Schiff geentert

D: Erster Piraten-Prozess seit rund 400 Jahren

Ausland
22.11.2010 20:11
Im ersten Piratenprozess in Deutschland seit rund 400 Jahren müssen sich seit Montag zehn Somalier wegen Angriffs auf den Seeverkehr und erpresserischen Menschenraubes vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Vor siebeneinhalb Monaten sollen die Männer die MS "Taipan" der Reederei Komrowski vor der somalischen Küste geentert haben. Mit der Vorstellung, die wohl die meisten Menschen mit Piraten verbinden, haben die Männer freilich nichts zu tun. Einige von ihnen sind sehr jung - einer soll nicht einmal 14 Jahre alt und damit nicht strafmündig sein.

Mit Sturmgewehren sollen sie am Ostermontag die Brücke der "Taipan" beschossen haben. Mehrere Projektile schlugen in die Wände des Kommandostandes ein. Auch eine Panzerabwehrrakete soll auf die Brücke abgeschossen worden sein, ohne jedoch ihr Ziel zu treffen.

Unklarheit über Alter der Angeklagten
Bereits vor Prozessbeginn hatte es Unklarheit über Namen und Alter der Angeklagten gegeben. Beim Feststellen der Personalien vor Gericht konnte kaum einer der mutmaßlichen Piraten seinen Geburtstag nennen. Einer sagte, er sei etwa 24 Jahre alt und in der Regenzeit geboren, ein anderer gab als Geburtsort "unter einem Baum" an.

Als die Staatsanwältin den Angeklagten vorwarf, sie hätten Menschenleben gefährdet, begann einer der Angeklagten unter seinem Kopfhörer - mit dem er die Übersetzung verfolgte - zu weinen. Als Geburtsdatum hatte er zuvor den 10. März 1997 angegeben. Sollte die Angabe stimmen, wäre er erst 13 Jahre. Mit diesem Alter ist man noch nicht strafmündig. Der Rechtsbeistand des Angeklagten beantragte deshalb vor Gericht, das Verfahren gegen seinen Mandanten einzustellen.

Ein holländisches Gutachten hatte das Alter des Angeklagten zuvor auf "15 Jahre oder älter" datiert. In einem am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf angefertigten Gutachten wurde das Alter mit "18 Jahre oder älter" angegeben. Die Verteidigung zweifelte die wissenschaftliche Validität beider Gutachten jedoch an und beantragte, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen.

Der Prozess wird am 1. Dezember fortgesetzt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
22.11.2010 20:11
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung