09.05.2020 16:31 |

1932 bis 2020

Pionier des Rock ‘n‘ Roll: Little Richard ist tot

Little Richard - einer der Gründungsväter des Rock ’n’ Roll - ist tot. Wie sein Sohn Danny Penniman der US-Ausgabe des Musikmagazins „Rolling Stone“ bestätigte, ist der Sänger am Samstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Musiker war zuletzt gesundheitlich angeschlagen gewesen und lebte zurückgezogen im US-Bundesstaat Tennessee. 

Richard Wayne Penniman, so der bürgerliche Name von Little Richard, kombinierte Mitte der 1950er-Jahre Stilelemente aus Blues, Gospel sowie Rhythm and Blues unter der neuen Genrebezeichnung Rock ’n’ Roll und überführte sie damit in den musikalischen Mainstream.

Geboren wurde Richard Wayne Penniman am 5. Dezember 1932 in äußerst ärmliche Verhältnisse einer afroamerikanischen Familie im südlichen US-Bundesstaat Georgia - mitten in die brutale Rassentrennung von Weißen und Schwarzen hinein. „Ich komme aus den Slums - das vergisst man nie“, sagte der als Kind sehr schmächtige und deshalb „Little Richard“ gerufene Musiker einmal.

„A wop bop a loo lop a lop bam boo“ als Initialzündung
Vor 65 Jahren katapultierte Little Richard mit einem unverständlichen Schrei die Musikwelt in den Rock ‘n‘ Roll: „A wop bop a loo lop a lop bam boo“, rief der Musiker 1955 bei den Aufnahmen zu seinem längst legendären Song „Tutti Frutti“ in einem Tonstudio in New Orleans ins Mikrofon. Die Idee zu dem Ausruf war ihm kurz zuvor auf der Bühne gekommen. „Tutti Frutti“ kletterte in den Charts hoch und der bis dahin unbekannte Musiker wurde zum Superstar. Das Lied habe „eine neue Ära der Musik“ eingeleitet, heißt es sogar in der US-Nationalbibliothek, die den Song in ihre Sammlung aufgenommen hat.

Ein Leben zwischen Musik und Glauben
Knapp drei Jahre lang schwamm Little Richard auf der Erfolgswelle, tourte durch die USA und feierte offen bisexuell wilde Partys mit Männern, Frauen und Alkohol. Seine Konzerte, bei denen der häufig als „Gott des Rock ‘n‘ Roll“ gefeierte Musiker mit dünnem Schnurrbart, hochtoupierten Haaren, greller Schminke, falschen Wimpern und wilden Kostümen auftratt, brachten mitten in der Rassentrennung Weiße und Schwarze zusammen - sehr zum Entsetzen radikal-konservativer Politiker und Vereine. Aber dann war plötzlich Schluss. Bei einer Konzertreise nach Australien 1957 entschied sich Little Richard spontan, die Musik hinzuschmeißen und Priester zu werden.

Seitdem lebte der schrille Künstler zwischen zwei Welten - der Kirche und der Musik. Immer wieder startete er Comeback-Versuche, kämpfte gegen das abebbende Interesse am Rock ‘n‘ Roll, verhalf dem jungen Jimi Hendrix zum Karrierestart, tourte mit den damals noch weitgehend unbekannten Rolling Stones durch Europa, versuchte sich als Schauspieler und veröffentlichte grundsteinlegende Funk- und Soul-Alben. Aber immer wieder zog er sich auch in seine religiöse Welt und den Gospel zurück.

Zu seinen größten Hits gehören Songs wie „Tutti Frutti“ (1956), „Long Tall Sally“ (1956), „Rip It Up“ (1956), „Lucille“ (1957), „Send Me Some Lovin“ (1957) und „Good Golly Miss Molly“ (1958). „Long Tall Sally“ entwickelte sich zu einem Genreklassiker, was seinen Ausdruck in zahlreichen Coverversionen - eine der bekanntesten ist jene der Beatles, die den Song über Jahre in ihrem Live-Repertoire hatten und ihn auch auf Single veröffentlicht haben - fand.

Vorbild für eine lange Reihe von Pop-Stars
Stars von Elvis Presley über Otis Redding, Jerry Lee Lewis, Tina Turner, Prince, Mick Jagger, Rod Stewart, David Bowie, Elton John, Paul McCartney, Bob Dylan und Freddie Mercury bis hin zu Bruno Mars geben Little Richard als ihr musikalisches Idol an. Aber nach der Grundsteinlegung für den Rock ‘n‘ Roll traten andere in den Vordergrund. 

An den Welterfolg von „Tutti Frutti“ konnte keines der Lieder von Little Richard mehr anschließen - aber vielleicht brauchte es das ja auch gar nicht. „Ich habe immer gedacht“, schrieb Bob Dylan einmal, „dass ,A wop bop a loo lop a lop bam boo‘ alles gesagt hat.“

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