Die Holzbuden auf der Pusher Street sind verschwunden. Wo früher offen Haschisch verkauft und geraucht wurde, liegen jetzt nur noch Zigarettenkippen im Staub. Nach massiven Polizeieinsätzen in den vergangenen Monaten ist es mit dem Drogenhandel im dänischen Freistaat Christiania vorbei. Das macht sich auch finanziell für die Bewohner des alternativen Stadtviertels in Kopenhagen bemerkbar. Der Umsatz in den Werkstätten, Kneipen und Cafés ist spürbar zurückgegangen, seitdem die Polizei regelmäßig Passanten durchsucht und mit Patrouillen präsent ist.
Christiania besteht seit 1971, als im Zuge derHippie-Bewegung ein leer stehendes Kasernengelände besetztwurde. Für ein "soziales Experiment" erhielten die Bewohnernach politischen Verhandlungen eine weit reichende Souveränität.Heute ist Christiania eine Touristenattraktion. Neben Althippiesund kinderreichen Familien bevölkern Rocker und Gestrandetedas Gelände.
Jahrzehntelang war der Haschischhandel im Freistaatvon Politik und Polizei zähneknirschend geduldet worden.Doch im März sagte die Rechtsregierung unter StaatsministerAnders Fogh Rasmussen dem offenen Drogenhandel den Kampf an. Hundertschaftender Polizei durchsuchten Häuser und verhafteten 56 Händler.Die Folge waren Straßenkämpfe zwischen Spezialeinheitenund Bewohnern und Sympathisanten Christianias.
Die Lage hat sich wieder beruhigt. Dafür klafftnun in der Gemeinschaftskasse der Christianiter ein Loch. Seitdemder Haschischhandel unterbunden wurde, finden die früherenStammkunden immer seltener den Weg in die autofreien Gassen. Dasschlägt sich deutlich in den Umsätzen der Betriebe niederund damit auch im Budget der Gemeinschaft.
In die Kasse zahlen die 633 volljährigen Bewohnerund sämtliche Unternehmen einen monatlichen Betrag ein. Davonwerden die Miete für das Gelände an den Staat bezahlt,die Gemeinschaftsgebäude unterhalten und ein Kindergartenmit 180 Plätzen betrieben.
Glücklicherweise sei die Gemeinschaftskassenur indirekt vom Handel abhängig gewesen, berichtet BenteMorén von der Ökonomie- Gruppe erleichtert. "Wir habenimmer dafür gesorgt, zwischen der Gemeinschaftskasse unddem Haschischmarkt die Schotten dicht zu halten." Doch die kleinenGeschäfte zwischen bunt bemalten und liebevoll mit Pflanzengeschmückten Häusern zahlen einen umsatzabhängigenBetrag. Mehrere der Betreiber haben bereits angekündigt,ihren Anteil im nächsten Jahr senken zu müssen.
Auf das Geld ihrer Besucher setzen die Christianiterjedoch auch in Zukunft. Dabei könnten sie Schützenhilfevon ungewohnter Seite bekommen: Das Fremdenverkehrsamt plant bereits,Christiania gezielt zu vermarkten.
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