29.02.2020 08:15 |

Abgelegene Inselwelt

Französisch-Polynesien: Mit Frachter in die Südsee

Französisch-Polynesien gehört zu den schönsten Ecken dieses Planeten. In der abgelegenen Inselwelt des Südpazifiks bringt die „Aranui 5“ alles, was die Bewohner zum Leben brauchen. Und der Versorgungsfrachter nimmt auch Passagiere mit …

Es ist kurz vor Mitternacht, als wir aus der Boeing 787-9 der Air Tahiti Nui steigen. Schon bei unserem Abflug in Paris haben wir eine weiße Tiaré-Blüte, die Nationalblume Tahitis, überreicht bekommen. Der Tradition entsprechend werden wir auch auf dem Flughafen von Papeete mit bunten Blüten-Ketten willkommen geheißen. Wir sind müde. Obwohl die Anreise im Dreamliner der Air Tahiti recht entspannt war, lassen sich die 22 Stunden Flugzeit nicht wegdiskutieren.

Im Hafen von Papeete herrscht geschäftiges Treiben. Die Mannschaft der „Aranui“, was in der Landessprache „der große Weg“ heißt, trifft letzte Vorbereitungen. Während im vorderen Bereich des Schiffes vom Kühlschrank über Ziegelsteine bis zum nagelneuen SUV alles sicher verstaut ist, dürfen 254 Passagiere aus aller Welt endlich ihre Kabinen im hinteren Teil des 126 Meter langen Frachters beziehen. Und der kann es durchaus mit gängigen Kreuzfahrtschiffen aufnehmen. Auf insgesamt zehn Decks finden sich neben 103 Kabinen unterschiedlichster Kategorien ein Restaurant, mehrere Bars, ein Fitnessraum, eine Boutique, eine Bibliothek und nicht zu vergessen der Pool, der nicht nur an den Seetagen für Abkühlung sorgt.

Während in den jeweiligen Häfen die Ladung von der Crew mit einer unglaublichen Präzision gelöscht wird, sorgen ein abwechslungsreiches Repertoire an Ausflügen und sportliche Aktivitäten wie Schnorcheln, Tauchen, Wandern oder Reiten für die Unterhaltung der Passagiere. Im ersten der täglich stattfindenden Meetings mit Guide Jörg erfahren wir, dass die Reiseroute kurzfristig geändert wurde und die „Aranui“ als Erstes Fakarava anläuft. Das nur 16 Quadratkilometer große Atoll gehört zu den Tuamotu-Inseln, ca. 400 Kilometer nördlich von Tahiti. Insgesamt sind es siebenundsiebzig flache Atolle, die wie winzige grüne Stecknadelköpfe verstreut auf einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern, maximal drei Meter aus dem glasklaren türkisfarbenen Wasser ragen. Die wenigen Menschen hier leben zumeist vom Tauchtourismus und der Perlenzucht.

Unterwasserwelt von der UNESCO geschützt
Die einzigartige Unterwasserwalt gehört zu den schönsten Revieren der Welt und wurde von der UNESCO als Biosphären-Reservat geschützt. Kaum dass wir zum Schnorcheln im Wasser sind, drehen keine zwei Meter von uns entfernt Schwarzspitzenhaie in Ufernähe ihre Runden. Die Tiere sind harmlos und an uns nicht wirklich interessiert.

Nach einem Tag auf See erreichen wir die Marquesas. Über eine Bucht der Hauptinsel Nuku Hiva sagte schon Jack London: „Man fühlt es fast wie einen Schmerz, so vollkommen ist die Schönheit“. Diese Inseln sind anders. Im Gegensatz zu den flachen Atollen der Tuamotus herrscht hier eine raue, wilde Schönheit. Charakteristisch sind steil aufragende Gipfel vulkanischen Ursprungs, tief eingeschnittene Täler und schroffe Felswände. Eine eigene Sprache, die archaisch anmutenden Haka-Gesänge und Tänze sowie die Kunst des Tatauierens sind gelebte Tradition. Was bei uns als Tattoo bekannt wurde, nahm hier seinen Anfang.

Die Haut mit geometrischen Motiven zu schmücken ist im gesamten pazifischen Raum verbreitet. Auf den Marquesas gelangte diese Kunstform jedoch zur Perfektion. Junge Männer und Frauen bekamen ihre erste Tatauierung meist mit einsetzender Pubertät als Teil der Initiationszeremonie. Überdies waren sie Zeichen von Mut, Schönheit, sozialem Status und erzählten Geschichten der Ahnen oder aus dem eigenen Leben. Viele der Inseln sind übersät mit archäologischen Stätten, die bis ins Jahr 125 v. Chr. zurückreichen. Nicht nur im dichten Regenwald der Insel Hiva Oa gibt es Überreste bedeutender Kultplätze.

Te I´i Pona gehört jedoch zu den bekanntesten. Während die muskelbepackte Crew schon beginnt, das Schiff zu entladen, geht es für uns zu den Zeremonienplätzen. Wie man heute weiß, wurden hier auch Menschen geopfert. Überall stehen aus Basalt gefertigte Steinfiguren, Tiki genannt. Sie symbolisieren vergöttlichte Ahnen, die als Vermittler zwischen Göttern und den Menschen angesehen werden. Der überwiegende Teil der etwa 2400 Bewohner Hiva Oas lebt in Atuona, einem Ort mit einer geschützten Bucht an der Südküste der rund 320 Quadratkilometer großen Insel. Hier haben auch zwei berühmte Europäer ihre letzten Jahre verbracht. Der französische Maler Paul Gauguin kam 1901 auf der Suche nach einem zwanglosen, freien Leben auf die Insel, wo er zwei Jahre später verstarb. Sein Grab liegt oberhalb von Atuona auf dem Calvaire-Friedhof, nur wenige Schritte entfernt von der letzten Ruhestätte des belgischen Chansonniers und Lyrikers Jaques Brel, der hier bis in die späten siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts lebte.

Blumen sind wichtiger Bestandteil der Kultur
Die Frauen von Fatu Hiva tragen aufwendige handgefertigte Blumenkränze. Obwohl diese Kopfbedeckungen oft einfach als „hei“ bezeichnet werden, lautet der korrekte Name für sie „umu hei“. Das Tragen einer Blumenkrone soll sie für das andere Geschlecht attraktiver machen. Aus der Rinde des Maulbeerbaumes wiederum fertigen sie einen Rindenbaststoff, der nach einer aufwendigen Behandlung mit Farbe bedruckt oder bemalt wird.

Nachdem wir Ua Huka, die Insel der wilden Pferde, Nuku Hiva und Ua Pou hinter uns gelassen haben, steht ein weiterer Tag auf See an. Die Route führt die „Aranui“ zurück zu den Tuamotu-Inseln. Rangiroa, das größte Atoll des Südpazifiks, erreichen wir am nächsten Morgen. Hunderte von kleinen Inselchen reihen sich wie Perlen um eine zentrale Lagune. Apropos Perlen. Das Atoll ist bekannt für seine schwarzen Perlen. Sie sind rund, oval oder tropfenförmig und in den seltensten Fällen wirklich schwarz. Watergreen, Aubergine, Gold oder Champagner sind nur einige der Farbnuancen, in denen die Kostbarkeiten aus dem Meer zu haben sind. Der Preis orientiert sich an Größe, Farbe und dem sogenannten „Lüster“, also dem Glanz der Perle.

Bora Bora - bekannt als schönste Insel der Welt
Bora Bora ist der letzte Stopp unserer Reise. Die Crew fiebert bereits der Ankunft in Papeete entgegen, und einige Passagiere verlassen das Schiff, um auf der Trauminsel noch ein paar Tage zu entspannen. Obwohl uns das Wetter einen Streich spielt und das geplante Picknick an einem der weißen Strände dieser atemberaubenden Lagune buchstäblich ins Wasser fällt, erwartet uns dennoch ein absolutes Highlight. Noch einmal fahren wir mit kleinen Booten hinaus zu einem besonderen Platz. Hier ist es ziemlich flach und das Wasser kristallklar. Als wüssten sie, dass wir kommen, warten etwa fünfzehn majestätische Rochen darauf, von den Guides gefüttert zu werden. Sie spielen förmlich mit uns, schwimmen zwischen uns und lassen sich anfassen.

Im Hafen von Papeete nehmen wir wehmütig Abschied. Wollte man das Paradies auf Erden finden, man müsste es hier, auf diesem abgelegenen Flecken Erde suchen!

Eva Bukovec, Kronen Zeitung

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