24.08.2020 06:01 |

Besonders am iPhone

Gesichtserkennung durch Maskenpflicht in der Krise

Fingerscanner als Schlüssel zum Smartphone sind von gestern, meinte der US-Computerkonzern Apple im Herbst 2017 bei der Einführung des iPhone X - und stellte auf Gesichtserkennung um. Drei Jahre später haben Apple-Nutzer ein Problem: Ihre Handys lassen sich nicht mehr entsperren, wenn sie einen Mundnasenschutz tragen. Gesichtserkennung steckt in der Krise.

Manch ein Apple-Kunde, der das Handy auch zum Zahlen nutzt, wird die Situation kennen: Man steht im Supermarkt, präsentiert an der Kassa die Ware, zückt das Smartphone zum kontaktlosen Zahlen - und stellt fest, dass man den Bezahlvorgang nicht abschließen kann, weil das iPhone das hinter dem obligatorischen Mundnasenschutz verborgene Gesicht des Besitzers nicht erkennt. Einen Fingerscanner gibt es am iPhone nicht mehr, es bleibt nur mehr die altmodische Eingabe der PIN.

Apple besserte mit Update nach, Problem bleibt
So geht es aus einer Analyse des britischen „Guardian“ hervor: Apple scheint sich der Problematik auch durchaus bewusst zu sein und schickte bereits im Mai ein Update auf seine iPhones, mit dem bei gescheitertem Gesichts-Scan schneller die alternative Login-Methode des PIN-Codes angeboten wurde. Am Grundproblem ändert das aber nichts: Apple Gesichtserkennung kommt zwar mit Make-up, langen Bärten oder Sonnenbrillen zurecht, beim Mundnasenschutz steigt sie aber aus.

Augenpartie zentral für Gesichtserkennung
Dabei sei es theoretisch durchaus möglich, auch trotz Maske Gesichter zu erkennen, erzählt Andrew Bud, Chef der Gesichtserkennungs-Firma iProov. „Moderne Gesichtserkennung verlässt sich sehr stark auf die Bereiche um die Augen. Die frühere Herangehensweise, die Geometrie und die Form des Gesichts allgemein zu analysieren, war schon vor fünf Jahren obsolet.“

Präsenzerkennung nicht mehr zuverlässig
Das große Problem mit Gesichtsmasken sei allerdings, dass sie den Systemen erschwere, zu erkennen, ob der Nutzer gerade leibhaftig ins Gerät schaut - oder ob jemand etwa mit einem Foto versucht, sich Zutritt zu verschaffen. „Die meisten gängigen Lösungen zur Präsenzerkennung werden Probleme mit einer großen Maske haben, die den Großteil eines Gesichtes verbirgt“, sagt Bud. Er glaubt, man werde sich an die neue Problematik gewöhnen müssen. „Vielleicht zieht man sich in Zukunft einfach kurz die Maske runter, wenn man sich authentifizieren will.“

Auch staatliche Überwacher haben Nachteile
Problematisch sind Schutzmasken im Übrigen nicht nur beim Entsperren des eigenen iPhones oder auf Konkurrenzgeräten, die heute auch oft Gesichtserkennung anbieten. Zur Freude von Bürgerrechtlern und Datenschützern ist sie auch Gift für staatliche Überwachungsmaßnahmen, die auf automatische Gesichtserkennung setzen. Eine Studie der US-Regierung enthüllte im Juli, dass die Erkennungsrate durch Mundnasenschutz um fünf bis 50 Prozent sinkt.

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