08.08.2020 06:01 |

„Internet of Crimes“

Auto-Hacker: Wenn Kriminelle das Steuer übernehmen

Autos bremsen bei Tempo 130 plötzlich ab oder setzen sich einfach in Fahrt, durchbrechen Hindernisse, stürzen aus Parkhäusern und machen das Gegenteil dessen, was der Lenker beabsichtigt. Hollywood zeigte es im achten Teil der Actionserie „Fast and Furious“ vor, was passiert, wenn Autos von Hackern attackiert werden.

Mittlerweile ist dies aber eine reale Gefahr, denn seit 2016 warnt das FBI regelmäßig davor, dass Autos anfälliger für IT-Attacken werden und quasi „aus der Ferne“ gehackt werden können. In diesem Jahr gelang es Hackern nämlich erstmals, über das drahtlose Internet „zu übernehmen“. Gleichzeitig demonstrierten auch Hacker auf einschlägigen Konferenzen, wie einfach es ist, Fahrzeuge zu attackieren.

Smartphones auf vier Rädern
Autos sind mittlerweile sozusagen „Smartphones auf vier Rädern“ und werden mit immer mehr digitalen Komponenten ausgestattet, die gleichzeitig auch die Einfallstore für Hacker sein können - und so wie jeder Computer abstürzen und auch gehackt werden kann, kann auch ein Auto attackiert werden.

Das beginnt beim Bordcomputer, der ans Web angeschlossen ist, geht über GPS, Radar und endet bei verschiedensten Sensoren. Die Software eines Autos besteht heute aus einem Millionen-Zeilen-Code - wie wahrscheinlich ist es, dass sich hier viele Programmierfehler verstecken? Sehr wahrscheinlich, sagen Experten. Laut einer Studie der US-amerikanischen Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania, weist eine kommerzielle Software durchschnittlich 20 bis 30 Programmierfehler (Bugs) pro 1000 Zeilen Code auf - bei einem Auto wären dies also 20.000 bis 30.000 Programmierfehler.

99 Prozent der Funkschlüssel unsicher
Konsumentenschützer auf der ganzen Welt kritisieren mittlerweile die Autohersteller, in einer Umfrage waren 84 Prozent der Experten der Meinung, dass die Hersteller das Thema Cybersicherheit stark vernachlässigen bzw. nicht ernst nehmen.

Beweise liefern die Autofahrerclubs: Der Deutsche Automobil-Club ADAC testet regelmäßig Fahrzeuge auf ihre Fahrsicherheit. Mittlerweile gehört auch die System- und IT-Sicherheit und die Diebstahlsicherung des Pkw zum Testprogramm. Das ernüchternde Ergebnis gemäß des aktuellsten Testberichts: 99 Prozent der getesteten Autos sind für Autodiebe eine leichte Beute, weil ihr Sperrsystem leicht gehackt werden kann. Von 300 getesteten Modellen mit Funkschlüssel-System konnten 296 innerhalb weniger Minuten entsperrt werden.

Die Auto-Hacker bedienen sich einer Methode, die Relay Attack genannt wird. Dabei wird mit einem Gerät, das etwa 250 Euro kostet, das Funksignal des Autoschlüssels abgefangen und manipuliert, über ein Gerät können die Hacker das Signal des Autoschlüssels an das Auto umleiten.

Empfängt das Auto das übertragene Funksignal, kann es entriegelt werden und ist fahrbereit. Das funktioniert auch bei Tesla-Modellen. Darum sollte man die Schlüssel immer in einer Lade verstauen, damit diese nicht ausgelesen werden können.

Mehr zum Thema im Buch „Internet of Crimes“:

  • Wie Wissenschaftler das VW-Funkschlüsselsystem gehackt haben
  • Welche 33 Automarken „hacker-gefährdet“ sind
  • Wie Hacker einen Verkehrsstau verursachen können
  • Warum Geheimdienste einen Kill-Switch für Autos planen

Auszüge aus „Internet of Crimes“ wurden krone.at zur Verfügung gestellt.

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