30.06.2020 06:00 |

100 neue Jobs

GoStudent: Wiener revolutioniert Nachhilfe-Welt

Digitale Disruption aus Wien statt aus dem Silicon Valley: Der Wiener Felix Ohswald ist auf dem besten Weg, die gesamte Nachhilfe-Branche aufzumischen. Seine Lernhilfe-Plattform GoStudent holte sich jetzt bei einer Finanzierungsrunde frisches Geld, fast zehn Millionen Euro um genau zu sein. Für den Standort Wien sind das gerade in der Corona-Krisenzeit äußerst erfreuliche Nachrichten, bis zu 100 neue Arbeitsplätze will Ohswald in den nächsten zwölf bis 18 Monaten in der Bundeshauptstadt schaffen. Und das ist nur das kurzfristige Ziel der ambitionierten Pläne.

Die Corona-Krise hat gezeigt, welche große Bedeutung das digitale Lernen - Stichwort Distance Learning, Home Schooling, etc. - für die Bildung der Zukunft hat. Eine Zukunft, die uns im Eiltempo erreicht, wenn nicht gar zu überholen droht. Das weiß auch Felix Ohswald, der mit der Lernhilfeplattform GoStudent - krone.at berichtete - bereits erfolgreich den deutschsprachigen Nachhilfe-Markt aus seinem digitalen Winterschlaf geholt hat. Er und sein Team sind überzeugt: Auch wenn sich das globale Bildungssystem wieder normalisiert, wird der Zugang zu Online-Bildung in Zukunft immer wichtiger werden.

Digitales Erfolgsmodell mit beeindruckendem Wachstum
Das digitale Geschäftsmodell hat nicht nur in der aktuellen Corona-Krise seine Stärken bewiesen, denn GoStudent weist seit geraumer Zeit beeindruckende Wachstumszahlen auf. Im Verlauf der letzten zwölf Monate hat das Wiener Start-up, das als WhatsApp-Gruppe gestartet wurde, ein monatliches Wachstum von 30 Prozent zu verzeichnen. Aktuell werden jeden Monat etwa 55.000 Lerneinheiten des kostenpflichtigen Unterrichts von 1100 aktiven Tutoren durchgeführt. Schüler werden im Einzel- oder Gruppenunterricht mit den besten Lehrern weltweit verknüpft.

Nach Deutschland, Österreich und der Schweiz soll das Angebot demnächst auf weitere europäische Märkte ausgeweitet werden. Die Lernhilfe-Plattform ist damit auf dem besten Weg, auch über die Grenzen der deutschsprachigen Länder hinweg eine ganze Branche auf den Kopf zu stellen - Uber und die Taxi-Industrie lassen grüßen. Das Wort der Stunde heißt Disruption, also jener Prozess, bei dem ein bestehendes Geschäftsmodell oder ein gesamter Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst beziehungsweise „zerschlagen“ wird.

Um das große Potenzial des Nachhilfe-Marktes zu verdeutlichen, nennt Ohswald im Gespräch mit krone.at den deutschsprachigen Raum als Beispiel. Dort allein gebe es rund acht Millionen Kinder im Alter von sechs bis 19 Jahren; mittlerweile verwende fast jeder zweite Schüler zusätzliche Unterstützung nach dem regulären Schulunterricht, so der GoStudent-Gründer. Die Luft nach oben sei noch „sehr hoch“.

GoStudent will „globaler Champion“ am Lernhilfe-Markt werden
Davon das GoStudent mit seinem digitalen Geschäftsmodell aber nicht bloß ein lokaler deutschsprachiger Player am Markt, sondern ein „globaler Champion“ sein will, davon konnte das Start-up auch die internationalen Geldgeber überzeugen. Bei einer Finanzierungsrunde wurden 8,3 Millionen Euro an frischem Geld lukriert. Geld, das vor allem dazu genutzt werden soll, die Akquisition neuer Kunden und Tutoren im deutschsprachigen Raum zu beschleunigen, weitere Investitionen in das Produkt zu tätigen und gleichzeitig in neue Märkte zu expandieren, um die Internationalisierung voranzutreiben. Frankreich als größter europäischer Markt neben Deutschland werde hier als Erstes in Angriff genommen, wie Ohswald im Gespräch mit krone.at verrät.

„Das Produkt, das sie anbieten, ist wesentlich erschwinglicher und dennoch effizienter als der Status quo“, schwärmt auch Harley Miller vom Investor Left Lane Capital. Und auch Nenad Marovac, CEO bei Investor DN Capital, sieht „das Unternehmen gut positioniert, um eine der erfolgreichsten, europäischen Plattformen für Online-Tutoring zu werden“. Die Geldgeber sind davon überzeugt, dass GoStudent mit seinem digitalen Angebot „Nachhilfeunterricht für die breite Masse“ ermöglicht.

Standort Wien „auf jeden Fall stärken“
Der Standort Wien profitiert auf jeden Fall: Beschäftigt die Lernhilfe-Plattform derzeit etwa 70 Mitarbeiter in der Bundeshauptstadt, will Ohswald in der Donaumetropole in den kommenden zwölf bis 18 Monaten weitere 100 Stellen schaffen. Der Digitalisierungspionier glaubt an das Potenzial „der lebenswertesten Stadt der Welt“ und will den Standort „auf jeden Fall stärken“. Vor allem angesichts der Corona-bedingten teils dramatischen Entwicklungen am Arbeitsmarkt ist die Schaffung neuer Jobs eine umso erfreulichere Nachricht. Außerdem schafft GoStudent zusätzlich eine Einnahmequelle für Tausende Tutoren. Bis zu 6000 Lehrende könnte die Plattform schon in naher Zukunft beschäftigen.

„Absolute Speerspitze“ der digitalen Disruption im Lernhilfe-Bereich ist Österreich dank GoStudent schon jetzt. Nicht immer sind aber Firmen, die eine Branche aufrütteln, auch jene, die langfristig davon profitieren - bleibt also zu hoffen, dass es Felix Ohswald und seinem Team gelingt, von Wien aus die Lernhilfe-Branche nicht nur aufzumischen, sondern auch tatsächlich zum „globalen Champion“ zu werden.

Harald Dragan
Harald Dragan
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