31.08.2020 11:17 |

Wichtige Verbauungen

Schutz vor den Gewalten der Natur!

Sturm, Regen und Muren: Gerät die Natur aus den Fugen, ist der Mensch machtlos. Schützen können nur Verbauungen von Bächen und Hängen, denn die Katastrophen werden mehr.

„Der Berger Bach kommt nie!“ Das hat Alt-Bürgermeister Ferdinand Hueter oft gehört, aber nicht darauf gehört und sich lieber auf sein Bauchgefühl verlassen. Als „Geldvernichtung“, „Quatsch“ und „Trottelwerk“ wurde daraufhin die von ihm initiierte Verbauung des Berger Baches oft bezeichnet. Jetzt, sieben Jahre später, sieht die Sache ganz anders aus.

Der Berger Bach ist gekommen - und wie!

Ausgelöst durch einen heftigen Starkregen, Blitz und Donner toste Ende Juli eine gewaltige, meterhohe Mure aus tosendem Wasser, Gestein und Baumstämmen durch das Bachbett auf den Oberdrautaler Ort Berg zu.

In den Wohnhäusern in Berg selbst hat von der nahenden Gefahr jedoch niemand etwas bemerkt, denn die beiden massiven, teils zehn Meter hohen Murbrecher aus Stahlbeton hatten den Gewalten der Natur Einhalt geboten.

„Erst tags darauf wurde das Ausmaß sichtbar“, erzählt Ferdinand Hueter beim Ortsaugenschein mit der „Bergkrone“.

Beide Geschiebebecken sind randvoll. Neben Schlamm und Erdreich, liegen auch Baumstämme kreuz und quer und Felsen so groß wie Autos. Insgesamt 25.000 Kubikmeter. Für den Abtransport werden immerhin um die 2000 Lkw-Fuhren notwendig sein. Und die beiden Becken müssen natürlich geleert werden, denn das nächste Unwetter kommt bestimmt. Inzwischen sind die Aufräumarbeiten bereits abgeschlossen, aber der Murbrecher nach dem Unwetter vom letzten August-Wochenende bereits wieder voll. 

„Ich darf mir das gar nicht vorstellen, der halbe Ort wäre in Mitleidenschaft gezogen worden“, so der Alt-Bürgermeister und Landtagsabgeordnete: „Wir sind mit zwei blauen Augen davon gekommen. Viele in Berg haben die Verbauung des Baches schätzen gelernt.“

Christof Seymann, der langjährige und erfahrene Experte der Wildbach- und Lawinenverbauung Kärnten, weiß, dass die Ereignisse zunehmen: „Kärnten hatte jahrzehntelang nur mit wenigen schweren Unwettern zu tun, das hat sich jedoch seit dem Jahr 2016 geändert. Wir sind stark betroffen.“

Allein heuer musste die Wildbach- und Lawinenverbauung bereits eine Million Euro in Sofortmaßnahmen investieren, etwa im Langalmtal bei Kaning oder in Steindorf.

„Und die Hochwassersaison dauert bei uns noch bis Ende November. In den vergangenen Jahren hatten wir übrigens die schwersten Ereignisse im Spätherbst“, erklärt Seymann. Das spiegelt sich inzwischen auch in den Budgetzahlen wieder: Vor wenigen Jahren war dieses mit 13 Millionen Euro dotiert, inzwischen wurde es auf 21 Millionen erhöht. Seymann: „Das Beispiel Berg zeigt, wie wichtig Schutzmaßnahmen wie Verbauungen sind. Eine Investitionen von einer Million sichert und schützt einen Wert von 2,5 Millionen Euro.“ Das Geld dafür stammt aus dem Katastrophenfonds des Bundes. Damit wird derzeit auch der Murbrecher in Afritz errichtet, der den Tronitzer Bach bändigen soll, der schon mehrmals Schäden in Millionenhöhe verursacht hat. Ein weiteres Projekt ist in Feld am See in Planung, um den Hoferberg Bach in die Schranken zu weisen. Trotzdem ist das Gefahrenpotenzial weiterhin groß. „In Kärnten gibt es 1400 Bäche und mehr als 500 Lawineneinzugsgebiete“, erklärt Seymann gegenüber der „Bergkrone“: „Dazu kommt auch, dass wir auf einem technisch sehr hohem Niveau leben und sich unsere Verletzlichkeit verändert hat. Es darf nichts mehr passieren, und deshalb ist auch der Bedarf nach Schutz höher.“

Große Bedeutung hat auch der Wald. „Ohne Wald gibt es keine Sicherheit für das Lesachtal, wo unsere Teams aktuell arbeiten. So viele Steinschlag und Lawinenverbauungen könnten aber gar nicht errichten", so Seymann. 105 Mitarbeiter sind aktuell kärntenweit neben dem Lesachtal auch in Rangersdorf, Mörtschach und Mallnitz im Einsatz und jederzeit bereit auszurücken, um Bäche wieder in das Ufer zu leiten. Denn das nächste Unwetter kommt bestimmt.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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