15.04.2020 11:45 |

Altstadt-Kaufleute:

„Krise wird prolongiert über Corona hinaus!“

Ungestörter Verkauf trotz Baustelle in der Innsbrucker Altstadt: Dies wäre die zentrale Botschaft während der auf drei Jahre angelegten Arbeiten gewesen. Jetzt ist alles anders: Denn die Kanalsanierung soll binnen eines Jahres durchgezogen werden: „Damit werden die letzten Kunden vergrault!“, befürchten Kaufleute.

Am Donnerstag will die Stadtregierung gemeinsam mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben und dem Tourismusverband die Details des Stufenplans bekannt geben, nach welchem Wasser- und Kanalrohre in der Altstadt saniert werden.

Großbaustelle statt mehrere Abschnitte?
Wie berichtet, soll diese um ein Jahr vorgezogen werden. Baustart ist nun schon im Juni. Hauptgrund ist die wahrscheinlich geringe Zahl an Touristen in diesem Sommer. Der ursprüngliche Plan wäre gewesen, die Baustelle über drei Jahre abzuwickeln und einen Straßenzug nach dem anderen zu sanieren.

„Darauf war auch die Kommunikationsstrategie abgestimmt, deren zentrale Botschaft war, dass die Geschäfte der Altstadt trotz Umbaus geöffnet sind“, erklärt Peter-Paul Bloder, Sprecher des Innsbrucker Altstadtvereins.

„Einheimische Kunden werden vergrault“
Jetzt ist alles anders. Die Interessensgruppen, deren Kunden überwiegend internationale Gäste sind, haben sich offenbar durchgesetzt: Denn Touristen werden heuer wahrscheinlich nicht mehr so viele da sein. „Mit so einer Großbaustelle in der ganzen Altstadt vergraulen wir aber auch die Einheimischen“, so die Befürchtung der Kaufleute um Bloder.

„Das heißt, die Krise wird prolongiert über Covid hinaus. Wir sind wahrscheinlich das einzige Land, das zur aktuellen Krise noch eine zweite hinzufügt – und das absichtlich.“ Der Bürgerbeteiligungsprozess, der nun ein Jahr gelaufen sei, habe ein abruptes Ende gefunden: „Die Veranstaltung mit dem Bürgermeister, bei der wir gehört hätten werden sollen, wurde kurzfristig abgesagt“, beschwert sich Bloder. „Ein ganzes Jahr Arbeit tritt man in den Kübel – und wir hier sortieren Knochen.“

Offener Brief an die Stadtführung
In einem offenen Brief an die Stadtführung wollen die Altstadt-Unternehmer ihrem Ärger Luft machen. „Wir wollen in die Pläne eingeweiht werden“, so die zentrale Forderung.

Im Bürgermeisterbüro argumentiert man, eine überwältigende Mehrheit in den Arbeitsgruppen habe sich für ein Vorziehen der Baustelle ausgesprochen. „Aus einem Drittel wurde eine Mehrheit gestrickt“, sagt dazu Bloder. Wenn, dann hätte eine Umfrage unter allen 350 Geschäften der Altstadt durchgeführt werden sollen. Dies wurde aber nicht gemacht, wie der „Krone“ nun auch von politischer Seite bestätigt wurde.

Wirtschaftskammer fordert Rücksichtnahme
WK-Bezirksobmann Karl Ischia fordert Transparenz und Information bezüglich der Großbaustelle in der Innsbrucker Altstadt. Voreilige Entscheidungen schaden dem Wirtschaftsstandort. „Konstruktive Gespräche mit den Projektgruppen müssen weiterhin im Vordergrund stehen. Auch allfällige Begleitmaßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft in der Altstadt müssen rechtzeitig vorgestellt werden“, betont Ischia.

Die Fraktion Gerechtes Innsbruck warf Grün-BM Georg Willi vor, die „Drüberfahrpolitik der Vorgängerregierung perfektioniert“ zu haben.

Philipp Neuner
Philipp Neuner
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