Kurz vorm Börsengang

USA wollen AliPay-Firma auf schwarze Liste setzen

Digital
15.10.2020 20:00

Um das vor dem weltgrößten Börsengang stehende Fintech Ant Group ist ein Streit zwischen China und den USA entbrannt. Das US-Außenministerium will den zum Firmenimperium des Alibaba-Gründers Jack Ma gehörenden Konzern auf eine schwarze Liste setzen, wie Insider Reuters sagten. China erklärte am Donnerstag, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte und Interessen seiner Unternehmen zu schützen.

Die US-Regierung versucht, Amerikanern eine Teilnahme an dem eigentlich noch für diesen Monat geplanten Börsengang von Ant Group zu verwehren. Sie fürchtet, dass die chinesische Regierung auf sensible Bankdaten von künftigen US-Nutzern der Ant-Zahlungsapp AliPay zugreifen könnte.

Noch keine konkreten Infos zu Sanktionen
Wie die Sanktionen gegen das von Jack Ma ins Leben gerufene Unternehmen konkret aussehen, blieb unklar. Insider sagten Reuters, das Außenministerium habe der Regierung Vorschläge gemacht, aber es sei nicht klar, wann sich die betreffenden Behörden damit beschäftigen. Die USA missbrauchten ihr Konzept der nationalen Sicherheit, um Firmen aus dem Ausland zu unterdrücken, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. „Das ist Mobbing.“

US-Präsident Trump fordert eine Sperre der chinesischen Apps TikTok und WeChat. US-Gerichte haben die Sperre vorerst blockiert. (Bild: AP Photo/Mark Schiefelbein, APA/Getty Images via AFP/GETTY IMAGES/POOL, Krone KREATIV)
US-Präsident Trump fordert eine Sperre der chinesischen Apps TikTok und WeChat. US-Gerichte haben die Sperre vorerst blockiert.

Die beiden Länder fechten seit Jahren einen erbitterten Handelsstreit um Zölle aus. Die US-Regierung um Präsident Donald Trump setzte zahlreiche Firmen aus China wie den Mobilfunkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste, die es US-Unternehmen untersagt, mit den Firmen aus China Geschäfte zu betreiben. Experten gehen davon aus, dass Trump Anlegern nicht verbieten kann, sich an dem Börsengang von Ant in Hongkong und Shanghai zu beteiligen.

Börsengang noch vor US-Wahl geplant
Ant Group strebt die Platzierung nach eigenen Aussagen eigentlich noch vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November an. Die drohenden Sanktionen sind nicht die einzige Hürde für das Fintech, das zuletzt mit mehr als 200 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) bewertet wurde. Insidern zufolge prüft die chinesische Regierung einen Interessenskonflikt, weil die Zahlungsplattform Alipay für manche Kleinanleger der einzige Kanal ist, Aktien von Ant zu zeichnen und am Börsengang teilzunehmen.

Ant Group wartet noch auf die finale Genehmigung des Börsengangs, der mit 35 Milliarden Dollar die Rekord-Neuemission des Ölgiganten Saudi Aramco übertreffen könnte. Mit Alipay betreibt Ant den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Der Amazon-Rivale Alibaba hält noch ein Drittel der Anteile an Ant Group.

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