20.03.2021 21:27 |

Polizei-Großkampftag

Europaweite Proteste gegen die Corona-Politik

Nicht nur in Wien, sondern auch in mehreren anderen europäischen Metropolen sind am Samstag Tausende Gegner der Pandemie-Maßnahmen auf die Straßen gegangen. In Schweden wurden in Malmö und Göteborg kleinere Kundgebungen von der Polizei aufgelöst, im niederländischen Amsterdam und dem deutschen Kassel mussten Wasserwerfer eingesetzt werden. In Kassel, wo 20.000 Menschen demonstrierten, gab es auch gewalttätige Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei. Tausende Menschen demonstrierten auch in Kroatien und Großbritannien.

Die nordhessische Stadt Kassel hatte eigentlich nur 6000 Teilnehmer auf einem Platz am Stadtrand zugelassen. Gekommen waren mehr als drei Mal so viele, auch die Auflage zum Tragen des Mund-und Nasenschutzes wurde vielfach missachtet. Während eines illegalen Demonstrationszuges durch die Kasseler Innenstadt kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und mit der Polizei. Die Beamten setzen auf den Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern, mehrere Menschen seien festgenommen worden.

Niederländische Polizei setzte Wasserwerfer ein
In Amsterdam vertrieb die Polizei die Teilnehmer einer nicht genehmigten Kundgebung mit Wasserwerfern vom zentralen Platz vor dem Reichsmuseum. Rrund 1000 Demonstranten seien am Rand des historischen Grachtenviertels eingekesselt worden, wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete. Viele von ihnen wurden dann mit Bussen an den Stadtrand gebracht. Über Festnahmen gibt es bisher keine Informationen.

Demos in Malmö und Göteborg von Polizei gestoppt
Auch in Schweden, wo es während der zweiten Corona-Welle ebenfalls zu zahlreichen Einschränkungen gekommen war, gingen die Sicherheitsbehörden rigoros gegen die Demonstrationen vor. Sowohl in der Hauptstadt Stockholm als auch in Göteborg und Malmö seien die Proteste am Samstag von den Beamten gestoppt worden, weil sie gegen die maximal zulässige Teilnehmerzahl für öffentliche Versammlungen verstoßen haben. In Göteborg waren demnach 50 bis 70 Menschen dabei gewesen, in Malmö etwa 200. In Stockholm sprach die Zeitung „Aftonbladet“ von 200 bis 300 Teilnehmern.

Klagen über „Tyrannei“ in Split
Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen fanden auch in fünf kroatischen Städten und in der serbischen Hauptstadt Belgrad statt. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb sowie in Osijek und in den Adria-Städten Split, Dubrovnik, und Sibenik gingen Tausende Menschen auf die Straße und trugen dabei mehrheitlich keinen Mund-Nasen-Schutz. Unter anderem in Split bezeichneten die Demonstranten die Maskenpflicht als „Tyrannei“. Kroatien hat im Vergleich zu anderen EU-Staaten mildere Corona-Maßnahmen. So ist etwa die Innengastronomie geschlossen, jene unter freiem Himmel aber erlaubt.

Viele Gläubige in Rumänien unzufrieden
Demonstriert wurde auch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest und fünf weiteren Städten des EU-Staates. In Bukarest sowie im siebenbürgischen Cluj (Klausenburg) gehörten prominente Mitglieder der neuen extrem rechten Parlamentspartei AUR zu den Teilnehmern der Kundgebungen. Häufig sichtbar waren auch religiöse Symbole. Viele christlich-orthodoxe Gläubige sind mit den Einschränkungen für Gottesdienste unzufrieden. Die Polizei kündigte an, mit Bußgeldern gegen jene Demonstranten vorzugehen, die die Maskenpflicht und die Abstandsregeln verletzten.

Römer Polizisten nahmen Helme ab
Kleiner fielen die Demonstrationen im leidgeprüften Italien aus. Rund 70 Personen skandierten im römischen Vorort Ostia „Freiheit, Freiheit!“ und umarmten sich demonstrativ vor den Polizisten. Als diese nach einer entsprechenden Aufforderung durch die Demonstranten ihre Helme abnahmen, erhielten sie spontan Applaus. Spannungsgeladener war die Situation in Venedig. Dort verweigerten einige Demonstranten die Personenkontrolle durch die Polizei, einige versuchten, die Polizeisperre zu durchbrechen. Im norditalienischen Turin wurden etwa 40 Personen bestraft, die bei ihrem Protest im Stadtzentrum keine Maske trugen. Eine Person wurde wegen Widerstands gegen die Polizei angezeigt, ein Polizist wurde an einer Hand leicht verletzt, wie italienische Medien berichteten.

Randale in London
Dutzende Festnahmen gab es in London. Tausende Demonstranten marschierten am Samstag vom Hyde Park durch das Stadtzentrum. Nach dem Ende des Protestmarsches kehrten rund 100 Demonstranten in den Hyde Park zurück, lieferten sich Handgemenge mit Polizisten und bewarfen die Beamten mit Flaschen und Dosen.

Quelle: APA

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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