Ölpest-Endbericht
BP: “Ganze Reihe menschlicher und technischer Fehler”
"Wir haben von Anfang an gesagt, dass mehrere Beteiligte Verantwortung für die Explosion auf der Deepwater Horizon (Bild li.)tragen", sagte der künftige BP-Chef Robert Dudley (Bild re.). Der Amerikaner löst am 1. Oktober den Briten Tony Hayward (Bildmitte) ab, der wegen seines Umgangs mit der Katastrophe seinen Hut nehmen muss.
Die Explosion im April löste die bisher schwerste Ölpest in der US-Geschichte aus. Derzeit laufen mehrere Untersuchungen des Unglücks, unter anderem in den USA. Für BP hat sich die Ölkatastrophe auch zum wirtschaftlichen Desaster entwickelt.
BP-Boss Hayward in Ungnade gefallen
Im Juni hatte Hayward vor dem US-Kongress beteuert, es gebe keine Hinweise darauf, dass auf der Plattform aus Kostengründen bei der Sicherheit gespart worden sei. Nun muss er in Kürze abtreten. In einer so aufgeladenen Atmosphäre wie der während der Ölpest kann ein einzelner herausgerutschter Satz fatal sein. Bei Hayward war es die Bemerkung, er wolle sein früheres Leben zurück. Er meinte damit: "Auch ich wünschte doch, das alles wäre nie geschehen." Aber es kam rüber wie: "Ich wüsste auch was Besseres mit meiner Zeit anzufangen."
Als er dann auch noch Segeln ging - und zwar dort, wo das Wasser noch schön sauber ist - lagen seine Sympathiewerte in den USA nur noch wenig über denen des einstigen irakischen Diktators Saddam Hussein.
Dabei war für Hayward bis zur Explosion der Bohrinsel alles bestens gelaufen. Die Aktionäre dankten ihm, dass er die Politik seines schillernden Vorgängers Lord Browne korrigiert hatte. Browne hatte große Summen in die Förderung alternativer Energien gesteckt. Hayward dagegen gab die Parole "Jeder Dollar zählt" aus und merkte an, bei BP seien "zu viele Leute damit beschäftigt, die Welt zu retten". Nun glauben Kritiker, dass dieser Sparkurs mitverantwortlich für die Ölkatastrophe gewesen sein könnte.
Nach dem Untergang der Plattform waren bis Mitte Juli mehr als vier Millionen Barrel Öl (rund 780 Millionen Liter) ins Meer geflossen. BP bezifferte die Kosten zur Bekämpfung der Ölpest zuletzt auf inzwischen acht Milliarden US-Dollar (6,23 Mrd. Euro).
Keine "Todeszonen" durch Öl-Zersetzung
Indes erklärten Wissenschaftler, dass bei der Zersetzung des während der Katastrophe ausgetretenen Öls keine gefürchteten "Todeszonen" entstünden. Das Öl werde von Mikroben zersetzt, ohne dass diese den Sauerstoff im Meer aufbrauchten, heißt es in einer Studie der US-Regierung. Der Bericht rechtfertigt damit im Nachhinein den umstrittenen Einsatz von Chemikalien, die das Öl weit unter der Wasseroberfläche aufbrechen sollten.
In einigen von der Ölpest betroffenen Gebieten sei der Sauerstoffgehalt zwar um 20 Prozent verringert. Dadurch entstünden aber noch keine "Todeszonen", in denen Fische nicht überleben können, heißt es in dem Bericht. BP hatte in 1.500 Metern Tiefe rund 2,9 Millionen Liter Chemikalien ins Wasser gelassen - so sollte das Öl in kleinste Tröpfchen aufgebrochen werden, damit es leichter von Mikroben "aufgegessen" werden kann.
Wenn der Sauerstoffgehalt im Wasser auf ein gefährliches Level gesunken wäre, hätten die Behörden den Einsatz der Chemiekeule gestoppt, sagte Greg Wilson von der Umweltbehörde EPA. Bedenken gegen die Mittel gab es unter anderem wegen ihrer Giftigkeit und der langfristigen Auswirkungen auf das Leben im Meer.
Im Auftrag der US-Regierung berieten im Mai rund 50 Wissenschaftler über den Einsatz der Chemikalien und empfahlen trotz anfänglicher Zweifel einstimmig ihre weitere Verwendung. Ed Overton von der Louisiana State University räumte jedoch ein, über mögliche langfristige Schäden durch die Chemiekeule werde man möglicherweise erst in Jahren Bescheid wissen.







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