11.05.2021 09:47 |

„DarkSide“ will Geld

Hacker brechen nach Pipeline-Angriff ihr Schweigen

Nach der Cyberattacke auf den Betreiber der größten Pipeline in den USA haben sich die Angreifer zu Wort gemeldet und erklärt, keine politischen Ziele zu verfolgen. Ihnen gehe es ausschließlich darum, Geld zu machen, erklärte die Hackergruppe „DarkSide“. Zuvor hatte die US-Regierung den regionalen Notstand ausgerufen und Untersuchungen eingeleitet, die klären sollen, ob der Cyberangriff auf einen staatlichen Akteur zurückgehe. Bis Ende der Woche, hofft man, soll die Pipeline wieder wie gewohnt funktionieren. Die Ölpreise reagierten positiv auf die Ankündigung.

„Unser Ziel ist, Geld zu machen und nicht Probleme für die Gesellschaft“, teilten die Mitglieder der Hackergruppe in einem Statement mit. Sie seien unpolitisch und würden mit keiner bestimmten Regierung in Verbindung gebracht, hieß es in Anspielung auf eine mögliche Russland-Connection.In der Erklärung gab es keine Hinweise darauf, wie viel Geld die Gruppe von Colonial Pipeline verlangt oder ob der Pipeline-Betreiber bereits gezahlt hat.

US-Regierung vermutet Russland-Verbindung
Die stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin für Cyber-Technologien unter US-Präsident Joe Biden, Anne Neuberger, sagte zuvor, die Geheimdienste prüften, ob die Hacker Verbindungen zur russischen Regierung hätten. Präsident Biden erklärte am Montag vor Reportern, dass es zwar „bisher“ keine Beweise gebe, dass die russische Regierung involviert sei, allerdings gebe es Beweise darüber, dass die „DarkSide“-Gruppe von Russland aus gesteuert werde. Russland habe deswegen „eine gewisse Verantwortung“, mit dem Fall umzugehen.

Pipeline soll Ende der Woche wieder funktionieren
Während über die Hintergründe gerätselt wird, arbeiten IT-Experten nach wie vor daran, die durch eine Ransomware-Attacke mit Verschlüsselungs-Malware angerichteten Schäden im Netzwerk des Pipeline-Betreibers Colonial Pipeline zu reparieren. Die Pipeline solle schrittweise wieder in Dienst gestellt werden und bis Ende der Woche wieder wie gewohnt arbeiten. Colonial hatte mitgeteilt, die Firma habe bestimmte Systeme nach der Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung einzudämmen. In der Folge sei der Betrieb der Pipeline komplett zum Erliegen gekommen. Die Betreiber schalteten am Freitag die Behörden und eine externe IT-Sicherheitsfirma ein.

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Böse Buben sind sehr geschickt darin, neue Wege für Angriffe auf die Infrastruktur zu finden.

Andrew Lipow, Ölmarkt-Experte

„Böse Buben sind sehr geschickt darin, neue Wege für Angriffe auf die Infrastruktur zu finden“, sagte Andrew Lipow, Chef der Beratungsfirma Lipow Oil. „Diese hat nicht die notwendigen Verteidigungsmöglichkeiten, um alle Wege, über die ein System infiziert werden kann, zu versperren.“

Größte Pipeline der USA
Die Pipeline, die sich zum Großteil unterirdisch auf 5500 Meilen (rund 8850 Kilometer) erstreckt, verbindet an der Küste am Golf von Mexiko liegende Raffinerien mit dem Süden und Osten der USA. Transportiert werden unter anderem Benzin, Dieselkraftstoff und Heizöl - pro Tag um die 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter). Colonial mit Sitz im Bundesstaat Georgia ist der größte Pipeline-Betreiber der USA. Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe und beliefert mehr als 50 Millionen Amerikaner. Zu den Abnehmern gehören auch die US-Streitkräfte.

Bei sogenannten Ransomware-Attacken werden Daten auf Computern verschlüsselt - und die Angreifer verlangen meist Lösegeld für die Freigabe. Neuberger erklärte im Weißen Haus, die Regierung habe bisher keine Informationen dazu, ob der Pipeline-Betreiber den Erpressern ein Lösegeld gezahlt habe. Momentan sei von einem „kriminellen Akt“ auszugehen, es würden aber alle Hinweise geprüft.

US-Regierung rief regionalen Notstand aus
Nach dem Hackerangriff hatte die Regierung in Washington sogar den regionalen Notstand ausgerufen. Dieser Schritt gehe auf die dringende Notwendigkeit ein, „den sofortigen Transport von Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten“ sicherzustellen, erklärte das US-Transportministerium.

Ölpreis nach Anstieg wieder gefallen
Die Probleme mit der Colonial-Pipeline ließen über das Wochenende die Ölpreise steigen. Nachdem Colonial angekündigt hatte, die Pipeline bis Ende der Woche wieder in Gang setzen zu können, sanken die Preise wieder. Dienstagfrüh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 67,72 US-Dollar (55,65 Euro). Das waren um 60 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 55 Cent auf 64,37 Dollar.

„Eine längere Unterbrechung der Pipeline hätte weitreichende Auswirkungen auf den Ölmarkt - nicht nur in den USA, auch in Europa“, prognostizieren die Rohstoffexperten der Commerzbank. So würden die USA die fehlenden Mengen Benzin auch in Europa nachfragen. „In der Folge könnten also auch hier die Benzinpreise steigen.“

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