Panikattacke
Geretteter Chile-Kumpel bricht bei Party zusammen
"Er zeigte Anzeichen schwerer Angstzustände und wir mussten ihn ruhigstellen." Die Gründe für den Zustand des 34-Jährigen würden nun untersucht. Mindestens fünf weitere Kumpel sollen zudem mit Alkoholproblemen kämpfen. Sie hätten im Rahmen der vielen Feierlichkeiten nach der geglückten Rettung der verschütteten Kumpel in der vergangenen Woche zu viel Alkohol getrunken, sagte Diaz. Dies sei ein Problem für den ohnehin meist noch angeschlagenen Zustand der Bergarbeiter.
Die 33 Kumpel waren nach ihrer Rettung medizinisch untersucht worden. Die Ärzte hatten den Männern zu einer Ruhephase von rund zwei Wochen geraten. Die meisten hielten sich aber nicht daran, feierten ausgelassen ihre Rückkehr und gaben den Medien zahlreiche Interviews über ihre Zeit unter Tage.
Zu viel Rummel: Kumpel wollen "am liebsten in Mine zurück"
Auch andere Kumpel plagen derzeit offenbar Anpassungsschwierigkeiten. "Manchmal denke ich, dass es mir im Inneren der Mine besser gehen würde", sagte der 56-jährige Omar Reygadas der Zeitung "El Mercurio". Er sei sehr nervös und könne nicht mehr richtig schlafen.
Das große Interesse an ihrem Schicksal löst bei einigen der Geretteten mittlerweile großen Unmut aus. Die "Belästigungen" durch die chilenische und die ausländische Presse seien "genug", sagte Mario Sepúlveda, der unter Tage als Unterhalter und Motivationsgeist der Gruppe galt. "Ich bin nichts weiter als ein Bergarbeiter", erneuerte Sepúlveda sein Bekenntnis, mit dem er schon am Tag seiner Rettung verblüfft hatte. "Diese ganze Berühmtheitsgeschichte ist nichts für mich."
Kumpel wollen Geschichte teuer verkaufen
Ihre Geschichte wollen die Kumpel aber meistbietend verkaufen, "damit wir zumindest einen kleinen Vorteil aus dem erlittenen Leiden ziehen können", wie Reygadas dem "Mercurio" sagte. Dass die Kumpel zwar einzeln Interviews geben, aber nicht gemeinsam auftreten, sei kein Schweigepakt, "sondern wir werden sprechen, sobald irgendjemand sagt, wie viel er bietet. Dann werden wir 33 die Wahrheit erzählen", fügte Reygadas hinzu.
Der Bergmann Víctor Segovia schilderte dem deutsche Magazin "Stern" indes Einzelheiten des Martyriums unter Tage. "Ich habe fest daran geglaubt, dass ich sterben werde. Und ich habe mir gewünscht, dass es einfach so im Schlaf passiert", sagte Segovia. Ob er für das Interview Geld erhielt, ist unbekannt.
Über die ersten Momente nach dem Einsturz des Stollens sagte Segovia dem "Stern": "Die ersten Minuten hat keiner von uns ein Wort gesagt. Die Jungen, weil sie ja gar nicht wussten, was ihnen drohte. Und wir Älteren, weil wir niemandem Angst machen wollten." Nach zwei Tagen hätten die Männer die Mine erkundet und nach einem Ausgang gesucht. "Es war aussichtslos. Irgendwann stand man wieder vor einer Wand aus Fels."
"Immer wieder hat einer geweint. Auch ich"
Schnell sei eine Hierarchie entstanden, Sepulveda habe die Chefrolle übernommen, Schichtleiter Luis Urzua habe hingegen die meiste Zeit geschwiegen. "Wir alle waren froh, dass da überhaupt jemand die Initiative übernommen hat", sagte Segovia. Viele Bergleute seien mit der "Situation überhaupt nicht zurecht" gekommen.
"Immer wieder hat einer geweint. Auch ich. Die Jungen haben sich noch besser gehalten als wir Alten. Vielleicht auch, weil wir ja besser wussten, was uns drohen könnte."
In seinem Tagebuch notierte Segovia, wie nach einer Woche die Thunfischreserven zu Ende gingen. Von dem abgestandenen Wasser hätten die Kumpel Durchfall bekommen. Die Männer litten unter Pickeln und Ausschlägen, dazu die psychischen Qualen. Ob er seine Aufzeichnungen veröffentlichen will, darüber ist sich Segovia noch "nicht sicher". Fast hätte er keine Wahl gehabt: Seine Notizen vergaß der Bergmann zunächst im Stollen, ein Kumpel nahm sie mit.
Zwei Monate eingeschlossen
Die 33 Männer waren am 5. August nach dem Einsturz der Mine San José unter Tage eingeschlossen worden und hatten bis zu ihrer Rettung in rund 700 Metern Tiefe ausgeharrt. In der vergangenen Woche waren sie - begleitet von weltweiter Anteilnahme - einer nach dem anderen mit einer Rettungskapsel zurück geholt worden.











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