05.05.2020 14:00 |

Kampf um Rettungspaket

Lufthansa-Chef warnt vor „lähmender Überschuldung“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich auf der Online-Hauptversammlung der größten deutschen Airline am Dienstag zuversichtlich gezeigt, dass die Verhandlungen mit der deutschen Regierung über ein Rettungspaket für die angeschlagene Fluggesellschaft „in Kürze zu einem erfolgreichen Abschluss“ geführt werden. Er warnte aber auch davor, dass eine Überschuldung den Konzern für viele Jahre lähmen könnte. Das Unternehmen müsse bereits jetzt planen, wie staatliche Kredite und Beteiligungen nach Bewältigung der Corona-Krise so schnell wie möglich wieder zurückgeführt werden können.

Die Lufthansa brauche jetzt staatliche Unterstützung. „Aber wir brauchen keine staatliche Geschäftsführung“, sagte der Chef des AUA-Mutterkonzerns und fügte hinzu: „Auch in der Bundesregierung in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Lufthansa.“ Derzeit würden die Konditionen, zu denen das Geld fließt, offenbar noch im Detail verhandelt. Laut „Spiegel“ verlangt die deutsche Regierung eine Garantiedividende von neun Prozent, was Aktionärsschützer als „Wucher“ bezeichneten.

Eine Milliarde Euro Verlust im ersten Quartal
Die Lufthansa ist durch die Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten. Allein im ersten Quartal summierte sich der operative Verlust auf mehr als eine Milliarde Euro, für das zweite Quartal rechnet der Konzern noch mit einem erheblich höheren Verlust. Die Hauptversammlung am Dienstag sollte auch über die vorgeschlagene Aussetzung der Dividende entscheiden.

Kritik an Lufthansa-Aktivitäten in Niedrigsteuerländern
In Deutschland gab es zuletzt öffentliche Kritik an der möglichen Staatsbeteiligung wegen der Aktivitäten der Lufthansa in globalen Steueroasen. Die dänische Regierung hatte etwa im April beschlossen, Unternehmen, die in Steueroasen registriert sind, von der Corona-Staatshilfe auszuschließen. Die Lufthansa ist unter anderem auf den Kaiman-Inseln mit einer Tochterfirma präsent, die als eine der größten Steueroasen weltweit gilt. Vergangene Woche hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über die Tricks zur Steuervermeidung der Lufthansa berichtet und auch entsprechende Anfragen an die Fluglinie gestellt, die jedoch nur unzureichend beantwortet wurden.

Keine Auskunft über Geldflüsse an Steueroasen
Die Airline wollte beispielsweise nicht verraten, ob man dazu bereit sei, Geldflüsse von und zu Tochterfirmen in Niedrigsteuerländern zu veröffentlichen und auch nicht auf die Frage antworten, ob es für staatliche Unternehmen unvereinbar sein sollte, Corona-Hilfen zu beziehen, wenn man Geschäfte über Steueroasen abwickle. Laut der „Süddeutschen“ war die Standardantwort der Lufthansa auf diese Fragen: „Dazu äußern wir uns nicht“.

Heftige Kritik an staatlicher Rettung der Lufthansa
Zuletzt hatten vor allem in den sozialen Netzwerken zahlreiche Menschen Bedenken darüber geäußert, dass die Staatshilfen für die Lufthansa nicht ausreichend an Maßnahmen für den Umweltschutz oder das Behalten von Mitarbeitern gekoppelt seien. Das staatliche Rettungspaket soll jedoch auch an Klimaziele gebunden sein, wie zum Beispiel zeitnah auf Flugzeuge umzusteigen, die weniger Treibstoff verbrauchen oder die Kompensation von CO2-Emissionen auf Inlandsflügen. 

AUA verhandelt mit Regierung über staatliche Hilfen
Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) verhandelt derzeit mit der Corona-Finanzierungsagentur (COFAG) über staatliche Unterstützungen im Wert von 767 Millionen Euro. Die AUA hat bis zum 18. Mai Zeit, um konkrete Verhandlungsergebnisse mit der Republik Österreich über Staatshilfen über ein Sparpaket vorzulegen. Erst dann könne es eine positive Fortstandsprognose durch das Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) geben.

Martin Grob
Martin Grob
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