20.12.2020 01:00 |

Auffallend günstig

Hyundai Tucson: Beginnt da eine neue Premium-Ära?

Hyundai bringt den Nachfolger des erfolgreichen Kompakt-SUV Tucson auf den Markt - und startet damit geradezu in eine neue Ära. Der neue ist ungleich eleganter, hochwertiger und moderner und wächst in Sachen Anmutung weit über das hinaus, was man von der koreanischen Marke bisher erwarten durfte. Man kann sogar schon von einem Premiumeindruck sprechen.

Er ist ein echtes Designstück geworden. Auffälligstes Detail: die Front mit den Tagfahrleuchten, die man erst sieht, wenn sie eingeschaltet sind. Die wirken auf eine Art spacig, dass es fast schon ungewöhnlich ist, dass sie nicht nur an einem Concept Car angebracht sind, sondern an einem Serien-Hyundai. Die Scheinwerfer sind seitlich darunter angebracht, in der insgesamt durchaus Respekt einflößenden Front.

Etwas zu viel des Guten haben die Designer an der Seite gezeichnet. Vielleicht haben sie aber auch einfach die fertigte Designskizze zusammengeknüllt, wieder glattgestrichen und danach dann das Auto gebaut. Da wäre weniger mehr gewesen, sie haben es mit Sicken und Kanten etwas übertrieben. Aber das ist Geschmackssache und es muss kein Fehler sein, wenn Design polarisiert.

Die Rückseite trifft dann wieder eher den Massengeschmack. Die Heckleuchten sind markant und leuchten mit LEDs, das durchgehende Leuchtenband soll wohl Porsche- oder Audi-Flair verströmen. Nur an den Plastikblenden unten könnte man sich stören, aber die sind bei anderen Herstellern auch üblich. Dafür gibt es hier echte Auspuffendrohre. Das muss man in Zeiten, da Fake-Blenden, also Attrappen immer üblicher werden, besonders herausstreichen.

Der Heckscheibenwischer verbirgt sich im Dachkantenspoiler, wie beim BMW 2er Active Tourer. Man kann sich schon fragen, warum man diese Lösung nicht an mehr Fahrzeugen findet.

Innenraum ist Premium-like
Im Innenraum mag man seinen Augen kaum trauen. Design wie aus einem Guss, wertige Materialien, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch so anfühlen. Da müssen sich die Koreaner sicher nicht vor der deutschen Konkurrenz verstecken.

Die Türverkleidungen gehen nahtlos über ins Armaturenbrett, die Mittelkonsole soll einem Wasserfall nachempfunden sein, das Zentraldisplay ist dort integriert. Es ist zwar derzeit weit verbreitet, Displays einfach oben draufzusetzen (macht auch Hyundai gern), aber so eingebettet wirkt das schon deutlich edler. Zum „Drüberstreuen“ gibt es Ambientebeleuchtung mit 64 Farben.

Die Bedienung des Navitainment wirkt auf die Schnelle erlernbar. Top ist, dass sie nicht alle Funktionen im Touchscreen versteckt haben. Klimatisierung, Audio und Co haben eigene Knöpfe bekommen, elegant als Touchflächen ausgeführt. Der Lautstärkeregler am Lenkrad hat sogar eine Stummschaltung, deren Fehlen wir immer wieder bei Autos aus dem VW-Konzern bemängeln.

Der Tacho ist digital und wirkt angenehm minimalistisch, dennoch fehlt einem an dem 10,25-Zoll-Display mit der knackigen Grafik nichts.

Komfort wird großgeschrieben. Der Tucson ist der erste Hyundai mit optionaler Dreizonen-Klimaanlage. Zweizonen-Klima ist serienmäßig, genauso wie Sitzheizung vorn und Lenkradheizung. Auf Wunsch sind auch die hinteren Sitze beheizt, die vorderen belüftet. Sehr praktisch: Man kann vom Fahrersitz aus den Beifahrersitz verstellen, wenn er elektrisch verstellbar ist. Dafür sind links an der Beifahrersitzlehne eigens Knöpfe angebracht.

Die Platzverhältnisse sind schlichtweg opulent, auch und vor allem auf der Rückbank. In den Kofferraum passen je nach Antrieb bis zu 620 Liter, mit umgeklappter Rücksitzlehne sind es 1799 Liter. Der Hyundai Tucson ist auf 4,50 Meter gewachsen, mit 2,68 Meter ist auch der Radstand ein wenig länger geworden. Alles gut für den Innenraum, wenn der Hersteller weiß, wie man ihn ausnutzen kann. Nicht jedes Auto mit diesen Maßen bietet so viel Platz.

Hightech auf höchstem Niveau
Was Assistenzsysteme betrifft, bietet der neue Tucson so ziemlich alles, was state of the art ist. Tempolimitassistent, Spurfolgeassistent, Tempolimitanzeige, Autonotbremse, Müdigkeitserkennung und e-Call sind serienmäßig, Adaptivtempomat und Co. gibt‘s in höheren Ausstattungsniveaus.

Eine ungewöhnliche Kamerafunktion hat er auch: Wenn man den Blinker setzt, erscheint am Tacho der Blick nach hinten aus einer Kamera im Rückspiegel.

Starker Antrieb nur in Kombi mit Strom
Das Motorenangebot umfasst zwei Benziner mit 150 und 180 PS und zwei Diesel mit 116 und 136 PS, die je nachdem mit Front oder Allradantrieb kombiniert sind und teilweise ein 48-Volt-Mildhybridsystem haben. Außerdem gibt‘s einen Hybrid mit insgesamt 230 PS. Im Frühjahr 2021 kommt noch ein Plug-in-Hybrid mit 265 System-PS, der rein elektrisch bis zu 56 Kilometer schaffen soll.

Erste Fahreindrücke mit dem stärkeren Diesel waren recht überzeugend, obwohl man dem Motor anmerkt, dass 136 PS nicht allzu viel sind für 1,6 Tonnen. Für den Sprint auf Tempo 100 braucht man mindestens 11,6 Sekunden, das Höchsttempo liegt bei 180 km/h. Das Fahrwerk ist eher komfortabel ausgelegt, das heißt wenn man dynamischer fährt, muss man sich mit Karosseriebewegungen anfreunden, es schaukelt ein wenig, aber das geht schon in Ordnung. Der Tucson ist kein Sportler, sondern ein komfortabler Gleiter.

Unterm Strich
Auch wenn der neue Hyundai Tucson von vornherein 5000 Euro teurer ist als der alte, ist er richtig günstig. Allerdings nicht zum Vorgänger, sondern im Vergleich zur premiumartigen Konkurrenz. Er steigt er von der Anmutung her mindestens eine Klasse auf, vor allem im Innenraum.

Die Preisliste fängt offiziell bei 33.000 Euro an, zur Markteinführung - der Tucson steht schon beim Händler - sind es nur 26.000 Euro. Dafür bekommt man den 150-PS-Benziner mit Frontantrieb und manuellem Sechsganggetriebe. Parksensoren, Rückfahrkamera, Regensensor usw. sind da sogar schon mit dabei.

Der topausgestattete Hybrid kommt auf 49.000 Euro. Da wird dann auch der Preis langsam Premium. Aber eben auch die Ausstattung.

Warum?
Vor allem im Innenraum auffallend stimmig und hochwertig
Günstiger Preis

Warum nicht?
Das Design ist in der Seitenansicht nicht jedermanns Sache

Oder vielleicht ...
... VW-Tiguan, Ford Kuga, Peugeot 3008, Toyota RAV4, Kia Sportage, Mazda CX-5, Citroen C5 Aircross, Mitsubishi Eclipse Cross, Opel Crossland, Renault Kadjar

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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