Rendi-Wagner warnt:

„Falsche Zeit für Kaufrausch und Hüttengaudi“

Politik
01.12.2020 11:35

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat sich am Dienstag klar gegen eine vorschnelle Lockerung der Corona-Maßnahmen ausgesprochen. „Für Einkaufrausch und Hüttengaudi ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt“, so die SPÖ-Chefin. Die mögliche Öffnung des Handels und der Schulen kommende Woche müsse „schrittweise, kontrolliert und behutsam erfolgen“, sonst riskiere man ein erneutes Ansteigen der Corona-Zahlen in den nächsten drei bis vier Wochen. „Der entscheidende Punkt beim Weg aus dem Lockdown ist, dass wir das niedere Fallniveau halten können“, so Rendi-Wagner. Denn dann lasse sich möglicherweise sogar ein dritter Lockdown verhindern.

Es sei „ein Fehler der Regierung“ gewesen, die ganze Sache nach dem ersten Lockdown im Frühjahr zu locker zu nehmen, betonte Rendi-Wagner. Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen. Die SPÖ-Chefin, die vor ihrer Polit-Karriere als Medizinerin tätig war, erwartet kommende Woche erste Auswirkungen des harten Lockdowns. Die aktuellen Fallzahlen seien nämlich noch das Ergebnis des ersten „soften“ Lockdowns. 

Öffnung nur mit „begleitenden Maßnahmen“
Dennoch brauche es auch weiterhin allergrößte Vorsichtsmaßnahmen, die Öffnung des Handels und der Schulen muss mit „begleitenden Maßnahmen“ erfolgen. Die SPÖ-Chefin sieht hier die Bundesregierung gefordert, sich „klare Sicherheitsregeln“ zu überlegen, etwa im Bereich der Schulen. Hier spricht sich Rendi-Wagner für die flächendeckende Verteilung von FFP2-Masken an alle Lehrerinnen und Lehrer sowie wöchentliche Antigen-Tests aus. Auch eine „räumliche und zeitliche Entzerrung des Unterrichts“ sei sinnvoll, da diese die Anzahl der sozialen Kontakte reduziere und somit auch die Infektionsgefahr: „Hätte der Schulstart im September unter diesen Voraussetzungen beginnen können, hätten wir uns einiges erspart.“

Neben den Schulen sei ein zweiter größer Bereich die Alters- und Pflegeheime: „38 Prozent aller Corona-Toten waren Bewohner von Pflegeheimen, hier sprechen wir von einer Risikogruppe mit der höchsten Mortalitätsrate, wenn es zu einer Covid-19-Erkrankung kommt.“ Testungen des Pflegepersonals dürften daher keine einmalige Aktion sein, Beschäftigte im Pflegebereich sollten wöchentlich getestet werden. Zur Regierungsankündigung, FFP2-Masken für alle über 65 zu verschicken, meinte Rendi-Wagner, es sei aus kaufmännischer Sicht nicht unbedingt schlau gewesen, dies zuerst anzukündigen und dann die Masken einzukaufen: „Die Preise werden jetzt naturgemäß steigen.“ Auch hier hätte die Regierung zu spät reagiert.

„Menschen werden nicht testen gehen, um Regierung Freude zu machen“
Was die Massentests im ganzen Land angeht, so betont Rendi-Wagner, diese seien zwar eine sinnvolle Ergänzung, können aber nur dann effektiv sein, wenn sie regelmäßig stattfinden. „Dann erhöht sich extrem die Sinnhaftigkeit. Und dann wird auch die Bereitschaft der Leute steigen, sich testen zu lassen. 
Die Menschen werden nicht testen gehen, um der Regierung eine Freude zu machen!“ Zudem brauche es ein effizientes Contact Tracing. Hier wiederholte die SPÖ-Chefin ihre Forderung, den Personalmangel durch die gezielte Rekrutierung und Einschulung von Arbeitslosen zu bekämpfen. 

Zitat Icon

Die Menschen werden nicht testen gehen, um der Regierung eine Freude zu machen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner

Die Öffnung des Handels gerade in der Vorweihnachtszeit sei natürlich nicht unproblematisch: „Aus infektiologischer Sicht ist ein Bild an einem Einkaufssamstag in einem Shoppingcenter sehr kritisch zu bewerten.“ Die SPÖ-Chefin plädiert hier für eine Maskenpflicht sowie Personenbeschränkungen in Geschäften, um Bedränge und Menschenansammlungen zu vermeiden. Aber auch der Handel habe hier eine Verantwortung, nicht mit Schnäppchen locken.

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