17.06.2020 14:09 |

Für 210.000 Euro

Brief von Van Gogh und Gauguin versteigert

Ein gemeinsamer Brief der Künstler Vincent Van Gogh und Paul Gauguin aus dem Jahr 1888 ist für 210.600 Euro versteigert worden. Das Schreiben befasst sich mit den regelmäßigen Bordell-Besuchen der beiden Post-Impressionisten - und mit ihrer Bewunderung füreinander. Adressiert war der von beiden Malern unterzeichnete Brief an den Grafiker und Romanautor Emile Bernard an zwei Novembertagen im Jahr 1888 - weniger als zwei Jahre vor Van Goghs Tod im Alter von nur 37 Jahren.

Van Gogh und Gauguin betonen in dem Brief ihren Anspruch, die moderne Kunst zu erneuern. Es sei eine „gewaltige Renaissance“ der Kunst im Gange, schreibt Van Gogh. Der berühmte niederländische Maler beschreibt aber auch sein Verhältnis zu Gauguin, der ihn „als Mann“ sehr interessiere. Er sei seit langem der Ansicht, dass „in unserem schmutzigen Beruf als Maler ein riesiger Bedarf an Menschen mit Arbeiterhänden und -mägen besteht, mit natürlicherem Geschmack und einem liebevolleren und großzügigeren Temperament als die dekadenten und erschöpften Pariser Boulevardiers es haben“.

„Einige Exkursionen in die Bordelle“ unternommen
Gemeinsam mit Gauguin habe er „einige Exkursionen in die Bordelle“ unternommen, schreibt Van Gogh weiter. Es sei „wahrscheinlich, dass wir oft dort landen, um zu arbeiten“. Gauguin kommt erst auf der letzten Seite des Briefes zu Wort. Dort bekräftigt er seine Idee einer „Zukunft in den Tropen als Maler“. Gauguins Gemälde aus der Südsee wurden später weltbekannt. Er starb 1903 in Französisch-Polynesien.

Männerfreundschaft von Spannungen geprägt
Gauguin und Van Gogh verbrachten ab Ende 1888 mehrere Monate gemeinsam in Arles und malten Seite an Seite. Während Gauguins Aufenthalt in Arles kam es auch zu jenem berüchtigten Vorfall, bei dem sich Van Gogh ein Ohr abschnitt, um es einer Prostituierten zu überreichen. Der Vorfall beendete schließlich die von Spannungen geprägte Beziehung zwischen Gauguin und Van Gogh.

„Wichtigstes Dokument van Goghs“
Ersteigert wurde der Brief, der ab Herbst in einer Ausstellung präsentiert werden soll, vom Amsterdamer Van Gogh Museum. Das Schreiben sei „ein Dialog der Maler“, teilten Sprecher mit, und das wichtigste Dokument van Goghs, das noch in Privatbesitz war. „Der Brief ist eine visionäre Darlegung ihrer künstlerischen Zusammenarbeit und die Zukunft der modernen Kunst.“ Er gibt nach Angaben des Museums einen Einblick in die sehr unterschiedlichen Charaktere der Maler.

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