Ein ungewohnter Anblick bot sich in den Räumlichkeiten des Schlosses Esterhazy bereits vor Konzertbeginn. Im Foyer gab es nicht nur die Möglichkeit einer Sekterfrischung, sondern auch die Gelegenheit, sich den neuesten oder vielleicht gar seinen ersten Donna-Leon-Roman zuzulegen. Die erfolgreiche, mittlerweile achtzehnteilige, Reihe über Commissario Guido Brunetti fand sowohl vor als auch in der Pause und spätestens nach der Vorstellung reißenden Absatz.
Charmant witzig, tolle Mimik
Warum, war schon in der Pause klar: Wer die Geschichten aus Venedig noch nicht kannte, musste sich spätestens jetzt dafür interessieren und sich ein Werk der zierlichen Frau mit dem grauen Haar und ihrer Brille zulegen. Schließlich rezitierte sie äußerst charmant und witzig mit wundervoller eingesetzter Mimik und Gestik zwischen den Stücken von Joseph Haydn und Alessandro Scarlatti. Einziger Minuspunkt für den ein oder anderen Zuschauer und -hörer: Die englische Sprache, der nicht alle im Saal mächtig waren. Gelacht wurde dennoch an den richtigen Stellen.
Auch Orchester überzeugte
Obwohl die Amerikanerin dem Orchester die Show stahl, spielte sich das Ensemble unter der Leitung von Alan Curtis während ihrer Pausen gekonnt in den Vordergrund. Die barocken Klänge verzauberten dabei kurzweilig das Publikum und auch die Autorin, die mit Curtis sichtlich und spürbar eine Freundschaft verbindet. Mit gefalteten Händen lauschte Leon an ihrem Tisch auch besonders hingabevoll der Sopranistin Ann Hallenberg. Die Schwedin hätte die Arien aus Haydns "L'Infedelta delusa" aber auch aus Scarlattis Kantate "Su le sponde del Tebro" kaum emotionaler und kräftiger darbieten können.
Tosender Applaus für die Künstler
Reizend auch das "Trinke Wein" aus Haydns "La Fedelta premiata", das Leon zu folgenden Worten hinreißen ließ: "Gut, wenn die über Wein singen können, dann kann ich über Wein lesen." Der wurde zum Schluss dann noch einmal hervor geholt. Während Leon und Hallenberg den obligaten Blumenstrauß überreicht bekamen, gab es für Curtis ein Fläschchen Wein. "Mit diesem Geschenk kann man nur sagen 'Trinke Wein'", sprach der Amerikaner, zwinkerte der Sopranistin zu und setzte noch einmal seinen Dirigentenstab schwungvoll ein. Tosender, langanhaltender Applaus für Text und Musik einer freundschaftlichen, fast familiären Runde - Orchester, Dirigent und Autorin.
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