03.02.2021 07:00 |

Geheimniskrämerei

Impf-Listen bleiben das große Geheimnis

Nur die Leiter der Seniorenheime in Salzburg kennen die Impf-Listen. Das heizt Vorreihungs-Gerüchte an. Jetzt entschuldigte sich der Bürgermeister von St. Johann.

Schuld war der Heimleiter. So rechtfertigt St. Johanns Bürgermeister Günther Mitterer (ÖVP) die kuriosen Vorgänge rund um die Corona-Imfpung im örtlichen Altersheim. Er selbst, seine Frau und Flachau-Seilbahnchef Wolfgang Hettegger wurden geimpft. Die „Krone“ berichtete bereits vergangene Woche über die Vorgänge. Am Dienstag folgte nun die Entschuldigung Mitterers – per Presseaussendung. Bei der Impfung seien mehrere Dosen übrig geblieben. „So griff der Heimleiter zum Telefon und bat jene ins Heim, die binnen Minuten erscheinen konnten“, heißt es in dem Schreiben. Wieso ausgerechnet Seilbahner Hettegger angerufen wurde? Diese Antwort bleibt der Bürgermeister schuldig. Er selbst war für die „Krone“ am Dienstag nicht erreichbar.

Fakt ist: Die Liste, wer die Schutzimpfung bekommt, erstellt der jeweils für das Seniorenheim zuständig Koordinator, meist der Heimleiter. Ebenso die Ersatzliste, wenn Dosen übrig bleiben – diese haben zum Beispiel die Ortschefs bekommen. Wer darauf steht? Das weiß außer der Person, die die Liste erstellt hat, und dem impfenden Arzt niemand. „Datenschutz“ lautet hier stets die Antwort auf entsprechende Anfragen.

Auch Bürgermeister halten sich bedeckt, ob sie auf diesen Listen stehen. Mittlerweile ist bekannt, dass viele Ortschefs bereits geimpft worden sind. In manchen Seniorenheimen soll es sogar zu Gegengeschäften gekommen sein. Spende gegen Impfung.

„Namhafte Personen“ bereits geimpft?
Diese Geheimniskrämerei heizt die Gerüchteküche an. Fast täglich trudeln bei der „Krone“ – meist anonyme – Hinweise ein. In Bischofshofen etwa sollen bereits „sämtliche Politiker“ geimpft worden sein. Dies ließ sich ebenso wenig bestätigen wie der Hinweis, dass in einem Salzburger Seniorenheim „namhafte Personen“ am Montag unerlaubt ihre Schutzimpfung erhielten.

Anonyme Anzeige gegen Hagenauer

Kein Gerücht: Gegen Salzburgs Stadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) - sie ließ sich am 27.12. impfen - ging nun bei der Salzburger Staatsanwaltschaft eine anonyme Anzeige wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch ein. Seit 1. Februar muss man sich für die Corona-Impfung anmelden. Bringt das neue System das Ende der „Vordrängler“?

Nikolaus Klinger
Nikolaus Klinger
Felix Roittner
Felix Roittner
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