Winnenden-Tragödie
Prozessbeginn gegen den Vater des Amokläufers
Der Vater hatte die Waffe nicht gemäß den gesetzlichen Vorschriften in seinem Waffentresor verwahrt, sondern unverschlossen bei sich im Schlafzimmer. In einer zum Prozessauftakt verlesenen Erklärung bat er die Hinterbliebenen der Opfer sowie die Überlebenden und ihre Angehörigen indirekt um Entschuldigung.
"Großes menschliches Versagen"
Er verstehe den Wunsch der Hinterbliebenen, die Motive seines Sohnes zu erfahren, ihm gehe es nicht anders. Dass sein Sohn ihm seine Probleme nicht mitgeteilt hat und er und seine Frau sie auch nicht erkannt hätten, sieht er "als ihr großes menschliches Versagen".
Gebrochen und suizidgefährdet
In seiner Erklärung schilderte der Vater sich als gebrochenen und suizidgefährdeten Mann, der psychologisch betreut wird. Er befindet sich psychisch und körperlich am Rande der Belastungsgrenze und will deshalb in dem Verfahren keine weiteren Angaben machen.
Die Verteidiger hatten zuvor Straffreiheit für den Angeklagten gefordert, da dieser angesichts des Verlustes seines Sohnes und seiner persönlichen Situation ohnehin gestraft genug sei. Diese Sicht stieß bei den 41 Nebenklägern und ihren 19 Vertretern auf Widerspruch. Sie wollen erreichen, dass der Vater nicht nur wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, sondern auch wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verurteilt wird.
Anklage wegen fahrlässiger Tötung
Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass sie eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung erreichen wolle, auch wenn dieser Vorwurf in der formellen Anklage nicht aufgeführt ist. Der Grund dafür ist, dass die für die Zulassung der Anklage zunächst zuständige Jugendstrafkammer keinen hinreichenden Tatverdacht für eine fahrlässige Tötung gesehen hatte.
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