Streckenrekord

Buckelwal-Dame schwimmt fast 10.000 km weit

Wissenschaft
12.10.2010 15:09
Ein offenbar reiselustiges Buckelwal-Weibchen hält den Rekord für die längste je von einem Säugetier zurückgelegte Entfernung: Es schwamm auf seiner Reise von einem Nahrungsgrund zum anderen mindestens 9.800 Kilometer und damit mehr als doppelt so weit wie für Buckelwale üblich. Dies berichtet ein internationales Forscherteam in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Zwischen den beiden Nahrungsgründen liegt eine Strecke, die fast einem Viertel des Erdumfangs entspricht, fast 90 Längengrade, ein Ozeanbecken und ein Kontinent, schreiben die Wissenschaftler um Peter Stevick vom College of the Atlantic in Bar Harbor (US-Staat Maine).

1999 identifizierten Forscher das Buckelwal-Weibchen erstmals vor der Küste Brasiliens, zwei Jahre später wurde es von einem Walbeobachtungsschiff aus vor Madagaskar gesichtet. Dazwischen liegen fast 10.000 Kilometer. Fotos der Schwanzflosse (Fluke) belegten, dass es sich bei dem Wal um ein und dasselbe Tier handelt. Die Fluke der Buckelwale unterscheidet sich in Form und Färbung, sodass sie zur Identifizierung einzelner Tiere herangezogen werden kann.

Normalerweise schwimmen männliche Tiere weiter
Durch die Entnahme einer kleinen Hautprobe und eine anschließende genetische Untersuchung wissen die Forscher zudem, dass der reiselustige Wal weiblich ist. Dies sei eine weitere Überraschung, denn normalerweise schwimmen männliche Tiere längere Strecken als weibliche, schreiben die Wissenschaftler.

Buckelwale wandern regelmäßig zwischen ihren Nahrungsgründen und den Fortpflanzungsgebieten hin und her. Üblicherweise legen sie dabei Strecken von etwa 5.000 Kilometern zurück. Die Distanz zwischen den Sichtungsstellen vor Brasilien und Madagaskar beträgt hingegen mindestens 9.800 Kilometer.

Grund für die Wanderlust unklar
Eine eindeutige Erklärung für die Wanderlust des Walweibchens haben die Forscher nicht. Möglicherweise war es gezielt dabei, neue Lebensräume zu erkunden, vielleicht habe es sich aber auch einfach verirrt. Die Entdeckung zeige, wie flexibel die Wanderungen auch innerhalb einer Art sein können, die ihrem Brutort typischerweise treu ist.

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