Sa, 23. März 2019
22.12.2010 19:33

"Kärnten Inoffiziell"

Ivo Sanader und seine seltsamen Erinnerungslücken

Unter großem Medienrummel ist am Mittwoch die Einvernahme des ehemaligen kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader durch den Hypo-U-Ausschuss über die Bühne gegangen. Die Vernehmung erfolgte per Videoübertragung aus der Justizanstalt Salzburg in das Klagenfurter Landesgericht. "Krone"-Redakteurin Waltraud Dengel war dabei und machte interessante Entdeckungen...

Bei seiner Befragung durch den Hypo-U-Ausschuss ließ den kroatischen Ex-Premier mehrmals sein Gedächtnis im Stich! So wollte ÖVP-Mandatar Stephan Tauschitz wissen, ob er bei einem Treffen mit Hypo-Aufsichtsräten die Abberufung des damaligen Hypo-Kroatien-Vorstandes Günter Striedinger angeregt habe, weil dieser der Bank schade. Sanader meinte, er könne sich nicht erinnern, mit dem Aufsichtsrat gesprochen zu haben.

Ein anderer dagegen erinnert sich sehr genau: Ex-Hypo-Boss Wolfgang Kulterer war bei besagtem Treffen in Zagreb dabei. Es habe sich um den offiziellen Höflichkeitsbesuch des Bankchefs, begleitet von mehreren Aufsichtsratsmitgliedern nach Sanaders erster Bestellung zum Ministerpräsidenten gehandelt. "Laut Auskunft meines Mandanten hat Sanader das über Striedinger gesagt", lässt Kulterers Anwalt Ferdinand Lanker wissen.

Sanader: "Das ist mir nicht erinnerlich"
Auch bei möglichen Interventionen von bayerischer Seite im Zusammenhang mit dem Verkauf der Hypo war Sanaders Gedächtnis nicht das beste. Der kroatische Nationalbank-Präsident elko Rohatinski hatte erst seine Zustimmung verweigert. Sanader habe ihm daraufhin erklärt, es sei im nationalen Interesse Kroatiens, dass er sich nicht quer lege, soll Rohatinski dem Ausschuss-Vorsitzenden Rolf Holub (Grüne) anvertraut haben. Dieser sprach Sanader darauf an. Dessen Kommentar: "Das ist mir nicht erinnerlich."

Sanader fauchte Abgeordneten an
Ebenso auffällig wie seine Gedächtnislücken war, wie wenig Sanader gewusst haben will. Andererseits pochte er darauf, dass er seiner Stellung als ehemaliger Ministerpräsident gemäß zu behandeln sei. Den FPÖ-Abgeordneten Johann Gallo, der angebliche Transporte von Geldkoffern mit Hypo-Jets von Kroatien nach Liechtenstein ins Spiel brachte, fauchte Sanader an: "Die Frage beantworte ich nicht. Sie ist unter der Gürtellinie."

Völlig gegensätzlicher Meinung scheinen Sanader und Kulterer über die Bedeutung des kroatischen Geschäftsmannes Robert Jeiæ zu sein, der gleichzeitig mit Sanader verhaftet worden ist. Kulterer hatte seinem Nachfolger Tilo Berlin schriftlich empfohlen, sich Jeiæ, den "besten Freund und Verbündeten des Premierministers" als Lobbyisten zu sichern. Jeiæ habe für seine Tätigkeit als Politiker aber gar keine Bedeutung gehabt, antwortete Sanader auf die diesbezügliche Frage von Herwig Seiser. Er sei lediglich ein Parteifreund wie viele andere auch.

Verwirrung gab es um einen Kredit von 139,5 Millionen Schilling, den die Hypo in den 90er-Jahren dem kroatischen Außenministerium genehmigt hat. In einem von Kulterer unterzeichneten Brief wurde Sanader mitgeteilt, dass er über die Millionen verfügen könne. Der konnte sich – Überraschung! – nicht erinnern. Immerhin fiel ihm dann doch noch ein, dass es diese Millionen tatsächlich gegeben hat. Der Kredit war für den Ankauf von Botschaftsgebäuden für die jungen Republik Kroatien gedacht. Dafür soll er auch verwendet worden sein, so Sanader: "Ich kann aus meiner Sicht Malversationen ausschließen."

"Kärnten Inoffiziell" von Waltraud Dengel, "Kärntner Krone"

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