China liefert nicht

Deutscher Industrie gehen die Rohstoffe aus

Ausland
22.10.2010 16:13
Die deutsche Industrie schlägt wegen Versorgungsengpässen bei wichtigen Rohstoffen Alarm. Das Problem bestehe kurz- und langfristig, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf. Das gelte insbesondere für Seltene Erden - das sind Metalle, die in vielen High-Tech-Industrien Verwendung finden und dort unverzichtbar sind.

Hier hat China einen Anteil an der weltweiten Förderung von aktuell 97 Prozent. Die Volksrepublik habe den Export dieser Metalle aus ganz eigennützigen Gründen massiv beschränkt, kritisierte Schnappauf. Das Thema Rohstoffe müsse daher auf die Agenda der G-20-Gruppe der großen Schwellen- und Industrieländer (G-20).

"Es gibt bei Seltenen Erden starke Beeinträchtigungen beim Bezug. China hat im Juni eine Absenkung seiner Exportquote für 2010 um 40 Prozent verfügt, die Exportquote ist aber schon zu über 72 Prozent ausgeschöpft", erläuterte Schnappauf. Dadurch seien die Preise einiger der Metalle schon um das Dreifache gestiegen. Bis Jahresende drohten die Preise sogar auf das Fünf- bis Siebenfache hochschnellen. "In manchen Unternehmen gibt es bereits echte Probleme mit der Verfügbarkeit", klagte er. Das gelte etwa für Lanthan, einen Rohstoff, der zum Beispiel in der Photovoltaik verwendet werde.

"China handelt im Interesse seiner Industrie"
Das wachstumsstarke China setze seine Dominanz bei diesen Rohstoffen gezielt ein, lautet der Vorwurf der deutschen Industrie. "Chinas Beschränkungen sind industriepolitisch motiviert. Das Land versucht die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten", sagte Schnappauf. Es gebe allerdings auch andere Staaten, die bei Rohstoffen Ausfuhrbeschränkungen erlassen hätten. "Aber kein Staat hat ein solches Gewicht wie China. Kein Land setzt solche Beschränkungen so strategisch industriepolitisch ein."

Der BDI, der in der kommenden Woche zu einem großen Rohstoffkongress geladen hat, mache schon seit vielen Jahre auf das Rohstoffproblem aufmerksam. "Wir haben die Herausforderung frühzeitig aufgegriffen und seit vielen Jahren auf die politische Agenda gesetzt", erklärte Schnappauf. Die deutsche und europäische Politik hätten das aufgegriffen, "und jetzt gehört es global auf die Tagesordnung", forderte er. "Wir wollen, dass der G-20-Gipfel in Frankreich im kommenden Jahr die Rohstoffe behandelt. Wir sind intensiv dabei, das Thema mit Japan und anderen Ländern gemeinsam voranzutreiben." Die Politik müsse für einen freien weltweiten Handel und für einen freien Zugang zu den Rohstoffquellen sorgen.

Hoffen auf neue Rohstoffstrategie der EU
Der BDI sieht aber Anlass zu Hoffnungen. Die deutsche Regierung habe ihre Rohstoffstrategie gerade beschlossen und die EU werde im November eine zweite Initiative ihrer Rohstoffstrategie vorstellen, sagte Schnappauf. Der Beschluss der Koalition sei "ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Rohstoffsicherheit". Jetzt komme es darauf an, diese Strategie zügig umzusetzen und effektiv mit der EU-Rohstoffstrategie zu verknüpfen.

"Man muss das Rohstoffthema strategisch anpacken. Die Industrie braucht Rohstoffe", unterstrich Schnappauf. "Wenn wir nichts gegen den politisch verursachten Mangel bei wichtigen Rohstoffen tun, werden Wertschöpfungsketten brechen", warnte er. Das aber hätte unmittelbare Folgen gerade für wichtige Zukunftsbereiche, wie Elektroautos, Medizintechnik oder erneuerbare Energien.

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