13.07.2010 12:39 |

Zu Tode geprügelt

S-Bahn-Schläger: "Muss Blackout gehabt haben"

In München hat der Prozess gegen zwei Jugendliche begonnen, die im September 2009 auf dem S-Bahnhof Solln einen 50-Jährigen zu Tode geprügelt hatten. Beide haben die Attacke vor der Jugendkammer des Landesgerichts München gestanden. "Ich muss wohl voll einen Blackout gehabt haben", sagte der 18-Jährige (im Bild mit seinem Verteidiger) zu Prozessbeginn. "Mir tut der Tod von Herrn Brunner unendlich leid."

Der Anklage zufolge töteten der 18-Jährige und sein zur Tatzeit 17-jähriger Komplize den 50-jährigen Manager Dominik Brunner mit Fausthieben und massiven Tritten auf den Kopf, weil der Mann vier Kinder in der S-Bahn vor einem Raubüberfall geschützt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mord aus Rache vor. Beide Angeklagte hätten ihr Opfer mit Fausthieben und Tritten angegriffen, "vielfach mit äußerster Wucht auf den Kopf und den Oberkörper des am Boden liegenden" Dominik Brunner eingetreten und ihn dabei als "Dreckschwein", "Bastard", "Sau" und "Arschloch" beschimpft.

Zum Schluss habe der 18-jährige Angeklagte Brunner "noch einmal mit voller Wucht von oben nach unten mit dem Fuß auf den Kopf" gestampft. Brunner starb mit 44 Verletzungen wenig später in der Universitätsklinik. Brunners 80-jähriger Vater nahm als Nebenkläger an dem Prozess teil und saß den beiden Tätern im Saal genau gegenüber.

Angeklagter: "Wollte Kinder nur ein bisschen ärgern"
Der 18-Jährige las eine persönliche Erklärung vor, wonach er "zu keinem einzigen Zeitpunkt mit dem Tod von Brunner gerechnet, geschweige denn ihn gewollt" habe. Sein Verteidiger Maximilian Pauls verlas eine Erklärung des Angeklagten, in der er den versuchten Raubüberfall auf die vier Schüler bestritt. Während der 17-jährige Mitangeklagte den geplanten Raub gestand, sagte der 18-Jährige, nur aus Jux und um sie "ein bisschen zu ärgern", habe er die Kinder beschimpft und mit Schlägen gedroht. Da habe sich Brunner eingemischt und die Polizei angerufen.

In Solln hätten sie lediglich umsteigen wollen, als Brunner ihm plötzlich mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. "Ich muss dann wohl die Kontrolle über mich verloren haben. Ich kann nicht ausschließen, dass ich auch zugetreten habe", sagte der 18-Jährige

"Wollte niemals, dass so etwas passiert"
Laut Anklage gingen die beiden jungen Männer mit geballten Fäusten auf Brunner zu. Der Ältere habe ausgerufen: "Jetzt schlagen wir euch!" In der Faust habe er einen Schlüsselbund gehabt, die Spitzen hätten nach vorn aus der Faust herausgestanden. Der 17-Jährige sagte zu der Tat: "Ich weiß, dass es dafür keine Entschuldung gibt, dass ein Mensch ums Leben gekommen ist. Es tut mir von Herzen leid, und ich wollte niemals, dass so etwas passiert."

Die Bluttat hatte in Deutschland großes Entsetzen ausgelöst. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler verlieh Brunner für seine Zivilcourage posthum das Bundesverdienstkreuz.

Beide Angeklagte mehrmals vorbestraft
Die beiden Angeklagten sind unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Drogendelikten vorbestraft. Ein Komplize der beiden wurde wegen des unmittelbar vorangegangenen Raubüberfalls auf die vier Kinder bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Laut Anklage hatten die beiden jungen Männer beschlossen, Brunner "für sein anmaßendes Eingreifen zu bestrafen". Als sie auf ihn losgegangen seien, habe dieser den Angriff mit einem Faustschlag ins Gesicht des 18-Jährigen zunächst abgewehrt und dann abgewartet. Darauf sei er binnen einer Minute zu Tode geprügelt und getreten worden.

Urteil in zwei Wochen erwartet
Die Jugendkammer des Landgerichts hat 57 Zeugen und Sachverständige geladen. Schon in zwei Wochen will das Gericht sein Urteil verkünden. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohen dem 17-Jährigen zehn Jahre, seinem Komplizen sogar lebenslange Haft.

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