09.04.2020 21:00 |

Lost in Isolation

Jobstart in der Krise: Mittendrin und doch so fern

Aller Anfang ist schwer? Inmitten einer der größten Gesundheitskrisen des Landes eine neue Arbeit anzutreten, gehört wohl nicht unbedingt zur Wunschvorstellung im Leben eines Menschen. Als neuer Kollege bin ich jetzt unweigerlich zu dieser Erfahrung gekommen. Der Jobstart erfolgte mittendrin und doch so fern - im Home-Office.

Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Als China die Millionenstadt Wuhan endgültig unter Quarantäne setzte, bekam ich eine für mich äußerst erfreuliche Nachricht: „Herzlich willkommen bei Krone Multimedia“, lautete der Betreff des E-Mails der Geschäftsführung. Während also von der massiven Ausbreitung des Virus in nahezu alle Länder dieser Erde noch nicht im Entferntesten die Rede war, stellte ich mich innerlich mit Freude darauf ein, schon bald als Redakteur in einem der größten Newsrooms Österreichs arbeiten zu dürfen.

In den letzten Jahren war ich quasi auf der anderen Seite der Nachrichtenproduktion tätig. Im Pressebüro einer der größten österreichischen Unis ging es vorrangig darum, durchaus komplizierte Forschungsergebnisse verständlich an die Medien zu vermitteln. Nun war ich aber für ein neues Kapitel in meiner Berufslaufbahn, einen regelrechten Perspektivenwechsel bereit.

Doch dann ging es auf einmal Schlag auf Schlag: Italien sperrte zunehmend ganze Regionen, die Unis schlossen nach und nach ihre Gebäude. So verlegte auch ich meinen Arbeitsplatz ins Home-Office und der persönliche Abschied von meinen Kolleginnen und Kollegen beschränkte sich auf Videotelefonate sowie den digitalen Austausch. So hatte ich mir das definitiv nicht vorgestellt.

Die Tage zogen ins Land, das öffentliche Leben in Österreich verstummte zunehmend und mir blieben nur die klassischen Credos der Wiener Alltagspoeten: „Schau ma mal“ und „Wird scho werd‘n“. Schließlich zogen ein paar neue, völlig unerwartete Fragen auf meinem Horizont auf: Kann ich überhaupt an meiner neuen Arbeitsstelle beginnen? Wie soll das im Großraumbüro mit Social Distancing genau ablaufen? Welche unerwarteten Herausforderungen kommen jetzt vielleicht auf mich zu?

Wie sich herausstellte, hat die Redaktion schon rechtzeitig umgestellt und die Anwesenheit der Redakteure im Haus auf ein Minimum heruntergefahren. So sollte also auch ich zumindest die ersten Tage einmal von meiner Wohnung aus arbeiten. Eigentlich sollte sich dabei gar nicht so viel für mich ändern - gleiches „Büro“ wie schon die Wochen zuvor, jedoch gänzlich andere Aufgabengebiete.

Anfang April folgte dann der ersehnte erste Arbeitstag. Die ersten kleinen technischen Hürden stellten kein wirkliches Hindernis dar, via Livechat strömten mir schon herzliche Willkommenswünsche entgegen und Kollegin Miriam Krammer geleitete mich nicht nur durch den ersten Redaktionsalltag, sie stand auch mit Rat und Tat zur Seite. Selbst für kleine Feedbackrunden zu meinen Texten blieb ein wenig Zeit, und so ging es ab für mich ins Nachrichtengetümmel.

Mein Ersatz fürs Fitnesscenter nennt sich jetzt Wortakrobatik und mein Bewegungspensum beschränkt sich auf gelegentliche Einkäufe für mich und meine Verwandten sowie kurze Laufrunden spätabends. Aber ich halte es dabei ganz mit unserem Bundespräsidenten: „Halten wir durch! Und: Behalten wir unseren Mut und unsere Zuversicht!“ Diese doch sehr drastischen Einschränkungen haben ihren Grund - und auch diese Situation geht irgendwann vorbei. Hoffentlich früher als später.

In Zeiten von Kurzarbeit und irrsinnig hohen Arbeitslosenzahlen bin ich umso glücklicher, hier arbeiten zu dürfen. Natürlich ist es eine Umstellung, mit der wohl keiner wirklich rechnen konnte und die für viele Menschen eine enorme Herausforderung darstellt. Was mir persönlich bleibt: Die Vorfreude, den digitalen Arbeitsplatz wieder zu verlassen und dann tatsächlich auch physisch inmitten der Redaktion zu landen.

Lost in isolation: Der Großteil unserer Redaktion befindet sich derzeit zu Hause und muss sich - wie alle im Land - in einem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Die Herausforderung, Job, Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, hat eine neue Dimension erreicht. Unsere Erfahrungen und Gedanken zu dieser neuen Realität wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: krone.at lost in isolation. Alle Artikel unserer Serie finden Sie hier!

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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