17.09.2020 07:04 |

Nachbar als Vorbild?

München im Corona-Kampf viel strenger als Wien

Vergleichsweise lax wirken die in Wien gültigen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, wenn man sich die bayrische Metropole München mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern und bisher insgesamt rund 10.000 bestätigten Infektionen mit SARS-CoV-2 ansieht (Wien: 1,9 Millionen Einwohner, insgesamt 11.800 Corona-Infektionen). So wurde in München für das kommende Wochenende - nicht zum ersten Mal - ein lokal begrenztes nächtliches Alkoholverbot verfügt, das von 23 bis 6 Uhr früh in Kraft ist. Betroffen sind fünf als Party-Hotspots bekannte öffentliche Plätze wie die Isarauen und der Gärtnerplatz, die sich während der Corona-Pandemie als Feiermeilen etabliert haben.

Da am Samstag unter normalen Umständen das - längst abgesagte - Oktoberfest begonnen hätte, wird noch geprüft, ob das Alkoholverbot auf die Theresienwiese ausgeweitet wird. Es wird nämlich befürchtet, dass dort irreguläre „Wiesn“-Partys stattfinden könnten, zumal über Social Media entsprechende Einladungen in Umlauf sind. Die Stadtväter befürchten, dass dabei auf die Abstandsregeln und Hygienevorschriften zum Schutz vor einer Weiterverbreitung des Coronavirus „gepfiffen“ werden könnte.

Begründet wird der Alkohol-Bann mit der Sieben-Tage-Inzidenz (Infektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner), die in München den Signalwert von 35 übertroffen hat. Am Donnerstag lag sie bei 45,53 - in Wien, wo ein Alkoholverbot bisher nicht zur Debatte steht, bei über 100.

Strenge Auflagen für Zusammenkünfte
Im Unterschied zu Wien ist in München - wie in ganz Bayern - der Aufenthalt im öffentlichen Raum auf Gruppen von bis zu zehn Personen beschränkt. Bei größeren Versammlungen im Freien - darunter auch Demonstrationen mit mehr als 200 Teilnehmern - gilt seit 9. September eine Maskenpflicht. Verstöße werden im Einzelfall mit bis zu 250 Euro bestraft.

Deutschlandweit sind Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich sind, zumindest bis zum Jahresende generell untersagt. Dagegen sind hierzulande gegenwärtig Indoor-Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen für bis zu 1500 Personen, im Freien für bis zu 3000 Personen zulässig, wobei ab 500 bzw. 750 Personen eine behördliche Bewilligung erforderlich ist.

Wien gerade auf einem schlechteren Weg
Betrachtet man die SARS-CoV-2-Infektionen seit Ausbruch der Pandemie im März, liegen München und Wien mit 691,4 bzw. 623,7 Fällen je 100.000 Einwohner auf einem ähnlichen Niveau. Zuletzt hat das Pendel im Wochenschnitt aber deutlich zugunsten von München ausgeschlagen. Zwischen 9. und 16. September wurden dort 670 Neuinfektionen verzeichnet. In Wien waren es zwischen 9. und 16. September 2127.

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