das ist beleidigend.“

Beim Flaggen-Thema konnten die Positionen nicht weiter auseinander liegen: Während der palästinensische Botschafter Salah Abdel-Shafi das Hissen der Israel-Flagge auf dem Bundeskanzleramt scharf kritisierte, fand das Zeichen der Solidarität beim israelischen Botschafter Mordechai Rodgold lobende Worte: „Jeder Israeli weiß zu schätzen, dass Österreich ein wahrer und starker Freund ist.“ Differenziert sah es der Ressortleiter der Außenpolitik der Kronen Zeitung, Kurt Seinitz: „Oje, diese Flagge war eine Fleißaufgabe. Das hat die internationale Gemeinschaft nur irritiert.“

„Handshake“ zwischen beiden Botschaftern
Dass der israelische und der palästinensische Botschafter gemeinsam am Diskussionstisch Platz nehmen, ist historisch, denn: Es ist das erste Zusammentreffen der beiden - und das mitten im erneut aufkeimenden Nahostkonflikt. Zu Beginn gab es sogar einen coronakonformen „Handshake“. Kurt Seinitz fasst zusammen: „Ich freue mich, dass es gelungen ist, dass die beiden höchsten Vertreter zu einem Gespräch zusammenfinden.“

„Wir haben einige Sekunden gebraucht, den Raketenalarm zu realisieren“
Einsichten in den Alltag mitten in einem Konfliktgebiet gab der Rektor des Österreichischen Pilger-Hospizes und Priester Markus Bugnyár. „Am Montag war der erste Fliegeralarm seit 2014. Wir haben einige Sekunden gebraucht, um das zu realisieren.“ Die Stimmung sei „hochgeschaukelt“, im israelischen Teil haben die Menschen in Schutzräumen Zuflucht gesucht und „Angst und Panik“ gehabt. Im arabischen Ostteil seien Menschen auf die Dächer gestiegen, um die Detonationen mit „Zustimmung und einer latenten Freude“ zu sehen.

Was ist die Konfliktursache - Hamas oder die Umsiedelung?
Mehrfach betont wurden die auseinandergehenden Ansichten zur Konfliktursache. Während der israelische Botschafter Rodgold die Terrororganisation Hamas als Brandstifter und Verursacher sieht, betont der palästinensische Botschafter, dass man die „Konflikte im Gesamtkontext sehen muss“. Knackpunkt sei für ihn vor allem Ostjerusalem: „Das ist ein von Israel besetztes Gebiet!“

Was sich Israel wünscht …
In jedem Fall sieht Außenpolitik-Experte Seinitz ein großes Problem: „Wir stehen vor einer gigantischen, humanitären Krise“, weswegen alles dafür unternommen werden muss, die „Brandfackeln“ zu beseitigen. Auch der israelische Botschafter betont: „Wir bedauern alle zivilen Opfer von ganzem Herzen, sei es auf unserer oder auf palästinensischer Seite.“ Rodgold wünscht sich eine klare Distanzierung der Palästinenser von der Hamas und versichert, dass Israel bereit ist, die bilateralen Verhandlungen wiederaufzunehmen.

Wenn es einen unabhängigen Staat Palästina gäbe, dann …
Versöhnliche Worte gab es auch vom palästinensischen Botschafter Abdel-Shafi. Er positioniere sich „gegen die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen“. „In dem Moment, wo wir einen souveränen Staat neben Israel haben, garantiere ich Ihnen, alles gegen jene zu unternehmen, die unseren Nachbarn angreifen“. Derzeit sehe er aber nicht, dass Israel verhältnismäßig agiere. Für Verhandlungen sei Abdel-Shafi aber offen.

Hoffnung auf Friedensgespräche
Kurt Seinitz schlug einen „Step by step“-Vorgang vor. „Wir kennen die Stolpersteine. Die Hamas muss entwaffnet werden und man muss die Delogierung in Ostjerusalem stoppen.“ Zum Ende der Sendung hin wurde er zuversichtlicher: „Ich kann mir vorstellen, dass sich beide zusammensetzen.“

Alle Ausgaben unseres Talk-Formats #brennpunkt: immer mittwochs ab 20.15 Uhr auf krone.tv und hier auf krone.at sowie um 22 Uhr bei n-tv Austria.

Katia Wagner
Katia Wagner
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