Drei grundlegende Fakten schickte der Altlandeshauptmann voraus: Er war nie Mitglied des Hans-Niessl-Sozialfonds. Er war nie bei einer Sitzung. Er hat sich nie in die Vergabe der Finanzhilfe eingemischt. „Ich hatte keinen Einblick in die Spendenliste. Somit sind Gegenleistungen für großzügige Unterstützer auszuschließen“, lautete seine Botschaft an übereifrige Kritiker.
Der Idee eines Sozialfonds liegt ein Benefizfest des SV Gols zu Niessls 50er zugrunde. Dem grundsätzlichen Appell an Gäste, von Geschenken abzusehen, standen Spendenboxen gegenüber. 270.000 Schilling (19.621 Euro) wurden eingeworfen, die stattliche Summe ging direkt an das Rote Kreuz. In 18 Jahren als Landeshauptmann sind 130.000 € zusammengekommen. Das Geld wurde im Laufe der Zeit an 50 Familien in Not und Organisationen wie die soziale Fraueneinrichtung Die Treppe aufgeteilt. „Die Arbeit machten Büromitarbeiter und Top-Juristen in der Freizeit“, teilte Niessl mit. Ob zu runden Geburtstagen Goldgeschenke an ihn beziehungsweise an den Sozialfonds gegangen sind, so wie es Ex-Bankchef Martin Pucher behauptet hatte, kann Niessl nicht sagen: „In die Arbeit des Vereins war ich nicht eingebunden. Ich bin lediglich den Bitten des Sozialfonds nachgekommen und war bei der Verleihung von symbolischen Schecks dabei.“
Vergleiche mit „Ibiza“ und Van der Bellen
„Ibiza und Mattersburg sind sich in Fragen der Geschenkannahme näher, als es scheint. Da wie dort gab es Vereine, die Parteien oder Politikern nahestehen, und da wie dort gibt es Geschenke oder Angebote und Profiteure“, hieß es von der grünen Klubobfrau Regina Petrik. Ihr gab SPÖ-Fraktionsführer Roland Fürst diesen Tipp: „Werfen Sie einfach einen Blick auf den Sozialfonds von Bundespräsident Van der Bellen.“
Das Polit-Spiel mit harten Bandagen ging in Niessls zweiter Halbzeit der Befragung weiter. Verbal gedribbelt wurde rund um VIP-Karten von der Bank für Partien des SV Mattersburg. „Mehr als verwunderlich“ beurteilte Niessl Anschuldigungen, derartige Jahrestickets im Wert von 3500 € erhalten zu haben. Rechnungen lagen im U-Ausschuss vor. Niessl verwies darauf, dass offizielle Gäste des Landes unter anderem zu einem Match eingeladen wurden, statt mit ihnen teuer essen zu gehen. „Diese VIP-Karten sind von der Sportabteilung verbucht worden“, gab Niessl an.
Um einen Eindruck der allgemeinen Stimmung um die durch den Bankskandal jetzt oft kritisierte Fußballakademie zu vermitteln, las der Altlandeshauptmann einstige Stellungnahmen von ÖVP-Abgeordneten und den Grünen vor. Kurzum, die Aussagen waren voll des Lobes für den erfolgreichen SVM. „Bekennen Sie Farbe! Setzen Sie rasch Maßnahmen für die Akademie, Herr Landesrat“, war gefordert worden – einstimmiger Beschluss im Landtag inbegriffen. Trotz dieser Euphorie habe es von 2005 bis 2009 gedauert, bis der Plan umgesetzt wurde, so Niessl. Denn für ihn sei das Projekt erst dann greifbar gewesen, als die Kostenfrage bis ins Detail abgeklärt war. „Alles nachvollziehbar“, war das Fazit. Salopp im Kickerjargon ausgedrückt: kluge Defensive, Angriff, Volltreffer, Schlusspfiff!
„Fußballakademie finde ich heute noch richtig“
In die Verlängerung ging das Thema rund um den SVM und die Fußballakademie mit Karl Kaplan (ÖVP), dem früheren Wirtschaftslandesrat und späteren Ex-Präsidenten des Fußballverbandes. Spiele des SVM hat er oft gesehen: „Aber nicht auf der VIP-Tribüne, dort hat im Sommer die Sonne geblendet.“ Nach dem Kauf eines Salzstangerls mit Käse um 3,50 € sei er stets auf einem Platz gegenüber gesessen. Puchers Aussage, er habe ein Goldgeschenk bekommen, dementierte Kaplan.
Karl Grammer, Kronen Zeitung
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