250 Mio. € erbeutet

Interpol jagt die “Pink Panther”-Bande

Ausland
20.07.2010 07:13
Ihr Spitzname stammt aus den "Der rosarote Panther"-Filmen mit Peter Sellers als tapsigem Inspektor Clouseau - doch sie selbst sind alles andere als ungeschickt. Bei ihren Raubzügen in London, Paris und Frankfurt am Main, in Tokio und am Persischen Golf hat eine Bande, die Interpol die "Pink Panther" nennt, Juwelen und Luxusuhren für vermutlich eine Viertelmilliarde Euro eingesackt.

Die Legende um die Bande vom Balkan begann vor sieben Jahren mit einer Cremedose. Milan Jovetic war an einem Überfall auf den Juwelier Graff auf der Bond Street in London beteiligt, bei dem Diamanten im Wert von 23 Millionen Euro den Besitzer wechselten. Als er ein paar Tage später gefasst wurde, fand Scotland Yard einen rund 800.000 Euro teuren Diamantring. Versteckt war das gute Stück in einer Cremedose seiner Freundin - genau wie im Blake-Edwards-Film "Der rosarote Panther" von 1963, dem ersten der "Pink Panther"-Reihe.

Britische Zeitungen verpassten den Juwelendieben den Spitznamen. Als weitere Überfälle folgten, rief Interpol das Projekt "Pink Panther" ins Leben. "Wir bearbeiten 190 Fälle in 27 Ländern auf vier Kontinenten", sagt Einsatzleiterin Julia Viedma. "Es ist eine große Ermittlung."

Großteil der Verdächtigen stammt aus Montenegro
Aus dem durch die Jugoslawien-Kriege verarmten 15.000-Einwohner-Städtchen Cetinje stammen laut Interpol viele der Verdächtigen, die in Zusammenhang mit den Taten der Bande festgenommen wurden. Cetinje hat wenig zu exportieren außer arbeitslosen jungen Männern. Viele von ihnen hängen in einem Café herum, das dem festgenommenen Jovetic gehört.

Hier scheint sich die Vorstellung breitgemacht zu haben, dass die "Pink Panther" vom Schlage Robin Hoods sind, dass sie von den Reichen nehmen und den Armen geben. Doch abgesehen von einigen BMW und Mercedes vor gewissen, von der Halbwelt frequentierten Lokalen gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass hier der Wohlstand ausgebrochen wäre.

150 Überfälle seit Ende der 90er-Jahre?
Interpol achtet sehr darauf, nicht jeden spektakulären Juwelenraub weltweit den "Pink Panthers" anzuhängen. Das würde ihr Image nur noch aufpolieren, meint ein Beamter. Doch die Fahnder vermuten, dass die Bande seit Ende der 90er-Jahre um die 150 Überfälle begangen hat. Rund 25 Personen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet. Gegen 400 Verdächtige wird als mutmaßliche Bandenmitglieder oder Komplizen ermittelt. Der harte Kern soll etwa 40 Personen zählen.

Das eiserne Schweigen der Gefassten vereitelt bisher alle Versuche, die Bande zu zerschlagen. "Ohne Zweifel kommen diese Männer und ein paar Frauen zumeist aus Montenegro und Serbien", sagt Dejan Anastasijevic, ein serbischer Reporter, der über Verbrechersyndikate auf dem Balkan recherchiert. "Wir haben keine Ahnung, wer diese Leute anheuert, ob das die italienische, die russische oder die japanische Mafia ist oder jemand anderes."

Bande war auch in Österreich aktiv
Die "Pink Panther" waren auch in Österreich aktiv: Ende April wurde in Montenegro ein 24-Jähriger festgenommen, der für einen Überfall auf einen Wiener Juwelier in der Liechtensteinstraße im November 2008 mitverantwortlich sein soll. Der Mann wurde anhand von Spuren identifiziert, die in Wien gesichert worden waren. Bei dem Überfall waren die beiden Täter mit einer Pistole und einem Maurerfäustel bewaffnet, hatten die Tür mit einem Sandsack blockiert, Vitrinen zertrümmert und waren mit Luxusuhren im Wert von 200.000 Euro entkommen (siehe Infobox).

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