Ruhige Phase zu Ende

Forscher erwarten verstärkte Aktivität der Sonne

Wissen
29.12.2010 15:45
Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase mit recht wenigen Sonnenflecken erwarten Wissenschaftler für die kommenden Jahre turbulentere Zeiten. Besonders heftige Ausbrüche können elektrische und elektronische Einrichtungen auf der Erde stören, gefährdet sind vor allem Satellitensysteme. NASA-Experten erwarten für Mitte 2013 einen Höhepunkt der hochaktiven Phase der Sonne.

Forscher des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe der Universität Graz bestätigten die Prognosen der US-Astronomen, die Sonnenaktivität sei in ihrem elfjährigen Zyklus derzeit zunehmend.

Die sogenannten Sonnenflecken gelten als Maß für die Heftigkeit der Sonnenaktivität. Je mehr dieser dunklen Zonen sichtbar sind, desto heftiger arbeitet unser Zentralgestirn und desto stärker sind auch die Ausbrüche, die als Strahlung und Sonnenwind auch die Erdatmosphäre erreichen. Generell schwankt die Sonnenaktivität in einem elfjährigen Zyklus.

Satelliten können gestört werden
Ausbrüche der Sonne, sogenannte Flares (Bild), schleudern nicht nur Energie - etwa in Form von Röntgenstrahlung -, sondern auch Materie in den Weltraum, bisweilen auch Richtung Erde. Dabei unterscheiden die Wissenschaftler mehrere Fraktionen. Bereits wenige Stunden nach der Eruption erreichen uns schnelle Protonen und Ionen, sie können durch ihre Energie Satelliten beeinträchtigen oder die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS gefährden.

Wesentlich langsamer bewegen sich nachfolgende Materiewolken aus Plasma, sie erreichen uns erst wenige Tage nach dem Ausbruch auf der Sonne. Gelangen sie dann bis zur irdischen Atmosphäre, kann es zu Störungen im Funkverkehr bis hin zur Zerstörung von elektrischen Einrichtungen kommen. In Österreich sind derlei Unfälle allerdings nicht bekannt. Generell sind die Vorgänge um Sonnenflecken und Flares willkommene Möglichkeiten für die Forscher, um zu ergründen, was im Inneren unseres Zentralgestirns vor sich geht.

Auswirkungen auf die Erde eher gering
Die Auswirkungen der Sonnenaktivität auf die Erde sind - laut den Sonnenforschern auf der Kanzelhöhe - abgesehen von den direkten Folgen der Ausbrüche eher gering. So schwankt die sogenannte solare Konstante, also die bei der Erde ankommende Strahlung, im Bereich von etwa 1.360 Watt pro Quadratmeter (dieser Wert gilt außerhalb der Atmosphäre, Anm.) im elfjährigen Zyklus um lediglich ein Promille.

Teilweise werden laut den Experten aber schon Parallelen zwischen Sonnenaktivität und Erdklima gesehen, Kälteperioden mit Phasen schwächerer Sonnenleistung erklärt. Unter anderem wird die sogenannte Kleine Eiszeit im 17. und 18. Jahrhundert mit einem Minimum an Sonnenflecken für die Dauer von 70 Jahren in Zusammenhang gebracht.

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